In Final Fantasy 7 Remake war bei Stufe 50 Schluss, in Rebirth bei 70. Für Revelation hat Director Naoki Hamaguchi jetzt im Interview mit Everyeye.it eine Entscheidung angekündigt, die das Endgame der Trilogie grundlegend umbaut: Die Begrenzung der Stufen fällt komplett. Stufe 99 ist erreichbar, und das New Game Plus verliert seinen Status als Pflichtprogramm fürs Endgame. Statt eines weiteren Durchlaufs im Hard Mode soll euch die Weltkarte nach dem Abspann mit optionalen WEAPONs beschäftigen, die erstmals eine eigene Geschichte erzählen.
Warum Level 99 das New Game Plus ersetzt
Hamaguchis Ansage ist deutlich: „In Revelation wird es anders sein“, erklärte der Director — und meint damit den fundamentalen Bruch mit der Struktur der beiden Vorgänger. Remake und Rebirth waren darauf ausgelegt, Spieler nach dem Abspann in einen kompletten zweiten Durchlauf auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zu schicken. Wer alle Inhalte sehen wollte, musste das Spiel zweimal durchspielen.
Revelation dreht diesen Ansatz um. Die Motivation soll nicht länger aus dem Wiederholen der Story kommen, sondern aus dem, was nach dem Abspann auf der Weltkarte übrig bleibt. Hamaguchi formulierte es gegenüber Everyeye.it so: „Statt den Spieler dazu zu drängen, das Spiel im Hard Mode neu zu starten, wird Revelation ihn ermutigen, nach dem Ende der Hauptgeschichte sämtliche verbliebenen Inhalte auf der Weltkarte abzuschließen.“ Die Jagd nach Stufe 99 ist dabei der zentrale Antrieb.
Das ist ein kluger Schachzug. Bereits bei der Enthüllung von Final Fantasy 7: Revelation wurde klar, dass die offene Welt diesmal keine aneinandergereihten Zonen sein sollen, sondern ein zusammenhängender Planet — da wirkt ein erzwungener Neustart wie ein Relikt aus einer Zeit, in der Spiele ihre Spielzeit künstlich strecken mussten. Auch PlayFront sieht darin eine Rückkehr zu „klassischen Tugenden der Original-RPGs“.
WEAPONs mit eigenem erzählerischem Anteil
Die optionalen WEAPONs sind das Herzstück dieses neuen Endgames. Im Original von 1997 waren Emerald und Ruby WEAPON die ultimativen Prüfsteine für jedes maximierte Team — optionale Bosse, die selbst Spieler mit Level 99 und vollständig ausgebauter Materia ins Schwitzen brachten. Revelation greift diese Tradition nicht nur auf, sondern baut sie aus.
Hamaguchi bestätigte im Interview, dass die WEAPONs diesmal „einen eigenen erzählerischen Anteil“ bekommen. Einige werden direkt in die Hauptgeschichte eingebunden, andere ausschließlich optional auf der Weltkarte platziert. Das ist mehr als nur Fanservice: Wo das Original die WEAPONs rein mechanisch als Endgegner einsetzte, erhalten sie jetzt narrative Rechtfertigung. Hamaguchi nennt explizit die Knights of the Round als Beispiel für Gegner, die „selbst den Endboss der Hauptstory in den Schatten stellen“.
Für Kenner des Genres ist das die vielleicht wichtigste Neuigkeit seit der Ankündigung — und eine direkte Antwort auf einen der größten Kritikpunkte an Rebirth: Dessen Endgame fühlte sich trotz aller optionalen Prüfungen nie so organisch an wie das des Originals. Dass Hamaguchi das grundlegende Spielerlebnis bereits als fertiggestellt bezeichnet hat, deutet darauf hin, dass Square Enix an diesem Punkt keine Experimente mehr eingeht.
Das FITS und was es für Kämpfe auf Stufe 99 bedeutet
Dass ihr mit einfachem Grinding nicht weit kommt, liegt auch am neuen System namens FITS. Was Square Enix hier zusammenbaut, ist ein Hybrid aus klassischen Jobs und den Dresspheres aus Final Fantasy X-2: Unterschiedliche Ausrüstung verändert nicht nur das Erscheinungsbild der Charaktere, sondern schaltet komplett neue Fähigkeiten frei. Cloud als Krieger, Tifa als Schwarzmagier — das sind keine kosmetischen Spielereien, sondern strategische Entscheidungen mit spürbaren Auswirkungen auf das Kampfsystem.
Die Implikation fürs Endgame liegt auf der Hand: Wer Stufe 99 erreicht, aber nicht die richtigen FITS für den Kampf gegen die Ritter der Tafelrunde ausgerüstet hat, wird trotzdem scheitern. Das System belohnt nicht bloßes Hochleveln, sondern kluge Kombination. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob die besten FITS über das reine Spielgeschehen freigeschaltet werden oder ob Square Enix hier eine Tür für zusätzliche Käufe offen lässt. Die Branche hat oft genug bewiesen, dass kosmetische Systeme selten lange ausschließlich kosmetisch bleiben.
Der erste simultane Start der Trilogie auf mehreren Plattformen
Final Fantasy 7 Revelation erscheint im Frühjahr 2027 — und zwar zeitgleich für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC und Nintendo Switch 2. Das ist ein Novum für die Trilogie: Remake startete als zeitlich befristeter PlayStation-Exklusivtitel, Rebirth folgte demselben Muster. Dass der dritte Teil diesen Weg verlässt, ist kein Zufall. Square Enix braucht nach enttäuschenden Verkaufszahlen von Rebirth und Final Fantasy XVI jede installierte Basis, die das Studio kriegen kann.
Die technische Kehrseite ist allerdings real. Square Enix hat zwar beteuert, dass Revelation visuell auch auf mehreren Plattformen unverfälscht bleibt, doch die Performance von Rebirth war selbst auf der PS5 eine Enttäuschung — verwaschene Texturen und instabile Bildraten inklusive. Der Speicherhunger von Rebirth auf der Switch 2 von über 100 Gigabyte tut sein Übriges, um die Skepsis wachzuhalten. Ein Spiel, das auf vier Plattformen gleichzeitig technisch überzeugt, wäre eine echte Leistung.
Neben den technischen Unwägbarkeiten gibt es aber handfeste Neuzugänge: Cid und Vincent Valentine sind endlich vollwertige Mitglieder der Gruppe mit eigenständigen Spielstilen. Vincent wechselt zwischen menschlicher Schützenform und bestialischen Nahkampfangriffen, Cid dominiert den Luftkampf mit Fähigkeiten, die an den Dragoon erinnern. Beide ergänzen das bestehende Team, ohne Redundanzen zu erzeugen — eine beachtliche Leistung für ein Spiel, das nun neun steuerbare Charaktere unter einen Hut bringen muss.