WARDOGS hat die Million geknackt: Der 100-Spieler-Shooter von Bulkhead Interactive steht bei einer Million Steam-Wunschlisten, wie das Studio auf X und Steam verkündete – zwei Wochen vor dem Early Access am 10. September für 39,99 Euro. Das Besondere daran: Bulkhead hat in einem eigenen Video zehn Gründe genannt, das Spiel nicht zu kaufen. Und genau diese Ehrlichkeit könnte der Grund sein, warum die Verkaufsliste nach oben schoss. Die Frage ist nur, ob sie trägt, wenn der Hype der ersten Wochen verflogen ist.
Eine Million Wunschlisten – dank eines Videos, das vom Kauf abrät
Der Weg zur Million war kein normaler. Mitte August verkündeten Bulkhead und Publisher Team17 den Early-Access-Start und veröffentlichten parallel ein 15-minütiges Video mit dem Titel „10 Reasons NOT to Buy“. Bulkhead legte die zehn Gründe gegen den Kauf offen, und die haben es in sich: Der Early Access habe ein Content-Problem, regelmäßige Inhalts-Updates solle niemand erwarten, 39,99 Euro seien für einen unfertigen Titel ein stolzer Preis, die Spielerzahlen würden schwanken, eine Roadmap gibt es nicht – und das letzte Spiel des Studios war ein Flop.
Genau das Gegenteil passierte. Polygon berichtet, dass WARDOGS innerhalb von 24 Stunden nach dem Video in die Top 10 der meistverkauften Steam-Spiele schoss. Der meistgeklickte YouTube-Kommentar: Ein Zuschauer habe das Spiel „innerhalb von Sekunden“ nach dem Video gekauft, ein anderer nannte die Aktion „ein Gegenmittel zu dem Bullshit, an den wir uns über Jahre gewöhnt haben“. Joe Brammer, CEO von Bulkhead, nennt die Vorbestell-Aktion selbst „ungewöhnlich“ – aber fair: Jede Vorbestellung enthält den Zugang zur Closed Beta vom 21. bis 23. August, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt.
Drei Teams, eine Zone: So funktioniert WARDOGS
In der Control Zone kämpfen 100 Spieler, verteilt auf drei rivalisierende Teams, um eine Zone. Laut offizieller Spielbeschreibung punktet das haltende Team alle 30 Sekunden, die ersten 100 Punkte gewinnen. Drei Karten mit je drei Varianten sind zum Start dabei.
Das eigentliche Herzstück ist das Cash-System: Jede Aktion zahlt auf ein Konto ein, jeder Tod kostet. Wer neu respawnt, kauft sich Waffen und Fahrzeuge von diesem Guthaben – wer pleite ist, kämpft mit Standard-Ausrüstung. Risiko wird zur Währung. Dazu kommen Potato Mode und Overkill Mode, damit der Shooter auf möglichst jeder Hardware läuft; der Proximity-Chat ist teamübergreifend hörbar, ihr könnt also auch das feindliche Team belauschen. Mit Zerstörung und großen Gefechten will WARDOGS die Battlefield-Lücke füllen, die Dice hinterlassen hat.
Ein Studio mit Narben: Battalion 1944, Tencent und die Entlassungen
Die Offenheit hat einen Preis, und der heißt Geschichte. Bulkhead wurde 2015 in Derby gegründet, machte sich mit dem Puzzlespiel The Turing Test einen Namen und scheiterte mit dem Kickstarter-Shooter Battalion 1944: Nach dem Launch 2019 bot das Studio allen Unterstützern Rückerstattungen an, das Team sprach davon, der Sonne zu nah geflogen zu sein. Dass ausgerechnet dieses Studio im Anti-Kauf-Video zugibt, das letzte Spiel sei ein Fehlschlag gewesen, ist entweder Demut oder Taktik – wahrscheinlich beides.
Dazu kam ein turbulentes Jahr. Das Branchenmagazin Game Developer berichtete im Juli von Entlassungen bei Bulkhead; gamesindustry.biz erklärte den Hintergrund: Tencent habe das Studio an ein Konsortium aus SMG, everplay und Hiro Capital verkauft, weil dem Konzern Projekte unter 50 Millionen Pfund zu klein waren – WARDOGS hat ein Budget von 10 bis 12 Millionen. Genau diese Größe ist auch die Chance: ein Studio, das nichts mehr zu verlieren hat, weil es schon einmal alles verloren hat. Beim Cash-System blieb es in der Entwicklung übrigens nicht – aus der ursprünglichen Idee wurde das Risiko-Prinzip, das WARDOGS heute ausmacht.
Was der Early Access kostet – und wann sich der Einstieg lohnt
Der Preis ist Teil der Strategie: 39,99 Euro zum Start, die Vollversion wird teurer. Steam verspricht im Store-Eintrag eine Early-Access-Phase von ein bis zwei Jahren – Bulkhead betont, man wolle auf keinen Fall lange darin stecken bleiben. Keine Monetarisierung währenddessen, nur eine optionale Supporters Edition mit Kosmetik. Der Preis steigt also mit jedem Inhalts-Update, Frühkauf ist ein Rabatt mit Zeitvertrag.
Lohnt er sich? Die Beta vom 21. bis 23. August ist der einzige ehrliche Test, und genau dafür ist sie gedacht. Wer sich nicht sicher ist, sollte sie spielen, statt auf Wunschlisten zu vertrauen – die kosten nichts, die Conversion ist die eigentliche Schlacht. Und die hat Bulkhead noch nicht gewonnen. Wenn die ersten Server-Wochen halten, was das Video verspricht, könnte aus der Kampagne eine Blaupause werden, die andere Studios nachahmen. Wenn nicht, war es die teuerste Ehrlichkeit des Jahres.