Viktor Antonov ist tot. Ich weiß nicht, ob dieser Satz bei euch sitzen bleibt – bei mir tut er das immer noch nicht. Er hat City 17 erfunden, Dishonored´s Dunwall gezeichnet und die visuelle Sprache von Half-Life 2 geprägt. 2025 ist er gestorben, 52 Jahre alt. Und heute zeigt Eschatology Entertainment Guns of Eschaton – eine Mischung aus Western, Soulslike und First-Person-Shooter, die nach nichts aussieht, was ich kenne.
Eine letzte Welt – Viktor Antonovs Erbe
Antonov hatte eine Gabe, die wenige Art Director´s besitzen: Seine Welten fühlen sich bewohnt an, nicht gebaut. City 17 in Half-Life 2 war keine Ansammlung von Architektur-Assets, sondern ein Ort, der Geschichte erzählte – von Unterdrückung, von Zusammenbruch, von Hoffnung. Seine visuelle Handschrift ist der Grund, warum seine Spiele auch Jahrzehnte später noch relevant sind.
Guns of Eschaton setzt da an, wo Antonov aufgehört hat – in einem Amerika des 19. Jahrhunderts, das zur apokalyptischen Geisterbahn geworden ist. Verfallene Siedlungen, unmögliche Maschinen, historische Figuren zwischen Legende und Verdammnis. Das ist nicht der Wilde Westen, sondern der sterbende Westen.
Jeder Schuss zählt – wie sich Guns of Eschaton spielt
Das Genre klingt erstmal nach puren Wahnsinn: „Soulslike First-Person Shooter“. Ein Satz, bei dem ich erstmal die Augen verdrehe. Aber der Trailer macht ernst.
Ihr habt eine Handvoll Munition, müsst Gegner studieren, Schwachstellen finden, parieren, ausweichen. Der Codex enthüllt über Sequenz-Punkte die Schwächen eurer Feinde. Dazu kommen okkulte Kräfte, Talismane, Spezialmunition und ein Buildcrafting-System, das aktive und passive Fähigkeiten kombiniert.
Und: Ihr spielt allein oder im Koop, mit geteiltem Fortschritt. Euer Matchmaking-Partner kann also nicht einfach weiterrennen, während ihr noch die Umgebung scannt. Der PUBG-Publisher bewies mit Investments in neue Genres, dass er mehr kann als Battle Royale – Krafton steckt übrigens hinter der Finanzierung.
Vom Konzept zum Studio – die Geschichte hinter Eschatology Entertainment
Eschatology Entertainment wurde 2022 gegründet, von Fuad Kuliev, Dmytro Kostiukevych und Boris Nikolaev – zusammen mit Viktor Antonov. Das Team besteht aus Veteranen von Valve, Wargaming und 4A Games. 65 Leute, remote arbeitend.
2024 kam eine Series-A-Runde von 11,3 Millionen Dollar, angeführt von Krafton. Der Plan war von Anfang an ehrgeizig: ein narratives AAA-Shooter-Universum, aufgebaut um Antonovs letzte kreative Vision. Was mich beeindruckt, ist die Ruhe, mit der das Studio gearbeitet hat – kein Hype, keine Teaserkampagne, einfach zwei Jahre Entwicklung.
Während Antonovs letztes Studio sein Debüt feiert, muss Arkane Lyon um seine Zukunft fürchten – eine dieser Ironien, die man nicht schreiben könnte, wenn sie nicht wahr wären.
