EVE Vanguard startet am 10. November in eine permanente Bezahl-Alpha und verlangt von willigen Warclones mindestens 15 Dollar für das Privileg, unfertigen Code zu testen. Entwickler Fenris Creations koppelt den Shooter-Start direkt an das Schwesterspiel EVE Online und ruft mit vier Founder-Paketen bis zu 514 Dollar für den exklusiven Vorab-Einsatz auf. Wer ballern will, finanziert die Entwicklung – und bindet sich lange vor dem regulären Release an das krisengeschüttelte Projekt.
Bleihaltige Feuertaufe für unsterbliche Warclones
Drei neue Karten, ein frisches Kampfgewehr und bis zu 514 Dollar Eintritt: Fenris Creations verpasst EVE Vanguard eine selbstbewusste Alpha-Paywall. Statt den Taktik-Shooter nach den früheren Alpha-Playtests kostenlos weiterzureichen, schrumpft das Studio das Teilnehmerfeld bewusst auf zahlende Unterstützer zusammen. Auf dem virtuellen Schießstand soll sich das bezahlt machen: Die Gefechte gewinnen spürbar an Kontur, weil das Feedback aus einer fest investierten Kernspielerschaft stammt.
Im Zentrum der spielerischen Überarbeitung steht das Gallente-Kampfgewehr BR-60, das dem Waffenarsenal die dringend benötigte Durchschlagskraft auf mittlere Distanzen verleiht. Die Waffe zwingt zu präzisen Feuerstößen, belohnt sauberes Tracking und hebt sich spürbar von den bisherigen Standardknarren ab. Zusammen mit einem neuen Vanguard-Anzug und verfeinerten Bewegungsabläufen fühlt sich das Rutschen, Zielen und Abdrücken deutlich griffiger an als in den ersten Gehversuchen des Projekts.
Zwischen den Einsätzen greift eine vertiefte Waffenprogression, die das riskante Vorstoßen auf den Planetenoberflächen überhaupt erst rechtfertigt. Wer heil extrahiert, schaltet Blaupausen frei, verfeinert Aufsätze und baut sein persönliches Arsenal Schritt für Schritt aus. Diese Beute-Spirale erzeugt genau den Druck im Nacken, der einem Extraction-Shooter das Überleben sichert, wenn jeder falsche Schritt den Verlust der mitgebrachten Ausrüstung bedeutet.
Genau hier setzt das Team an, um Neueinsteiger nicht sofort an der ersten Deckungskante zu verheizen. Ein überarbeitetes Tutorial führt schrittweise an die harten Regeln der Sicherheitszonen heran, bevor es auf die drei neuen Karten geht. Die Areale spiegeln das Gefahren-Gefälle von New Eden wider: Wer sich in riskante Randgebiete wagt, trifft auf härtere Milizen, zieht aber gleichzeitig wertvollere Rohstoffe aus dem Dreck – Rohstoffe, die weit über das eigene Inventar hinausreichen.
Wenn Fußsoldaten den Weltraumkrieg entscheiden
Dieser planetare Rohstoffhunger ist kein Selbstzweck, sondern der Dreh- und Angelpunkt für die Verzahnung mit dem großen Weltraum-Flaggschiff. Zeitgleich mit der Erweiterung Fractured Skies entsteht die erste dauerhafte Brücke zwischen beiden Titeln. Aufträge, die Bodentruppen in EVE Vanguard erfolgreich abschließen, erzeugen dynamische Kampagnenorte im Highsec- und Lowsec-Raum von EVE Online.
Kapselpiloten im Orbit müssen diese Brennpunkte absichern, um Frachtstücke zu bergen, die direkt in imperiale Militärkampagnen einfließen. Game Director Scott Davis bringt diesen Schulterschluss auf den Punkt: „Wir möchten, dass Warclones dieselbe Verbindung zu New Eden spüren – mit Freunden, die über ihnen fliegen, und einem Grund, sich dafür zu interessieren, was am Boden geschieht.“ Es entsteht ein greifbares Wechselspiel, bei dem Raumschiffe und Klonsoldaten am selben Strang ziehen.
Im zweiten Quartal 2027 soll dieses Bündnis noch enger verzahnt werden, sobald Warclones direkt in den Fraktionskrieg eingreifen. Wer dann für die Amarr, Gallente, Caldari oder Minmatar in den Schützengraben springt, verschiebt mit jedem Schusswechsel die territorialen Frontlinien des gesamten Sternenreichs. Aus isolierten Scharmützeln wird ein zusammenhängender Feldzug, dessen Konsequenzen das gesamte Universum zu spüren bekommt.
Damit dieses ambitionierte Zusammenspiel unter realen Bedingungen reifen kann, nimmt Fenris Creations technische Kinderkrankheiten offen in Kauf. Davis stellt klar: „Dies ist noch eine Alpha, inklusive Bugs, und wir haben noch viel aufzubauen. Wer jetzt einsteigt, hilft uns, dieses Erlebnis während der Entwicklung mitzugestalten.“ Doch diese Einladung zum Mitgestalten hat ihren Preis – und der reicht bis in absurde Sammler-Sphären.
Nostalgie-Kasse und das lange Warten auf Steam
Für den Einstieg schnürt Fenris Creations vier unterschiedliche Pakete, die von 15 Dollar für das Basis-Paket bis hin zu stolzen 514 Dollar für das limitierte Legacy-Paket reichen. Der krumme Spitzenpreis ist kein Zufall, sondern eine direkte Hommage an DUST 514, jenen legendären PlayStation-3-Shooter, der 2013 erstmals versuchte, Konsolenspieler und PC-Piloten auf einem Server zu vereinen.
Doch 514 Dollar für ein Alpha-Paket markieren eine schwindelerregende Schmerzgrenze.
Wer diese Summe auf den Tisch legt, kauft neben kosmetischen Waffen-Mustern, Fraktions-Skins und einem Ticket für das Fanfest 2027 vor allem das Versprechen, Teil der Studiogeschichte zu werden. Executive Producer Snorri Árnason beschwört die alten Bande: „Die Saga des Warclones begann mit DUST. Mit Vanguard geht sie weiter. Founder werden als erste vor Ort sein und mit uns das nächste Kapitel schreiben. Willkommen zurück, Söldner. Lasst uns zu Ende bringen, was wir begonnen haben.“ Neben einem Videoanruf mit den Entwicklern und dem eigenen Namen in der offiziellen Hintergrundgeschichte beinhaltet das Paket auch exklusiven Zugang zu internen VIP-Kanälen des Entwicklerteams.
Hinter dem Pathos steckt jedoch knallhartes Kalkül. Die gesamte Alpha-Phase bis zum Steam Early Access im dritten Quartal 2027 findet ausnahmslos auf dem PC über den hauseigenen EVE Launcher statt. Fenris Creations schirmt das unfertige Gerüst gezielt vor den gefürchteten Steam-Bewertungen ab, wo unausgereifte Trefferzonen oder Verbindungsabbrüche ein Projekt binnen Stunden ruinieren können.
Der kostenpflichtige Alpha-Start ist deshalb ein zweischneidiges Schwert. Fenris Creations sichert sich frisches Kapital und schart loyale Veteranen um sich, verlangt aber selbst für die kleinste Einstiegshürde blindes Vertrauen in ein Genre, an dem das Studio in der Vergangenheit mehrfach gescheitert ist. Ob die Vision diesmal trägt, entscheidet sich ab dem 10. November im Matsch der Planeten – weit weg von den sicheren Schiffsbrücken des Weltraums.