Während die GTA 6 Vorbestellungen alle Rekorde pulverisieren, zieht Rockstar eine Grenze – und zwar eine regionale. Nachdem die No-Disc-Entscheidung für die physische Version bereits für Diskussionen gesorgt hat, legt der Publisher mit einem FAQ nach, das vor allem PS5-Spieler betrifft: Wer den Code der „physischen“ Edition in einer anderen Region einlösen will als der, in der er gekauft wurde, hat Pech gehabt. Xbox-Spieler? Dürfen weitermachen wie bisher.
Acht Länderblöcke, ein Code
Rockstars FAQ teilt die Welt in acht Regionen – von Nordamerika über Europa und Asien bis nach Saudi-Arabien. Wer seinen PS5-Code außerhalb seines Blocks einlöst, bekommt schlicht keinen Zugriff. Brasilien und Südkorea sind eigene Blöcke. Deutschland teilt sich den „Rest of EMEA and Asia“-Block mit Australien, Österreich, Frankreich, Indien, Israel, der Schweiz, der Türkei und über 20 weiteren Ländern.
Besonders kurios: der Japan-Sonderfall. Hier schreiben lokale Regulierungen vor, dass Produktcodes 170 Tage nach Ausstellungsdatum verfallen – und Rockstar setzt das eins zu eins um. Wer in Japan vorbestellt, hat ab dem 19. November genau bis Anfang Mai 2027 Zeit, den Code einzulösen. Dann ist er wertlos. Ein Detail, das in den allgemeinen Diskussionen um den Region-Lock bisher untergegangen ist, aber zeigt, wie granular Rockstar die Einschränkungen ausgestaltet hat.
Dass ausgerechnet die PS5-Version betroffen ist, überrascht kaum – wer sich an die Kontroverse um die fehlende Disc erinnert, weiß, dass die physische Edition ohnehin nur eine Hülle mit Code ist. Der Region-Lock macht diese Hülle jetzt zusätzlich ortsabhängig.
Die Spur führt zu Sony
Rockstar selbst schweigt zur Ursache, aber die liegt auf der Hand: Sonys Account-System ist fragmentierter als Microsofts. Während sich Xbox-Konten problemlos über Regionen hinweg nutzen lassen, sind PlayStation-Konten historisch an Regionen gebunden – Sony hat diesen Mechanismus schon bei der PS5 Digital Edition getestet, der in Japan zu massiven Verkaufssprüngen geführt hat. Das ist nicht böser Wille, sondern Systemarchitektur. PlayStation-Nutzer in Ländern ohne offiziellen Store-Support müssen Umwege gehen – Accounts aus anderen Regionen anlegen, Guthabenkarten importieren. Rockstar schneidet mit dem Region-Lock genau diesen Graubereich ab. Auf Xbox existiert dieser Graubereich schlicht nicht, weil Microsofts Account-System von Anfang an zentralisiert gebaut wurde.
Das führt zu einer paradoxen Situation: Sony, das GTA 6 marketingtechnisch wie einen Exklusivtitel behandelt – mit eigenem PS5-Theme, App-Icon und UI-Integration –, liefert die Plattform, auf der die Nutzer die meisten Einschränkungen erleben. Microsoft, das im Schatten von Sonys Marketing-Maschinerie steht, bietet die freiheitlichere Lösung.
Kontroversen interessieren nicht
Keine Disc. Region-Lock. Codes mit Verfallsdatum. Die Liste der Dinge, an denen sich Spieler reiben könnten, wird länger mit jedem FAQ-Update. Und doch zeigt ein Blick auf die Vorbestellungszahlen: Es interessiert kaum jemanden.
Unsere Analyse der Pre-Order-Woche hat gezeigt, dass GTA 6 allein in den USA und den fünf größten europäischen Märkten 260 Millionen Dollar in digitalen Vorbestellungen umgesetzt hat. Newzoo prognostiziert 51 Millionen verkaufte Einheiten in der ersten Woche. Microsofts PR-Abteilung mag auf IGNs 8:1-Zahlen mit Rekord-Bestellungen auf der eigenen Plattform kontern – der Trend ist klar: GTA 6 verkauft sich, was immer Rockstar auch entscheidet.
Ex-Rockstar-Producer John Ricchio beschreibt das Spiel als „monströs“ – und die Zahlen geben ihm recht. Wenn selbst eine doppelte Kontroverse die Vorbestellungen nicht bremst, dann ist die Marke GTA schlicht zu groß, um von solchen Entscheidungen beschädigt zu werden. Die Frage ist nur, ob das auch nach dem Launch noch gilt – und die beantwortet erst der 19. November.
