Square Enix hat auf dem Summer Game Fest den Schlusspunkt eines der größten Remake-Projekte der Spielegeschichte gesetzt: Final Fantasy VII Revelation erscheint im Frühjahr 2027 – und das erstmals zeitgleich für PS5, Nintendo Switch 2, Xbox Series X|S und PC. Der Enthüllungstrailer inszeniert eine Welt ohne Grenzen, das legendäre Luftschiff Highwind als rollenden Hub und die spielbaren Neuzugänge Vincent Valentine sowie Cid Highwind. Auf dem Papier liefert das Studio den krönenden Abschluss der Trilogie. Was der Trailer allerdings nicht zeigt, ist mindestens genauso spannend.
Der Planet als Spielplatz: Wie ernst ist das Open World Versprechen?
Der Enthüllungstrailer setzt auf große Bilder: Die Highwind gleitet über den Planeten, Spieler springen per Fallschirm ab und wechseln „nahtlos von der Luft auf den Boden“. Square Enix bewirbt das als Welt ohne Grenzen. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird hier allerdings hellhörig. Rebirth lieferte bereits riesige, aber klar voneinander getrennte Zonen – echte Nahtlosigkeit sah anders aus. Die Frage, ob die Highwind wirklich frei steuerbar ist oder als fliegender Ladebildschirm zwischen den Gebieten dient, bleibt der Trailer schuldig. Die gezeigten Szenen legen Letzteres nahe: Die Absprünge wirken inszeniert, freies Tieffliegen über Städte und Landschaften fehlt komplett.
Trotzdem: Die schiere Menge an neuen Schauplätzen ist beeindruckend. Das Archipel von Mideel, die Kriegernation Wutai und die eisigen Ödländer des Nordkontinents waren allesamt ikonische Orte des Originals von 1997 – und versprechen die abwechslungsreichste Spielwelt der gesamten Trilogie. Dazu gesellen sich die titanischen Arma, die als planetare Abwehrwaffen für Chaos sorgen und die Gruppe zwingen, sich aufzuteilen. Das klingt nach einer cleveren erzählerischen Rechtfertigung für die offene Struktur: Statt einer linearen Abfolge entscheidet der Spieler, wem er zuerst hilft. Square Enix hatte bereits die ersten Versprechungen zum dritten Teil als Revolution beworben – jetzt muss das Studio liefern.
Vincent, Cid und das WEAR System: Alte Helden mit neuen Tricks
Die ausführliche Gameplay Demo rückt zwei Figuren ins Zentrum, die Fans seit Jahren spielen wollen. Vincent Valentine kämpft als Revolverheld mit „blitzschnellen Schießkünsten“ und entfesselt wilde, tierische Verwandlungen – eine direkte Fortführung seiner ikonischen Limit Breaks aus dem Original. Cid Highwind setzt auf Lanzenangriffe mit hoher Reichweite und überbrückt Distanzen im Tempo, sein Dragoon-Moveset erinnert frappierend an klassische Final Fantasy Klassen.
Das große neue Feature heißt allerdings WEAR System: Spezielle Outfits verleihen Charakteren komplett neue Movesets, angelehnt an klassische Jobs wie Schwarzmagier oder Krieger. Die Entwickler versprechen hier eine Erweiterung des hybriden Kampfsystems, das nahtlos zwischen Echtzeit-Action und taktischem Modus wechselt. Was Square Enix nicht sagt: Ob diese Outfits rein spielerisch freigeschaltet werden oder ob hier ein Shop-Modell im Hintergrund lauert. Die Formulierung „einzigartige Outfits“ in Kombination mit „neuen Movesets“ lässt reichlich Interpretationsspielraum – und die Branche hat in den letzten Jahren oft genug bewiesen, dass kosmetische Systeme selten lange kosmetisch bleiben.
Der Multiplattform-Poker und was er für die Technik bedeutet
Zum ersten Mal in der Geschichte des Remake Projekts erscheint ein Teil zeitgleich auf allen Plattformen. PS5, Switch 2, Xbox Series X|S und PC bekommen Revelation am selben Tag. Square Enix hatte bereits beteuert, die Multiplattform-Strategie gefährde die Grafik nicht. Die Realität spricht eine andere Sprache.
Rebirth litt selbst auf der PS5 unter einem desaströsen Performance Mode, der 60 fps nur mit massiver Unschärfe und verwaschenen Texturen erkaufte. Erst die PS5 Pro mit PSSR brachte akzeptable Ergebnisse. Die Switch 2 Version von Rebirth wiederum liefert stabile 30 fps mit grafischen Abstrichen, kämpft aber mit Motion Blur, niedriger Auflösung und langsamen Texturnachläufern. Dass Revelation parallel für all diese Plattformen optimiert werden muss, ist eine technische Mammutaufgabe – und kein Fan sollte erwarten, dass ausgerechnet der dritte Teil magisch alle Probleme der Vorgänger löst. Der zeitgleiche Release ist kein Geschenk an die Community, sondern eine Konsequenz enttäuschender Verkaufszahlen von Rebirth und Final Fantasy XVI. Square Enix braucht jede installierte Basis, die das Studio kriegen kann.
Das Timing ist trotzdem geschickt gewählt: 2027 jährt sich das Original zum 30. Mal. Ein besseres Jubiläumsfenster hätte sich Square Enix nicht aussuchen können.

