Die dritte Entlassungswelle bei 1047 Games ist nicht überraschend, aber sie kommt zu einem besonders bitteren Zeitpunkt. Direkt nach dem Release von EMPULSE, dem Spiel, das das Studio retten sollte, müssen mehrere Mitarbeiter gehen – darunter der Associate Art Director, der Community Specialist und der QA-Director. Es fühlt sich an wie der Moment, in dem ein Zug langsam ausrollt, bevor er ganz stehen bleibt.
Drei Entlassungswellen in zwei Jahren – das ist passiert
1047 Games hat die dritte Entlassungswelle innerhalb von zwei Jahren hinter sich. Das bestätigen mehrere ehemalige Mitarbeiter auf LinkedIn – darunter Associate Art Director Jonathan Kuo, Community Specialist Jesse Griefenberg und QA-Director Igor Krinitskiy. Kuo schreibt, dass es „die dritte Welle von Studio-Entlassungen“ sei. Krinitskiy formuliert es noch bildhafter: „Einige von uns, die Crew des 1047-Zuges, steigen an der Station nach EMPULSE aus.“
Das Studio selbst hat sich bislang nicht offiziell zur aktuellen Welle geäußert. Keine genauen Zahlen, keine Namen, keine Erklärung. Das Muster ist aus den letzten Runden bekannt: Im Sommer 2025 entließ das Studio eine erste Welle, wenige Wochen später folgte eine zweite, zeitgleich mit der Ankündigung, dass Splitgate 2 komplett umgebaut wird. Jetzt, knapp ein Jahr später, die dritte Welle. Das macht insgesamt drei Entlassungen bei keinem einzigen erfolgreichen Release dazwischen.
EMPULSE sollte der Befreiungsschlag sein
Vor gut einem Monat hat 1047 Games EMPULSE veröffentlicht – einen 6v6-Movement-Shooter, der ganz offen in die Titanfall-Lücke springt. Wandsprints, Greifhaken, Holojumps, Mech-Gefechte. Wir haben das Spiel mehrfach beleuchtet, von der Ankündigung bis zum Gameplay-Reveal. Die Hoffnung war klar: Nach dem Splitgate 2 Desaster sollte EMPULSE zeigen, dass 1047 noch relevant ist.
Dann kam der Early Access, und die Luft war schnell raus. Erste Eindrücke beschreiben ein Spiel, das sich wie eine Titanfall-Hommage anfühlt – aber nicht die Tiefe erreicht, die das Original so besonders machte. Mechaniken wirken wie eingedeutschte Gimmicks, nicht wie ein organisch gewachsenes Moveset. Dazu kommt: Ein Monat nach Release ist von EMPULSE schon wieder wenig zu hören.
Die dritte Entlassungswelle direkt nach dem Release klingt nicht nach einem Studio auf Erfolgskurs. Es klingt nach einem Studio, das sein letztes Pulver verschossen hat – und jetzt die Personaldecke zusammenstreicht, weil die Kasse nicht stimmt.
Vom Milliarden-Versprechen zur dritten Krise
Es ist schwer, sich heute noch an den Hype um 1047 Games zu erinnern. 2021 war Splitgate eine echte Sensation: über 13 Millionen Downloads in der Open Beta, zeitweise 200.000 gleichzeitige Spieler, 100 Millionen Dollar Finanzierung bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden. CEO Ian Proulx sprach damals von einem Spiel, das „die Leute in zehn Jahren noch spielen“.
Daraus wurde nichts. Splitgate 2 startete im Juni 2025 mit Serverproblemen, einem 80 Dollar Mikrotransaktions-Bundle und einem Steam-Peak von 25.000 Spielern, der innerhalb von Wochen auf ein Zehntel schrumpfte. Der Relaunch als Splitgate: Arena Reloaded brachte kaum 2.300 gleichzeitige Spieler. Auf die Frage nach den niedrigen Zahlen antwortete das Studio: „Steam Charts messen keinen Spaß.“
Das ist der Satz, der das Problem auf den Punkt bringt. Denn natürlich messen Steam Charts keinen Spaß, aber sie messen ziemlich genau, ob Leute dein Spiel spielen. Und wenn nach einem Umbau, einem Relaunch und einer Arena-Version immer noch kaum jemand da ist, dann ist das kein Messfehler. Dann ist es die Realität.