Erst kürzlich wurden die Vorbestellungen zu GTA 6 geöffnet und schon trudeln die ersten Zahlen ein. Wie aus Branchenkreisen durchsickert, bestellen PS5-Spieler Grand Theft Auto 6 sechsmal so häufig vor wie Xbox-Besitzer – ein Erdrutsch.
Natürlich, die Zahlen stammen aus dem Retail-Bereich, einem Kanal, der traditionell konservativer tickt. Aber selbst wenn die tatsächliche Relation bei 4:1 oder 5:1 liegt: Das Signal ist deutlich. Sony hat GTA 6 nicht exklusiv, aber das Marketing fühlt sich seit Tagen so an. Ein eigenes PS5 Welcome Theme, ein App-Icon mit Vice City-Sonne, der PlayStation-Blog schwärmt vom „besten Spielerlebnis auf PS5“. Und wer sieht, wie Sony das Open World Epos behandelt, versteht, warum.
Die Konsolenbasis spricht eine klare Sprache
Knapp 94 Millionen PS5-Auslieferungen stehen geschätzten 34 Millionen Xbox Series X|S gegenüber. Das ist ein Verhältnis von etwa 2,7:1 – die 6:1-Vorbestellungen liegen also deutlich über dem, was die reine installierte Basis erklären würde.
Physische Verkäufe performen traditionell stärker auf PlayStation, und die Retail-Daten bilden diesen Effekt ab. Aber 85 Prozent aller PS5-Spielekäufe laufen inzwischen digital ab. Wie PushSquare anmerkt, reicht der Unterschied in der installierte Basis allein für keine 6:1-Dominanz.
Fakt ist: GTA 5 und GTA Online laufen auf PlayStation seit Jahren stärker als auf Xbox. Die Community ist da, und sie bleibt da.
Der Händler, der die Wahrheit sagt
Parallel zu den Vorbestellungszahlen hat ein großer Handelsketten-Einkäufer Klartext geredet. „Uns wurde mitgeteilt, dass wir aufgrund der anhaltenden Probleme bei der Hardware-Komponenten-Verfügbarkeit nicht die Stückzahlen bekommen werden, die wir uns für GTA gewünscht hätten“, zitiert ihn The Game Business. Die Nachfrage werde das Angebot im Jahresendzeitraum „voraussichtlich übersteigen“.
Das ist kein Alarmismus. Das ist die Realität einer Industrie, die immer noch mit den Nachwehen der globalen Lieferketten-Krise kämpft.
Microsoft selbst hat eingeräumt, dass die Nachfrage das Angebot „definitiv“ übersteige. „Es gibt eine ernsthafte Begrenzung, wie schnell wir das tun können, aber es ist keine Frage des Willens.“ Übersetzt: Wir könnten mehr verkaufen, aber wir kriegen die Teile nicht.
Sony zeigte sich zuversichtlicher – das „notwendige Volumen ist gesichert“, hieß es im Mai. Ob das reicht, wenn GTA 6 im November die Nachfrage explodieren lässt, wird sich zeigen.
Willkommen zur Xbox-Preisspirale
Und dann ist da noch der Preisschock. Microsoft hat angekündigt, die Xbox-Preise weltweit anzuheben – ab 1. August kostet ein Series X Modell mit 1 TB 150 Dollar mehr. Wer jetzt noch keine Xbox hat und GTA 6 spielen will, zahlt drauf.
Die Begründung: Komponenten-Kosten. Aber der Effekt ist vernichtend. Die Xbox-Reihe hatte gerade erst ihren schlechtesten Mai aller Zeiten in den USA. Und jetzt, wo GTA 6 eigentlich ein Booster für die gesamte Hardware-Branche sein könnte, wird der Einstieg für Xbox-Interessenten teurer. Schon vor Wochen tauchte GTA 6 bei Händlern für bis zu 200 Euro auf.
Vergleicht man das mit Sonys Strategie: Keine Preiserhöhung für die PS5, aggressive Marketing-Kampagne rund um GTA 6, PS5 Pro Boost bestätigt. Sony hat sich die Bühne bereitet – für ein Spiel, das sie sich nicht einmal exklusiv gekauft haben.
Die Logik dahinter
Man muss kein Wirtschaftsprüfer sein, um zu verstehen, warum das passiert. Sony hat 94 Millionen Konsolen verkauft und eine Community, die GTA liebt. Rockstar liefert das Spiel des Jahrzehnts. Microsoft hingegen kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen, Preissteigerungen und einer Marketing-Strategie, die sich zu sehr auf den Abo-Dienst verlassen hat. Dabei spaltet schon die Ultimate Edition die Community.
Die GTA 6 Vorbestellungen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung – Sonys Vorsprung bei der installierten Basis, Rockstars PlayStation-lastige Historie und Microsofts Unfähigkeit, genug Konsolen zu produzieren.
Das bedeutet nicht, dass GTA 6 auf Xbox floppen wird. Auch 34 Millionen potenzielle Käufer sind gigantisch. Aber die Relationen stimmen nicht mehr. Und die 6:1-Zahl zeigt das in einer Schärfe, die Microsoft wehtun wird.
