Die Turbulenzen rund um Warner Bros. Discovery hinterlassen ihre ersten konkreten Spuren im Spielebereich – und die treffen Menschen, nicht nur Bilanzzahlen. WB Games Montreal, das Studio hinter Gotham Knights, ist offenbar von einer Entlassungswelle erfasst worden. Mehrere betroffene Entwickler haben sich selbst zu Wort gemeldet, während das Unternehmen selbst schweigt.
Betroffene melden sich auf LinkedIn
Den ersten Hinweis auf die Entlassungen lieferten nicht Pressemitteilungen oder offizielle Statements, sondern die Betroffenen selbst – über LinkedIn. Gotham Knights-Level-Designerin Camille Olivier Paquette schrieb, dass ihr letzter Arbeitstag bei WB Games Montreal hinter ihr liegt und sie nun eine neue Stelle im Bereich Level Design sucht. Zur gleichen Zeit meldete sich Ceri Young, die als leitende Drehbuchautorin bei Gotham Knights und als Narrative Director für das bislang unangekündigte Wonder Woman-Spiel tätig war, ebenfalls zu Wort und gab bekannt, nach einer neuen Rolle in der Spielebranche zu suchen. Auch Associate Producer Nicolas Pereira-Poisson, der zuvor an Suicide Squad: Kill the Justice League sowie an drei nicht angekündigten Projekten mitgewirkt hatte, ist dem Unternehmen offenbar nicht länger angehörig – sein LinkedIn-Profil bestätigt das Ende seiner Festanstellung in diesem Monat, ohne dass er explizit einen Abschiedspost verfasst hat.
Weder Warner Bros. noch Paramount Skydance äußern sich
Trotz der öffentlichen Bestätigungen seitens der betroffenen Entwickler hat sich Warner Bros. Discovery bislang nicht zu den Entlassungen geäußert. Auch Paramount Skydance, das aktuell im Begriff ist, das Unternehmen zu übernehmen, blieb stumm. Einzig Eric Bellefeuille, Experience Design Director bei Motive Studio, meldete sich mit einem solidarischen Kommentar zu Wort und bot betroffenen Entwicklern ausdrücklich Unterstützung bei der Vernetzung und Jobsuche an – eine Geste, die den gemeinschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der Branche in schwierigen Momenten sichtbar macht.
Der größere Kontext: Ein Milliardendeal und seine Konsequenzen
Die Entlassungen bei WB Games Montreal lassen sich schwerlich losgelöst vom übergeordneten Unternehmensgeschehen betrachten. Netflix hatte zunächst geplant, Warner Bros. Discovery in einem Deal im Wert von rund 76 Milliarden Euro zu übernehmen. Nachdem Paramount Skydance jedoch ein deutlich höheres Angebot von rund 102 Milliarden Euro auf den Tisch legte, zog Netflix zurück – mit der Begründung, das Gegenangebot mache den Deal finanziell nicht länger attraktiv. Netflix-Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters betonten, man habe die Übernahme gewollt, nicht gebraucht. Paramount Skydance zahlte Netflix im Gegenzug eine Ausstiegsgebühr von rund 2,6 Milliarden Euro, die nun in den Streaming-Konzern zurückfließt. Für Warner Bros. Games beginnt damit eine Phase der Ungewissheit – und WB Games Montreal scheint bereits mitten in ihr angekommen zu sein. Ob die Entlassungen ein isoliertes Ereignis darstellen oder der Beginn umfassenderer Umstrukturierungen im Spielebereich des Konzerns sind, bleibt offen.