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Games

Amir Satvat: Warum Nintendo, Konami und Capcom die Krise überleben – und der Westen nicht

Ein Analyst zieht einen Vergleich, den die westliche Branche lieber nicht hören will. Und die Zahlen geben ihm recht.

Mischa Schumacher
von Mischa Schumacher
19.09.26
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Lesezeit: 4 Min.
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Es gibt diese Momente in der Gaming-Industrie, in denen ein einzelner Satz mehr erklärt als jede Quartalsbilanz. Amir Satvat, ehemaliger Business Development Direktor bei Tencent und Betreiber des ASGC Layoffs Tracker, hat in einem Interview mit dem Edge Magazine einen Vergleich gezogen, der nachhallt: Die westliche Gaming-Industrie befinde sich für viele Entwickler in einem Zustand, der an den Crash von 1983 erinnere. Japan hingegen navigiere durch dieselbe Krise, als wäre sie eine andere Branche. Der Unterschied, so Satvat, liege nicht in Talent oder Budget, sondern in Struktur.

Das steckt im Artikel
  • Zwei Gehälter, zwei Welten
  • Warum kleinere Teams überleben
  • Was der Westen aus Japan lernen könnte

Zwei Gehälter, zwei Welten

Satvats Daten sind ernüchternd. Zwischen 2022 und 2026 wurden weltweit 57.628 Stellen in der Gaming-Industrie gestrichen – doch 66 Prozent aller Layoffs fanden allein in Nordamerika statt und betrafen 79 Prozent der dortigen Belegschaft. Zusammen mit Europa ergibt das 96 Prozent aller Jobverluste. Nordamerika, so Satvat, sei „Ground Zero für die Zerstörung“.

Der zweite Befund ist ein Gehaltsvergleich, der die strukturelle Kluft offenlegt. Während EA-CEO Andrew Wilson im Geschäftsjahr 2026 rund 38,6 Millionen Dollar verdiente, kommt Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa auf etwa 2 Millionen Dollar. Das ist kein Ausreißer nach unten: Auch Shigeru Miyamoto liegt mit 1,54 Millionen Dollar deutlich unter dem, was westliche Top-Manager einstreichen – während Nintendo mit dem Doppel-Direct gerade die nächste Switch 2 Welle vorbereitet und die Pipeline für 2027 füllt.

Warum kleinere Teams überleben

Die eigentliche Erklärung liegt aber nicht in den Gehältern allein. Japanische Studios wie Nintendo, Konami und Capcom verzeichnen eine Mitarbeiterbindung von über 97 Prozent. Satvat führt das auf eine andere Unternehmens-DNA zurück: „Japanische Teams sind viel kleiner und schlanker. Sie wurden nicht in den Live-Service-Trend hineingezogen oder in diese Mega-Blockbuster mit 500-Personen-Teams“. Was das konkret heißt, zeigt sich an zwei Beispielen: Konami hat die Einstiegsgehälter um 29 Prozent erhöht, und Capcom feierte parallel mit Silent Hill f zwei Millionen verkaufte Einheiten. Beides sind keine Zufälle – es ist die gleiche vorsichtige Strategie, die Satvat meint.

Das ist der entscheidende Satz. Der Westen hat über ein Jahrzehnt lang auf Wachstum durch Masse gesetzt: immer größere Teams, immer teurere Produktionen, immer höhere Erwartungen an Live-Service-Monetarisierung. Als die Blase platzte, traf es die Großen am härtesten. Japan hingegen hat nie in derselben Liga gespielt – nicht aus Schwäche, sondern aus Vorsicht. Und diese Vorsicht zahlt sich jetzt aus.

Dass der Vergleich mit 1983 nicht aus der Luft gegriffen ist, macht die Lage besonders brisant. Damals brach der westliche Konsolenmarkt zusammen, weil eine Flut schlechter Spiele und rücksichtsloser Geschäftspraktiken das Vertrauen der Käufer zerstörte. Die Rettung kam aus Japan: Das Nintendo Entertainment System (NES) definierte den Markt neu und rettete eine Industrie, die sich selbst fast zugrunde gerichtet hätte. Heute, über vierzig Jahre später, zeichnet sich ein ähnliches Muster ab. Nur diesmal spielt der Westen wieder die Hauptrolle im Drama.

Was der Westen aus Japan lernen könnte

Satvats Analyse ist keine Liebeserklärung an Japan. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme struktureller Entscheidungen. Während Studios wie Build a Rocket Boy nach dem MindsEye-Flop ums Überleben kämpfen und laut Berichten vor der Schließung stehen, und DON’T NOD offiziell von „erheblicher Unsicherheit“ für die Zeit nach Januar 2027 spricht, halten japanische Unternehmen ihre Teams zusammen und liefern – Capcom etwa mit dem nächsten Resident Evil Remake, das man ohne Zögern als Systementscheidung bezeichnen kann.

Die Ironie könnte kaum größer sein. Der Westen hat jahrelang belächelt, wie japanische Studios „hinterherhinken“ – weniger Live-Service, weniger Mikrotransaktionen, weniger aggressive Monetarisierung. Heute ist genau das ihr Vorteil. Vielleicht ist die Lektion nicht, dass Japan alles besser macht. Sondern dass weniger manchmal mehr ist. Wer weniger riskiert, verliert weniger. Und wer weniger verliert, kann weitermachen. Satvat hat nur ausgesprochen, was die Zahlen seit Jahren zeigen.

TAGGED:Amir SatvatCapcomKonamiNintendo

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vonMischa Schumacher
Seit Kindestagen bin ich ein riesen Nintendo-Fan und bin mit Spielen wie Super Mario und Pokemon aufgewachsen. Dann kam die erste Playstation, kurz darauf folgte der eigene PC und somit gab es für mich keinen Halt mehr und meine Leidenschaft für Videospiele wurde immer größer. So groß, dass ich mittlerweile 16 Konsolen im Wohnzimmer stehen hab. Ich kann mit Shooter nicht wirklich etwas anfangen, jedoch habe ich mit RPGs und JRPGs umso mehr Freude, Jump and Runs dürfen natürlich hier nicht fehlen. Mein Herz gilt Spielen mit einer bewegenden Story, da kann Grafik schon mal als Nebensache betrachtet werden.
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