Game Science wird für Black Myth: Zhong Kui keine generative KI einsetzen – zumindest nicht für Design und Asset-Produktion. Das bestätigte Studio Co-Founder und Art Director Yang Qi auf der chinesischen Plattform Weibo. Hinter der Entscheidung steht kein dogmatischer Anti-KI-Kreuzzug, sondern das Selbstbewusstsein eines Studios, das sich handwerkliche Unabhängigkeit leisten kann.
„Wir haben es nicht eilig“ – Yang Qis kalkulierte Zurückhaltung
Auf die Frage, ob generative KI den Entwicklungsprozess von Black Myth: Zhong Kui beschleunige, antwortete Yang Qi laut GamerSky: Das Team wolle sich auf seine eigenen Methoden verlassen. Man sei nicht grundsätzlich gegen generative KI – nur sehe man schlicht keinen Grund, überstürzt darauf zu setzen.
Diese Haltung ist bemerkenswert nüchtern in einer Industrie, die zunehmend polarisiert. Zwischen Studios, die KI als unverzichtbaren Produktivitätsbooster feiern, und jenen, die sie kategorisch verdammen, positioniert sich Game Science pragmatisch: abwarten, beobachten, selbst entscheiden.
Millionen Gründe für handwerkliche Freiheit
Dass Game Science sich diese Gelassenheit leisten kann, hat viel mit dem Erfolg von Black Myth: Wukong zu tun. Das Action-RPG verkaufte sich seit August 2024 über 30 Millionen Mal. Das verschafft dem Studio finanzielle Unabhängigkeit, die viele andere Entwickler nicht haben – und die Freiheit, bei Zhong Kui auf handwerkliche Asset-Produktion zu setzen, ohne Kostendruck Kompromisse eingehen zu müssen.
Genau darin liegt die unterschätzte Pointe: KI-Verzicht ist in der aktuellen Branchenlage ein Luxus, den sich nur leisten kann, wer bereits geliefert hat.
Sony setzt auf KI-Platzhalter – der Wukong-Partner denkt anders
Während Game Science Abstand hält, geht Sony Interactive Entertainment den umgekehrten Weg. In einem Q&A erklärte das Unternehmen, KI werde bereits genutzt, um „synthetische Assets wie Stimmen und Kunst als Platzhalter in frühen Produktionsphasen zu generieren“. Das Ziel: repetitive Aufgaben eliminieren, Iterationen beschleunigen.
CD Projekt RED wiederum positioniert sich im Mittelfeld: KI komme „hauptsächlich in Produktivitätsbereichen“ zum Einsatz, die Vorteile seien „real und bedeutend“. Pocketpair (Palworld) hingegen lehnt generative KI vollständig ab – aus Überzeugung und weil die eigenen Artists die Arbeit selbst machen wollen.
Das Spektrum ist damit komplett: Von kompromissloser Ablehnung (Pocketpair) über abwartende Handarbeit (Game Science) und selektive Nutzung (CD Projekt RED) bis zum vollen produktiven Einsatz (Sony).
Zhong Kui statt Wukong-DLC – die handwerkliche DNA des Studios
Yang Qis KI-Aussage fügt sich nahtlos in ein größeres Bild. Dass Game Science nach dem Wukong-Megahit kein DLC, sondern mit Black Myth: Zhong Kui ein völlig neues Spiel entwickelt, begründete CEO Feng Ji im Februar emotional: „Was ich in dieser Zeit wirklich nicht abschütteln konnte, war vor allem Verwirrung, Leere und eine Art Angst“, schrieb er über die DLC-Arbeit. Der Wechsel zum neuen Projekt – mit dem chinesischen Exorzisten-Gott Zhong Kui als Protagonist – war eine Entscheidung für kreative Neugier statt sicheres Geld.
Ein Studio, das sich gegen ein sicheres DLC-Geschäft und für ein neues Projekt entscheidet, wird auch bei generativer KI nicht den bequemsten Weg wählen.
Was das für Zhong Kui bedeutet – und was nicht
Black Myth: Zhong Kui wurde zur gamescom 2025 mit einem stimmungsvollen Teaser angekündigt. Das chinesische Neujahrsvideo zum Jahr des Pferdes zeigte im Februar eine sechsminütige In-Engine-Sequenz – jedoch ohne Gameplay oder Story-Details. Einen Release-Zeitraum gibt es bislang nicht.
Yang Qis Aussage betrifft ausdrücklich Design und Asset-Produktion. Ob Game Science generative KI in anderen Bereichen – etwa prozeduraler Code-Generierung, Lokalisierung oder QA-Testing – einsetzt, blieb unbeantwortet. Die Tür ist also nicht geschlossen, nur der Eingang zum Atelier.