Xiaomi hat am 28. Mai in Düsseldorf seine neue Smart-Tech-Appliances-Reihe für den globalen Markt enthüllt: vier Geräte, die vom Wohnzimmer bis zur Küche alles abdecken. Die Xiaomi TV S Mini LED Series 2026 startet bei 599 Euro (55 Zoll), die Mijia Side-by-Side Kühl-Gefrierkombination 621L kostet 849 Euro, der Mijia Waschtrockner 8kg liegt bei 499 Euro, und der Xiaomi Robot Vacuum H50 Pro kommt für 499,99 Euro. Auf dem Papier sind das Kampfpreise, die etablierte Hersteller wie Samsung, Bosch oder Miele in Bedrängnis bringen – doch während Fernseher und Saugroboter ab sofort verfügbar sind, verbleiben Kühlschrank und Waschtrockner vorerst mit einem „demnächst“-Versprechen ohne konkretes Datum.
599 € für Mini-LED: Der TV-Angriff auf TCL und Samsung
Fünf Größen von 55 bis 98 Zoll, QD-Mini-LED-Technologie, bis zu 1.200 Nits Spitzenhelligkeit und 94 Prozent DCI-P3-Farbraumabdeckung – Xiaomis neue Fernseher positionieren sich preislich dort, wo TCL mit seinen Q7C-Modellen seit Monaten den Markt aufmischt. Der 55-Zöller für 599 Euro konkurriert direkt mit dem TCL 55Q7C, der in deutschen Tests als Preis-Leistungs-Spitzenreiter unter 600 Euro geführt wird.
Für Spieler interessant: Die 55-, 65- und 75-Zoll-Modelle schaffen 120 Hz im Game Boost-Modus, die 85- und 98-Zoll-Flaggschiffe gehen mit nativen 144 Hz an den Start und lassen sich auf bis zu 288 Hz boosten. Dolby Vision und Dolby Atmos bleiben allerdings den teuren 85- und 98-Zoll-Modellen vorbehalten – bei 1.499 respektive 2.299 Euro erwartet man das auch.
Was Xiaomi in der gesamten Pressemitteilung verschweigt: die Anzahl der Local-Dimming-Zonen. Bei Mini-LED ist das DER entscheidende Wert für Schwarzwert und Blooming-Verhalten. TCL nennt sie, Sony nennt sie, Samsung nennt sie. Xiaomi hüllt sich in Schweigen – und das ist selten ein gutes Zeichen.
849€-Kühlschrank und 499€-Waschtrockner: Weißware zum Kampfpreis
Die Mijia Side-by-Side Kühl-Gefrierkombination 621L ist ein Brocken: 910 mm breit, 1.770 mm hoch, 621 Liter Gesamtvolumen (385 Liter Kühlen, 236 Liter Gefrieren), 18 Fächer auf drei Ablageebenen. Zum Vergleich:
- Ein Bosch Serie 6 Side-by-Side mit ähnlichem Volumen kostet rund 1.400 bis 1.800 Euro
- Ein Samsung RS66 mit 620 Litern liegt bei etwa 1.200 Euro
- Xiaomi will 849 Euro – das ist ein Preis, bei dem selbst Beko und Hisense ins Schwitzen kommen
Die Ag⁺-Fresh-Technologie mit Silberionen gegen Gerüche und Bakterien ist solide, aber nicht neu – das kennt man von LG und Samsung seit Jahren. Der Verzicht auf einen Eiswürfelbereiter spart Kosten, wird aber manchen potenziellen Käufer stören.
Der Mijia Waschtrockner 8kg für 499 Euro ist ähnlich aggressiv positioniert. Die „30 Prozent bessere Energieeffizienz als der EU-Grenzwert der Klasse A“ klingt beeindruckend, heißt aber nicht zwingend „beste Klasse“ – im 2024 reformierten EU-Label-System ist A bereits die Einstiegsklasse für Effizienz. Die echte Frage lautet: Schafft das Gerät Klasse B oder sogar C im kombinierten Wasch-Trocken-Betrieb? Ein Langzeittest des Vorgängermodells von Smartzone zeigt, dass die Trocknungsfunktion den Verbrauch „massiv in die Höhe treibt“.
Und dann ist da der Elefant im Raum: Wer repariert einen Xiaomi-Kühlschrank in Deutschland? Der Konzern wickelt Garantiefälle über Dienstleister wie Ingram Micro ab – die Erfahrungsberichte in Foren reichen von „problemlos“ bis „nach 15 Monaten zweimal defekt, Gewährleistung ignoriert“. Bei einem 849-Euro-Kühlschrank mit erwarteten 15 Jahren Lebensdauer ist das ein Risiko, das viele Käufer nicht eingehen werden.
Saugroboter für 500 Euro: Zwischen Dreame und Roborock
Der Xiaomi Robot Vacuum H50 Pro ist das einzige Gerät der Ankündigung, bei dem Xiaomi auf einem etablierten Fundament aufbaut. Die Marke ist im Saugroboter-Markt seit Jahren vertreten und genießt einen soliden Ruf. 15.000 Pa Saugleistung, ausfahrbare Roboterarme für Ecken, LDS-Lasernavigation mit 129°-Weitwinkelsensor und eine All-in-One-Ladestation mit automatischer Staubaufnahme, Bürstenreinigung und Heißlufttrocknung – das Paket für 499,99 Euro liest sich rund.
Die Konkurrenz schläft allerdings nicht: GameStar kürt den Dreame X50 Ultra Complete zum aktuellen Spitzenreiter, und der Dreame L10s Ultra (Gen3) ist als BILD-Preistipp bereits für unter 500 Euro zu haben. Auch Roborock drückt mit dem Q5 Max+ in diese Preisregion. Xiaomis Vorteil: Die enge Integration in die Xiaomi Home App – vorausgesetzt, du bist bereits im Ecosystem unterwegs.
Human x Car x Home – nur ohne Auto: Das Ecosystem-Problem
Xiaomi inszeniert die neuen Geräte als Teil des „Human x Car x Home“-Ökosystems. Das klingt in Peking großartig, wo das Xiaomi SU7 Elektroauto seit 2024 durch die Straßen rollt und per App mit Kühlschrank und Fernseher kommuniziert. In Deutschland fehlt das Auto komplett – und damit das zentrale Bindeglied der Marketing-Story.
Bleiben also die Xiaomi Home App und die Sprachsteuerung per Google Assistant oder Alexa. Die App selbst ist funktional, aber der berüchtigte „Region Lock“ zwischen China- und EU-Servern sorgt in der Community seit Jahren für Frust. Wer ein China-Gerät erwischt, bekommt es nicht mit dem EU-Server verbunden und umgekehrt. Für Otto Normalverbraucher, der bei Media Markt kauft, mag das irrelevant sein – für Smart-Home-Enthusiasten ist es ein potenzieller Stolperstein.
Dass Xiaomi bei Kühlschrank und Waschtrockner OTA-Software-Updates verspricht, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können neue Waschprogramme oder optimierte Kühlprofile nachgereicht werden. Andererseits: Ein Kühlschrank, der Update-Probleme hat, ist ein völlig neues Level von Alltagsärgernis. Und Xiaomi hat mit MIUI/HyperOS auf Smartphones bewiesen, dass Updates nicht immer bugfrei laufen.