Wer nach 24 Jahren und zwei gescheiterten Filmreihen immer noch Hoffnung in einen Resident Evil-Film steckt, ist entweder naiv oder ein sehr treuer Fan. Zach Cregger – der Mann hinter Barbarian und Weapons – will genau diese Hoffnung diesmal nicht enttäuschen. Der neue Trailer zu seinem Reboot zeigt einen überraschend frischen Ansatz: keinen Super-Soldaten, keinen legendären Charakter, sondern einen völlig überforderten Medikamentenkurier namens Bryan. Die Frage ist nur: Reicht das, um die angeknackste Filmreihe zu retten?
Ein Nobody als Held: Warum Bryan die klügere Wahl ist
Die erste Frage, die nach dem Trailer aufkam: Wer zur Hölle ist Bryan? Kein Leon, kein Chris, keine Claire. Ein Medikamentenkurier, der auf dem Weg ins Raccoon City General Hospital ist, als die Hölle losbricht. Austin Abrams spielt ihn – bekannt aus Euphoria und The Walking Dead – und trägt eine Naivität zur Schau, die man aus den Spielen kennt, aber in den Filmen nie gesehen hat.
Denn genau das ist der Punkt: Die Spiele haben noch nie mit ausgewachsenen Spezialeinheiten angefangen. RE1 beginnt mit einem völlig überforderten S.T.A.R.S.-Team, das nicht weiß, worauf es sich einlässt. RE2 lässt dich als frischgebackenen Cop in eine brennende Stadt laufen. RE7 setzt dich als Normalo in ein verfluchtes Haus. Capcoms ganze Formel lebt davon, dass du als Spieler genauso ahnungslos bist wie die Figur auf dem Bildschirm. Und genau das macht Cregger jetzt: Er übersetzt die Schwäche des Protagonisten in filmische Sprache.
Bryan ist kein Badass. Er ist tollpatschig, überfordert und will eigentlich nur seinen Job machen. Dass er am Ende doch gegen BOWs kämpfen muss, ist kein Zeichen von Stärke, sondern von purer Verzweiflung. Das ist näher an den Spielen als jede Film-Version der letzten 24 Jahre.
Creggers Handschrift: Was der Trailer über den Film verrät
Der Trailer selbst hält sich angenehm zurück. Keine fünffachen Schnitte pro Sekunde, keine übertriebenen Jump-Scares. Stattdessen: lange Einstellungen, eine frostige Nacht in Raccoon City und ein Protagonist, der mehr rennt als kämpft. Wer Barbarian oder Weapons gesehen hat, erkennt Creggers Handschrift sofort: Er baut Spannung aus Perspektive auf, nicht aus Effekten.
Ein paar Details fallen ins Auge. Der Film spielt in der Gegenwart – im Trailer ist ein Smartphone zu sehen, was die Timeline von den 90ern der Spiele löst. Das ist ein mutiger Zug, aber narrativ klug: Cregger will keine Nostalgie-Maschine bauen, sondern die Erfahrung des Spiels einfangen. In seinen eigenen Worten: Der Zuschauer ist „eingesperrt mit einem Protagonisten auf einer Fußreise durch eine Welt, die darauf aus ist, sie zu vernichten“. Das klingt nach Survival Horror, nicht nach Action-Kino.
Der Cast ist ebenfalls vielversprechend. Zach Cherry, Kali Reis und Paul Walter Hauser in Nebenrollen deuten auf ein Ensemble hin, das mehr Tiefe verspricht als die flachen Nebenfiguren der Resident Evil Requiem-Ära. Und das Drehbuch, das Cregger zusammen mit Shay Hatten (John Wick 3, Army of the Dead) geschrieben hat, lässt auf eine straffe Erzählstruktur hoffen.
Dritter Versuch, erstes Mal richtig?
Es ist leicht, bei einem weiteren RE-Film-Reboot die Augen zu verdrehen. 2002 startete Milla Jovovich ihre sechsteilige Action-Reihe, die kommerziell erfolgreich war, aber mit den Spielen so viel zu tun hatte wie Fast & Furious mit dem echten Straßenverkehr. 2021 versuchte Welcome to Raccoon City den Back-to-Basics-Ansatz – und scheiterte, weil er zu brav an der Spielvorlage klebte, ohne zu verstehen, warum sie funktioniert.
Cregger geht den dritten Weg. Er adaptiert nicht die Story, sondern die Mechanik. Das ist der entscheidende Unterschied: Während Anderson die Spiele als Inspirationsquelle für Actionszenen nutzte und Roberts sie als Cut-Scene-Nacherzählung missverstand, übersetzt Cregger das Kerngefühl – Orientierungslosigkeit, Bedrohung, Überlebenszwang – in ein filmisches Format. Das klingt abstrakt, aber der Trailer macht es sichtbar: Bryan rennt durch dunkle Flure, sucht nach Auswegen, versteckt sich. Keine One-Liner, keine Zeitlupen-Sprünge.
Ob das reicht? Keine Ahnung. Aber es ist der erste RE-Film seit 24 Jahren, der eine klare künstlerische Vision hat, statt eine Marketing-Formel zu bedienen. Und das ist mehr, als man von den vorherigen Versuchen sagen konnte. Wer sich für Capcoms Pläne für die Serie interessiert, wird sehen, dass dieser Film auch ein Testballon für die Zukunft der Marke außerhalb der Spiele ist – Deadline berichtet, dass Sony und Constantin Film voll hinter Creggers Vision stehen.
