Maximum Entertainment hat den Nachfolger des Survival-Hits Smalland enthüllt – und geht dabei einen ungewöhnlichen Weg. Statt die Geschichte fortzuschreiben, springt Smalland 2: Lost Realms zeitlich weit zurück, in eine Ära vor den Riesen. Ein Prequel im Survival Genre? Das ist seltener als eine stabile Framerate zum Launch. Und genau darin liegt der Reiz.
Eine Welt vor den Riesen – was das Prequel erzählerisch freischaufelt
Die Entscheidung, Smalland 2: Lost Realms als Prequel anzusetzen, ist kein bloßer Kniff für die Marketingabteilung. Sie gibt den Entwicklern narrative Freiheit, die ein klassischer Nachfolger schlicht nicht hätte. Im ersten Teil spielte man als Smallfolk, das nach Jahrhunderten im Untergrund wieder an die Oberfläche zurückkehrt – die Riesen sind längst verschwunden. Teil 2 setzt nun vor dieser Flucht an, in einer Zeit, in der die Smallfolk noch frei unter Sonne und Mond lebten.
Die Rohdaten skizzieren eine düstere Prophezeiung, die das Ende dieser Freiheit ankündigt. Elementarwesen bevölkern die Welt, vergessene Zivilisationen warten auf Wiederentdeckung, und der Spieler muss als eine Art vorgeschichtlicher Pionier die Lost Realms durchkämmen. Das klingt nach deutlich mehr Lore-Tiefe, als man sie von einem Survival Titel erwartet – und könnte der entscheidende Hebel sein, um Smalland 2 von der Konkurrenz abzuheben.
Dass das nötig ist, zeigt ein Blick auf den Genossen im Miniaturformat: Grounded. Obsidians Insekten-Survival ist der offensichtlichste Benchmark, und mit Grounded 2 geht der Microsoft-Titel längst in die nächste Runde. Smalland 2 setzt dagegen auf eine eigene, stärker fantasygetriebene Identität – weniger „Honey, I Shrunk the Kids“, mehr mythische Miniaturwelt mit eigener Geschichte. Ob diese Abgrenzung aufgeht, wird vor allem davon abhängen, wie konsequent das Studio die Prequel-Prämisse ins Gameplay übersetzt.
Unreal Engine 5, neues Crafting und die Bindung zu Kreaturen
Technisch fährt Smalland 2 dickes Geschütz auf: Die Engine wandert von Unity auf die Unreal Engine 5, was laut Entwicklerangaben für sattere Umgebungseffekte und höhere Details in der Spielwelt sorgen soll. Ob die UE5 auf allen Plattformen sauber läuft, steht allerdings auf einem anderen Blatt – gerade die Xbox Series S macht bei Titeln dieser Engine regelmäßig schlapp, und die für 2027 angekündigte Version für die Nintendo Switch 2 ist technisch noch völlig unkalkulierbar.
Spielerisch gibt es drei dicke Neuerungen, die das Studio in den Fokus rückt:
- Ein komplett überarbeitetes Crafting System, das mehr Tiefe und sinnvollere Progression bieten soll als das doch recht gradlinige Geklöppel aus dem ersten Teil
- Kletter- und Schwimmmechaniken, die die Erkundung der vertikalen Welt endlich von den unsichtbaren Wänden befreien, die im Vorgänger manchen Höhenflug jäh ausbremsten
- Eine ausgebaute Kreaturen-Bindung, bei der gezähmte Tiere nicht mehr nur Reittiere sind, sondern echte Gefährten mit eigenen Fähigkeiten werden
Gerade das ausgebaute Taming-System klingt nach einer Antwort auf ein Feature, das im ersten Teil zwar vorhanden, aber nie wirklich ausgereift war. Wer auf einem Grashüpfer durch die Gegend hüpfte, hatte Spaß – aber Tiefgang suchte man vergeblich. Hier könnte Smalland 2 tatsächlich einen echten Sprung machen.
Zehn Spieler, eine Welt – und der Brocken namens Merge Games
Der Koop für zehn Spieler bleibt erhalten und ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal: Die meisten Genrekollegen deckeln bei vier Spielern. Zusammen mit dem neuen Fokus auf Handelsrouten und vernetzte Außenposten zwischen den Regionen deutet sich ein Ansatz an, der fast in Richtung eines persistenten Multiplayer-Daseins geht. Die Frage ist nur: Wie stabil läuft das Ganze?
Der erste Teil hatte zwar eine treue Community – rund 4.200 Steam-Reviews mit „Sehr positiv“ –, aber technisch war Smalland: Survive the Wilds kein Musterknabe. Immer wieder berichteten Spieler von verschwindenden Basis-Elementen, GPU-Problemen und gelegentlichen Server-Hopsern. Regelmäßige Updates und Events wie das Yuletide-Fest hielten das Spiel zwar am Leben, doch der Sprung auf eine völlig neue Engine ist kein Garant für technische Stabilität – im Gegenteil.
Und dann ist da noch der unangenehme Hintergrund: Merge Games, das ursprüngliche Entwicklerstudio, wurde 2024 von Maximum Entertainment abgewickelt und dessen Assets an Silver Lining Interactive veräußert. Maximum hält zwar die Rechte an Smalland, aber das Kernteam, das den ersten Teil gebaut hat, existiert in dieser Form nicht mehr. Wer genau bei Max Ent Games Ltd jetzt an Smalland 2 schraubt, bleibt vage.
Das muss kein Dealbreaker sein – aber es erklärt, warum Maximum Entertainment im Ankündigungstext lieber von der „nächsten Evolutionsstufe“ der Reihe spricht als von konkreten personellen Kontinuitäten. Ein genauer Blick aufs Entwicklerteam wäre vor dem Kauf angebracht.
