Da hat wohl jemand zu früh geplaudert. Jeffrey Gattis, Chef von Amazon Games, hat im Gespräch mit The Game Business beiläufig bestätigt, dass Tomb Raider: Catalyst nicht 2027, sondern erst 2028 erscheinen wird. Crystal Dynamics selbst hat sich bislang nicht geäußert – und genau das macht die Sache interessant.
Ein Nebensatz mit Folgen
Gattis sprach mit The Game Business über Amazons Gaming-Strategie, als er die Release-Pläne für die beiden Tomb Raider Titel erwähnte: „Atlantis kommt am 12. Februar nächsten Jahres, und dann werden wir 2028 mit dem nächsten nachlegen.“ Kein offizielles Statement, keine Pressemitteilung – ein Satz im Interview, der die Gerüchteküche endgültig bestätigt.
Dass Catalyst auf 2028 verschoben wird, hatte sich bereits abgezeichnet. Seit der Ankündigung bei den The Game Awards im Dezember 2025 hatte Crystal Dynamics kaum neues Material gezeigt. Kein Gameplay, kein zweiter Trailer – nur ein Developer Diary für Legacy of Atlantis, das die Movement-Philosophie des Remakes erklärte. Wer die Zeichen deuten konnte, wusste: Hier läuft nicht alles nach Plan.
Besser spät als überschattet
Auf den ersten Blick schmerzt die Nachricht. Fans warten seit Shadow of the Tomb Raider (2018) auf einen neuen Hauptteil. Acht Jahre bis 2026, neun bis 2027, jetzt zehn bis 2028.
Aber der Schritt ist strategisch nachvollziehbar. Legacy of Atlantis erscheint am 12. Februar 2027 – ein vollwertiges Remake zum Preis von 59,99 Euro, das seinen eigenen Marketing-Apparat braucht. Hätte Amazon beide Titel im selben Jahr gebracht, hätten sie sich gegenseitig kannibalisiert. Legacy of Atlantis wäre im Schatten des größeren, neueren Catalyst untergegangen. So bekommt das Remake die Aufmerksamkeit, die ein Neustart des Franchise braucht – und Catalyst den Entwicklungsraum.
Hinzu kommt die angespannte Situation bei Crystal Dynamics. Vier Entlassungswellen binnen eines Jahres, über 70 betroffene Mitarbeiter – parallel arbeiten die Studios sowohl an Legacy of Atlantis (als Guidance) als auch an Catalyst als Hauptprojekt. Dass der Zeitplan unter diesen Bedingungen nicht zu halten war, überrascht niemanden, der die Entwicklung verfolgt hat.
Das offizielle Schweigen
Bemerkenswert ist, wer hier nicht spricht. Crystal Dynamics hat die Aussage von Gattis bislang nicht bestätigt. Kein Statement, kein Social-Media-Post, keine Klarstellung.
Zwei Erklärungen sind möglich. Entweder Gattis hat die interne Planung vorzeitig ausgeplaudert, bevor das Studio kommunizieren konnte. Oder die Verschiebung ist noch nicht final beschlossen – und der Amazon-Chef war einen Schritt zu weit vorgeprescht. Amazon ist Publisher, aber Crystal Dynamics ist der Entwickler. Dass der Publisher den Release-Termin einfach so nennt, während das Studio schweigt, ist ein interessantes Macht-Signal in einer Partnerschaft, die ohnehin schon unter Spannung steht.
Auch IGN und Eurogamer berichten übereinstimmend, dass die Bestätigung allein von Gattis stammt – eine offizielle Crystal-Dynamics-Stellungnahme steht aus.