Remedy Entertainment steht unter Zugzwang. Nachdem der gescheiterte Multiplayer-Ableger FBC: Firebreak mit teils nur 30 gleichzeitigen Steam-Spielern zum peinlichen Flop geriet und selbst Alan Wake 2 kommerziell hinter den Erwartungen zurückblieb, lastet auf Control Resonant enormer Druck. Im Rahmen der State of Play am 2. Juni 2026 präsentierte das finnische Studio einen neuen Story-Trailer und verkündete den lange erwarteten Termin: Am 24. September 2026 erscheint das paranaturale Action-Adventure für PS5, Xbox Series X|S und PC.
Ein neuer Protagonist, eine neue Bedrohung – worum geht es in Control Resonant?
Die wohl radikalste Änderung gegenüber dem 2019er Original betrifft den spielbaren Charakter. Statt Jesse Faden, die im ersten Teil noch als frisch gebackene Direktorin des Federal Bureau of Control durch das Älteste Haus kämpfte, übernimmt nun ihr Bruder Dylan Faden die Hauptrolle. Für Kenner des Vorgängers ist das eine bemerkenswerte Wendung: Dylan war in Control noch der vom Zischen korrumpierte Antagonist, eine zerstörerische Kraft, die Jesse am Ende nur knapp bändigen konnte. Danach fiel er ins Koma – für sieben Jahre.
Creative Director Mikael Kasurinen beschreibt Dylans Ausgangslage mit drastischen Worten: „Dylan hatte noch nie die Kontrolle über sein eigenes Leben. Als Kind vom FBC entführt, in Isolation aufgezogen und später vom Hiss übernommen – er trägt eine unvorstellbare Last und Hunderte Menschenleben auf dem Gewissen.“ Jetzt ist er wach, seine Schwester Jesse ist spurlos verschwunden, und über Manhattan hat sich eine paranaturale Katastrophe ungekannten Ausmaßes gelegt.
Der Schauplatz markiert den zweiten großen Bruch mit dem Vorgänger. Statt der klaustrophobischen Brutalismus-Architektur des Ältesten Hauses erkundest du eine surreal verzerrte Version von New York City, die in verschiedene Zonen mit rivalisierenden Fraktionen zerfällt. Remedy nennt als erzählerische Blaupausen ausdrücklich die Southern Reach Trilogie von Jeff VanderMeer (die Buchvorlage zu Annihilation), Akte X und den Science-Fiction-Klassiker Picknick am Wegesrand der Strugazki-Brüder. Wer diese Werke kennt, weiß: Das wird kein gemütlicher Spaziergang durch den Central Park.
Kampfsystem und Inspirationen: Nahkampf-Kombos treffen auf paranaturale Fähigkeiten
Remedy bewirbt das Kampfsystem als deutlich tiefgreifender als im Erstling. Statt sich primär auf die Service Weapon zu verlassen, sollst du diesmal zwischen völlig unterschiedlichen Builds wählen können. Auf Kombos ausgelegte Nahkampfangriffe stehen ebenso zur Verfügung wie paranaturale Fähigkeiten, die das Arsenal aus dem Original erweitern. Im New Game Plus Modus schaltet sich obendrein ein vierter Slot für Artefakte frei – was in der Theorie absurd kreative Kombinationen ermöglicht.
Dass die Finnen hier nicht nur PR-Sprech ablassen, deutet sich in einem entscheidenden Detail an: Die Steam-Seite listet 100 GB benötigten Speicherplatz. Zum Vergleich: Das originale Control kam mit 42 GB aus, Alan Wake 2 belegte rund 90 GB. Diese Verdopplung spricht für massiv aufgewertete Texturen und Assets – und möglicherweise für eine Integration von Path Tracing, nachdem Remedy bereits für Control Resonant DLSS 4.5 und Raytracing-Features angekündigt hatte. Ob die Northlight-Engine diesmal zum Launch stabil läuft, bleibt allerdings eine offene Frage – die technische Historie des Studios mahnt zur Vorsicht.
Preise, Editionen und die Early Access Kontroverse
Remedy hat die Vorbestellungen zeitgleich mit dem Trailer freigeschaltet, und das Preismodell verdient einen genauen Blick:
- Die Standard Edition kostet 59,99 Euro – auf Steam bereits vorbestellbar sowie im PlayStation Store und für Xbox.
- Die Digital Deluxe Edition schlägt mit 69,99 Euro zu Buche und gewährt einen Early Access Zugang ab dem 22. September – also 48 Stunden vor dem offiziellen Release.
- Als Vorbestellerbonus gibt es plattformunabhängig drei Ingame-Extras: das „Zischen-Befall“-Outfit, das „Das Okkulte“-Outfit sowie das „Langfinger-Werkzeug“ als nutzbares Artefakt.
- Die Deluxe Edition legt zusätzlich ein digitales Artbook, den Soundtrack, das Outfit für die AWE Mission und ein Starterpaket mit Ressourcen obendrauf.
Zehn Euro Aufpreis für zwei Tage Vorabzugang – dieses Modell polarisiert. Bei einem storygetriebenen Einzelspielertitel, bei dem Spoiler das Erlebnis empfindlich beschädigen können, fühlen sich Käufer der Standard Edition schnell abgehängt. Der Trend, Early Access hinter teureren Editionen zu verstecken, hat zuletzt bei Dragon Age: The Veilguard und Starfield für erheblichen Unmut gesorgt. Remedy setzt hier auf eine Monetarisierungsstrategie, die bei einem Studio mit kreativem Nimbus zumindest verwundert – zumal der neue CEO Jean-Charles Gaudechon erst kürzlich versprach, Remedys DNA nicht mit Konzernmethoden plattzudrücken.
Hinzu kommt: Das Release-Fenster könnte kaum ungünstiger gewählt sein. Am selben Tag erscheint mit Silent Hill: Townfall ein thematisch verwandter Horror-Titel, und nur neun Tage zuvor, am 15. September, geht mit Marvel’s Wolverine einer der größten Blockbuster des Jahres an den Start. Remedy hofft auf 1,8 Millionen verkaufte Einheiten bis Ende 2026 – eine konservative Prognose, die angesichts dieser Konkurrenz durchaus realistisch wirkt. Nach der schmerzhaften strategischen Kehrtwende beim Multiplayer-Projekt FBC: Firebreak und der Tatsache, dass das Remedy Connected Universe noch längst nicht den Massenmarkt erreicht hat, ist Control Resonant ein echter Prüfstein. Liefert das Spiel ab, könnte es die Wende bringen. Stolpert es, wird die Luft für das finnische Studio dünn.
