1047 Games hat einen neuen Cinematic-Trailer zu EMPULSE veröffentlicht, dem kommenden Movement-Shooter, der ganz ungeniert die Titanfall-Lücke besetzen will. Wandsprints, Greifhaken, Holojumps, P.A.I.N.T.-Bomben und Mech-Gefechte – der Trailer zeigt alles, was das Herz eines Titanfall-Fans höherschlagen lässt. Allerdings: Es handelt sich um einen in der Engine gerenderten Cinematic-Trailer, nicht um Gameplay. Der echte Gameplay-Reveal folgt erst am 7. Juni…
Cinematic-Trailer mit Titanfall-Vibes – aber der Gameplay-Reveal muss liefern
Der neue Trailer, den 1047 parallel zur Computex-Woche veröffentlicht hat, ist eine kurze Bewegungsorgie durch die Häuserschluchten von Freehold. Ein Spieler sprintet Wände entlang, schwingt sich per Greifhaken durch Häuserlücken, setzt einen Holojump ein und wirft eine P.A.I.N.T.-Bombe, die den Slide verlängert. Im Hintergrund erwacht einer der Mechs zum Leben. Das sieht nach exakt dem Flow aus, den Titanfall-Fans seit Jahren vermissen.
Doch der Teufel steckt im Detail: Das ist kein Gameplay. Der Trailer wurde in der Engine gerendert – ein glorifizierter Render-Film, der keinerlei Aussage über tatsächliche Spielmechanik, Netcode, Tickrate oder Bewegungs-Fluidität erlaubt. Wie sich EMPULSE wirklich anfühlt, soll erst der Gameplay-Reveal am 7. Juni zeigen. Ein Datum, das auf einen Auftritt beim Xbox Games Showcase oder der PC Gaming Show hindeutet.
In einem Polygon-Interview erklärte Studio-Chef Ian Proulx, dass der Flow-State von EMPULSE direkt von Titeln wie Titanfall 2, Black Ops 3 und – überraschenderweise – SSX inspiriert sei. Die Snowboard-Reihe als Bewegungsreferenz für einen Shooter? Das klingt ungewöhnlich, aber ein flüssiges Movement-System war bei Splitgate bereits das stärkste Asset des Studios. Ob EMPULSE das in echten Multiplayer-Gefechten halten kann, hängt von Faktoren ab, die ein Cinematic-Trailer nicht zeigt: Netcode, Server-Tickrate und vor allem die Performance auf Unreal Engine 5.
Mechs auf Zuruf? Die große Unbekannte im Spielsystem
Die Rohdaten beschreiben ein Mech-System, das sich fundamental von Titanfall unterscheidet: Mechs spawnen auf der Karte – und Spieler müssen um sie kämpfen. Kein Titan-Timer, kein Kill-Streak-Bonus. Wer zuerst am Mech ist, steigt ein. Die Konsequenzen sind vorhersehbar: Geübte Spieler werden die Mech-Spawns dominieren, während weniger erfahrene Teammitglieder entweder leer ausgehen oder im Mech zur wandelnden Zielscheibe werden.
1047 deutet an, dass es mehrere Mech-Typen mit eigenen Fähigkeiten geben wird. Wie viele, welche Rolle sie im 6v6-Gefüge spielen und ob es einen klassischen Titanfall-ähnlichen Modus geben wird, bleibt offen. „You would have to think that 1047 Games would have some kind of mode that would function like classic Titanfall“, spekuliert selbst der Ausgangsartikel – ein diplomatischer Hinweis darauf, dass die Entwickler genau diese Erwartungshaltung bewusst schüren, ohne sie zu bestätigen.
Die offizielle Steam-Seite des Spiels listet als Kern-Features:
- Wandsprints und Greifhaken durch vertikale Level-Architektur
- Holojumps für schnelle Positionswechsel
- P.A.I.N.T.-Bomben, die Slides verlängern und gegnerischen Beschuss unterlaufen
- Mech-Piloting mit roher Feuerkraft und hohem Risiko
Das klingt nach einem soliden Fundament. Die Frage ist, ob 1047 daraus ein faires, langfristig motivierendes Spielsystem bauen kann – oder ob EMPULSE die gleichen Balance-Probleme plagen werden, die schon Splitgate 2 den Nerv raubten.
Das Splitgate-2-Trauma: Warum 1047 Games unter massivem Beweisdruck steht
Die ersten Ankündigung von EMPULSE Mitte Mai 2026 kam keine zwei Monate, nachdem Splitgate 2 endgültig zum Sanierungsfall erklärt worden war. Die Chronik ist niederschmetternd: Splitgate 2 startete im Juni 2025 mit einem Steam-Peak von 25.785 gleichzeitigen Spielern und wurde innerhalb weniger Wochen wieder „eingestampft“. Serverprobleme am Launch-Tag, ein Mikrotransaktions-Bundle für 80 US-Dollar und fundamentale Balance-Probleme trieben die Spieler in Scharen davon.
Parallel dazu geriet das Studio selbst in Turbulenzen: Entlassungen, Gehaltskürzungen der Gründer und eine öffentliche Debatte darüber, ob Steam-Charts die Realität abbilden („Steam Charts don’t measure fun“). In diesem Umfeld EMPULSE als nächsten großen Wurf zu bewerben, ist ambitioniert – und birgt ein massives Glaubwürdigkeitsrisiko.
Dazu kommt die Monetarisierungsfrage. EMPULSE erscheint als Free-to-Play-Titel, die Steam-Seite bestätigt das. Splitgate 2 verbrannte sich mit einem überteuerten Ingame-Shop kolossal die Finger. Ob 1047 aus diesem Fehler gelernt hat oder EMPULSE ähnlich aggressiv monetarisiert, wird einer der entscheidenden Faktoren für die Langzeitmotivation der Spieler sein.
Titanfall 3 ist tot – lang lebe EMPULSE?
Die größte Chance für EMPULSE liegt nicht im eigenen Studio, sondern bei der Konkurrenz. Respawn Entertainment hat Titanfall 3 im Februar 2026 endgültig eingestellt – Teil einer großen Entlassungswelle bei EA, die über 300 Mitarbeiter traf, darunter viele aus dem Titanfall-Team. Bereits 2023 hatte Respawn-CEO Vince Zampella in einem Interview zugegeben: „Wir haben Titanfall 3 selbst abgesagt, weil wir dachten, wir könnten dieses Spiel machen, und es wäre Titanfall 2 plus ein bisschen besser – aber das reicht nicht.“ Die Community hungert seit Jahren nach einem Nachfolger, und Apex Legends bedient zwar das Titanfall-Universum, aber nicht das Mech-Pilot-Gameplay.
In diese Lücke stößt EMPULSE. Ein 6v6-Movement-Shooter mit Mechs, Wandsprints und Greifhaken von einem Studio, das mit Splitgate zumindest bewiesen hat, dass es innovative Mechaniken (Portale!) mit solidem Gunplay verbinden kann. Das Potenzial ist real. Ob 1047 es ausschöpft, hängt von zwei Faktoren ab: dem Gameplay-Reveal am 7. Juni und – noch entscheidender – der Qualität des Early-Access-Builds, der irgendwann 2026 auf PS5, Xbox Series X/S und PC erscheinen soll.
