Siebenmal hat Alex Garland Elden Ring durchgespielt. Siebenmal! Und immer war es Malenia, die ihn fertiggemacht hat – nicht weil er schlecht wäre, sondern weil dieser Boss einfach so funktioniert. Garland hat das mit Affen und Schreibmaschinen verglichen, und jeder, der je vor Malenia stand, nickt jetzt. Genau dieser Mann hat soeben die Dreharbeiten zur Elden Ring-Verfilmung abgeschlossen.
Sechs Monate Blut, Schweiß und Tränen
Sean Schofield, Mitglied des Art- und Props-Departments, hat auf Instagram reingeschrieben, was alle vermutet haben: Der A24-Film ist abgedreht. Sechs Monate hat das Team gebaut, geschwitzt und Dinge erschaffen, die Schofield schlicht „the coolest stuff ever“ nannte. Der Post ist inzwischen gelöscht. ResetEra-Nutzer Zor hat ihn gesichert, bevor er verschwand.
Dass Schofield die Arbeit am Set als „Traumjob, der alle Traumjobs beendet“ bezeichnet, mag nach Hollywood-Routine klingen. Aber der Mann hat bei Thor: The Dark World, The Witcher, Guardians of the Galaxy und Game of Thrones mitgebaut – der kann das einschätzen. Und er kennt Alex Garland: 2022 war Schofield bereits bei Garlands Horrorfilm Men dabei.
Was der gelöschte Post außerdem verrät: Der Kinostart am 3. März 2028 steht. Keine Verschiebung. Das deckt sich mit dem, was wir seit April wissen – damals wurde Cast und Release offiziell enthüllt, und ein Bericht sprach von rund 100 Drehtagen. Sechs Monate, 100 Tage – die Rechnung geht auf.
Dass der Film real wird, war spätestens klar, als im Frühjahr erste Aufnahmen vom Set in England auftauchten – eine Marika-Statue, detailgetreu und beunruhigend echt. Jetzt ist das Set verwaist, das Material in der Post-Production.
Den Cast hatten wir im April schon einmal aufgedröselt: Cailee Spaeny, die mit Alien: Romulus und Civil War gezeigt hat, dass sie Genrefilme tragen kann. Ben Wishaw, der zwischen Skyfall und Paddington pendelt wie kaum ein anderer. Dazu Nick Offerman – ja, der aus Parks and Recreation und The Last of Us – und Peter Serafinowicz, bekannt aus Guardians of the Galaxy und John Wick: Chapter 2. Keine klassischen Blockbuster-Gesichter. Charakterdarsteller mit Ecken und Kanten.
Ein Regisseur, der Malenia fürchtet
Garland hat Elden Ring siebenmal durchgespielt. Nicht angespielt und die ersten zwei Bosse gelegt – sieben komplette Durchläufe. Und es ist nicht so, dass er jetzt souverän durch die Lands Between spaziert.
„It’s Malenia who’s the tough one“, hat er gesagt. „I’ve leveled up, I’ve got lots of juice, and a cool sword, and stuff like that, and I just throw myself at them again, and again, and again, and again.“
Garland vergleicht seine Strategie mit Affen und Schreibmaschinen – irgendwann ist der Boss tot, nicht weil man besser wird, sondern weil die Wahrscheinlichkeit irgendwann kippt. Wer je vor Malenia stand, erkennt sich in diesen Sätzen wieder. Das ist kein Regisseur, der sich für den coolen Nerd-Effekt ein bisschen Gaming-Kompetenz anliest. Das ist einer von uns.
Und dieser Mann hat Bandai Namco einen 160-seitigen Drehbuchentwurf vorgelegt. „Epic“ nennt er ihn selbst. Hundertsechzig Seiten – zum Vergleich: Ein Standard-Drehbuch hat um die 110. Garland hat hier nicht gekürzt, bevor überhaupt eine Kamera lief. Er hat einfach erzählt.
Was das für den fertigen Film bedeutet, wissen wir nicht. Adaptiert er die Reise des Befleckten durch das gesamte Spiel? Oder konzentriert er sich auf einen einzelnen Charakterbogen, etwa Rannis Questline? Niemand hats verraten. Garland hat 160 Seiten abgeliefert, und was davon auf der Leinwand landet, entscheidet der Schnitt. Aber die Kombination aus Besessenheit und Erfahrung könnte diesen Film von jeder anderen Spieleverfilmung unterscheiden.
A24s teuerstes Experiment
Mehr als 100 Millionen Dollar. Das ist die Zahl, die seit April im Raum steht. Für A24 ist das Neuland – das Studio hat noch nie einen Film in dieser Größenordnung produziert. Everything Everywhere All at Once, A24s größter Erfolg, kostete rund 25 Millionen. Hereditary, The Lighthouse, Midsommar – alles Filme im zweistelligen Millionenbereich. Jetzt also neunstellig.
Damit ist Elden Ring nicht nur A24s teuerster Film, sondern auch der bislang ambitionierteste Versuch, ein Videospiel ernsthaft ins Kino zu bringen. A24 ignoriert damit den Trend: Während Hollywood nach dem Erfolg von The Last of Us und Fallout die nächste große Serienadaption sucht, geht das Studio den umgekehrten Weg – Kinosaal statt Streaming, IMAX statt zweitem Bildschirm.
Garlands Beteiligung ist der Unterschied. Der Mann hat mit Ex Machina und Annihilation bewiesen, dass er Genre-Stoffe mit intellektuellem Anspruch verbinden kann, ohne dass beides leidet. Civil War war umstritten, aber handwerklich brillant. Und dass er ausgerechnet Malenia als seinen Endgegner nennt, ist kein Zufall – das ist der Boss, den selbst Hardcore-Spieler fürchten. Ein Regisseur, der diese Frustration kennt und trotzdem siebenmal zurückkommt, versteht etwas über Elden Ring, das man nicht aus einem Drehbuch lernen kann.