007 First Light öffnet für Abonnenten höherer PlayStation-Plus-Stufen überraschend die Schranken zu einer zeitlich streng limitierten Probefahrt. Monate nach dem gefeierten Konsolen-Debüt kombiniert Entwickler IO Interactive diesen Schnupperkurs direkt mit einem spürbaren Preisnachlass im digitalen Store. Der Haken an der Aktion offenbart sich allerdings zügig am Controller: Wer auf die volle spielerische Freiheit hofft, prallt an der kurzen Testphase ab.
Die Testphase stoppt vor dem eigentlichen Spiel
Sony schaltet für zahlende PlayStation-Plus-Abonnenten exakt sechzig Minuten Spielzeit frei, zieht den Vorhang aber pünktlich vor dem ersten echten Einsatz zu. Wer die Mitgliedschaft bei PlayStation Plus Premium oder Deluxe gebucht hat, lädt den Agenten-Thriller ohne Zusatzkosten auf die Konsole. Sämtliche erspielten Fortschritte und Trophäen wandern bei einem späteren Kauf nahtlos in die Vollversion. Die zeitliche Begrenzung greift jedoch genau in dem Moment, in dem das Abenteuer überhaupt erst Fahrt aufnimmt.
Der Einstieg deckt lediglich den Prolog auf Island sowie die anschließenden Trainingsstunden im britischen Geheimdienst ab. Angehende Agenten lernen das grundlegende Schleichen, setzen erste lautlose Ausschaltungen und machen sich mit den Eigenheiten des MI6 vertraut. Das eigentliche Markenzeichen des dänischen Studios – verschachtelte Schauplätze mit etlichen Lösungswegen – bleibt während dieser Schnupperstunde noch komplett im Verborgenen. Die erste vollwertige Mission startet exakt dort, wo der Timer unbarmherzig abläuft.
Für unentschlossene Spieler bleibt die Probe damit ein zweischneidiges Schwert. Wer prüfen möchte, ob die Technik auf dem eigenen Fernseher sauber läuft und wie sich die Steuerung anfühlt, bekommt einen soliden ersten Eindruck. Ein echtes Urteil über den spielerischen Tiefgang erlaubt dieser Ausschnitt jedoch kaum, weil er Bonds größte Stärke fast vollständig ausklammert.
Improvisation schlägt die akribische Vorbereitung am Einsatzort
Patrick Gibson verkörpert den jungen Rekruten nicht als kühlen Attentäter, sondern als ungestümen Agenten im ständigen Vorwärtsdrang. Während Agent 47 in der Hitman-Reihe minutiös Wachrouten studiert und Münzen wirft, zwingt die neue Spionage-Formel zu schnellen Entscheidungen aus der Situation heraus. Fliegt die Tarnung auf, bricht kein sofortiger Fehlschlag über den Bildschirm herein. Stattdessen reden sich Spieler durch gezielte Reaktionen aus brenzligen Situationen heraus oder greifen direkt zur Faustfeuerwaffe.
Sobald die Handlung den Prolog hinter sich lässt, entfaltet sich diese Dynamik an Schauplätzen rund um den Globus. Von den Straßen Vietnams über sonnenüberflutete Villen auf Malta bis zu staubigen Wüstenanlagen in Mauretanien deckt Bond zusammen mit seinem Mentor John Greenway – gespielt von Lennie James – eine weltweite Verschwörung auf. Auch spektakuläre Verfolgungsjagden am Steuer schneller Boliden und Schusswechsel an Bord abstürzender Flugzeuge heben das Geschehen deutlich von der sonst so bedächtigen Meuchel-Sandbox ab, wie wir schon in unserem ausführlichen Test herausgearbeitet haben.
Die eigentliche Faszination des Titels entfaltet sich erst in dieser unberechenbaren Mischung aus Täuschung und Action. Genau deshalb wirkt die Beschränkung auf die Einführungspassage fast wie ein Relikt aus einer Zeit, in der Publisher ihre Vertriebswege noch völlig anders absteckten.
Kalkulierter Kurswechsel für das lukrative Weihnachtsgeschäft
Der Zeitpunkt für die Freischaltung der Testversion folgt einer klaren wirtschaftlichen Logik vor dem anstehenden Jahresendgeschäft. Zeitgleich mit dem Erscheinen bei PlayStation Plus senkt der PlayStation Store den Preis der Deluxe Edition um satte 50 Prozent auf rund 40 Euro. Vor dem Release im Mai schlossen die Entwickler eine reguläre Demo noch kategorisch aus. Nach über vier Millionen verkauften Exemplaren beginnt nun die gezielte Jagd auf all jene, die zum Vollpreis gezögert haben.
Späteinsteiger treffen dabei auf ein wesentlich runderes Gesamtpaket als die Käufer der ersten Stunde. IO Interactive pflegte das Abenteuer in den vergangenen Monaten kontinuierlich mit Inhalts-Updates, spendierte dem taktischen Simulator frische Herausforderungen und reichte neben einem Fotomodus auch den von Fans geforderten New-Game-Plus-Modus nach. Wer nach der Schnupperstunde zuschlägt, bekommt ein poliertes Spionage-Paket auf dem aktuellen technischen Stand.
Geduld müssen weiterhin nur Nintendo-Fans aufbringen, denn die angekündigte Fassung auf der Switch 2 lässt noch bis zum 18. März 2027 auf sich warten. Das Studio begründete das Festhalten an der Verzögerung unmissverständlich: „Wir brauchen schlicht mehr Zeit für den Feinschliff der Portierung.“ Auf den stationären Plattformen hingegen sitzt der Smoking längst perfekt – und wer die ersten sechzig Minuten als Appetithappen begreift, bekommt derzeit die günstigste Gelegenheit für den Einstieg in Bonds neue Dienstzeit.


