Nur eine Woche nach dem durchwachsenen Launch hat Game Freak den ersten großen Patch für Beast of Reincarnation veröffentlicht. Version 1.0.7 auf dem PC bringt lang erwartete Kamera-Verbesserungen, größere Texte und strafft das Story-Pacing – adressiert aber nicht alle Baustellen des ambitionierten Action-RPGs.
Die 24 fps Zwangskino-Ära ist vorbei
Der vielleicht kurioseste Fix in Patch 1.0.7 betrifft die Zwischensequenzen: Die liefen ab Werk im „Cinematic“-Modus 24 Bildern pro Sekunde – offenbar, weil jemand bei Game Freak „Kino“ allzu wörtlich nahm. Mit dem Update ist „Performance“ jetzt die Standardeinstellung für Cutscenes. Wer den 24 fps Look mag, kann ihn weiterhin manuell aktivieren.
Das ist symptomatisch für den Gesamtzustand, in dem Beast of Reincarnation vor einer Woche auf PC, PS5 und Xbox Series X/S erschien: viel Ambition, einige echte Design-Stärken, aber eine erschreckende Anzahl vermeidbarer Fehlentscheidungen.
Von 73 Metacritic zum ersten Rettungspatch in sieben Tagen
Der Metacritic-Score pendelte sich bei 73 auf der PS5 ein, OpenCritic listet 76 Punkte. Auf Steam liegt die Bewertungsquote laut Analysetool Gamalytic bei mageren 57 Prozent positiv – bei rund 123.000 verkauften Einheiten und etwa 4.000 Reviews. Kein Totalabsturz, aber für Game Freaks ersten großen Nicht-Pokémon-Titel seit Langem eine Enttäuschung.
Die Kritikpunkte wiederholten sich quer durch alle Plattformen: fummelige Kamera, winzige Texte, technische Schludrigkeit. Dass Game Freak schon vor Release betonte, man fokussiere sich auf Gameplay statt Grafik, half als Erklärung – aber nicht als Entschuldigung.
Patch 1.0.7 ist jetzt die überfällige Feuerwehr-Übung.
Kamera, Parier-Fenster und ein tägliches Gesprächslimit
Der Patch rückt drei der größten Ärgernisse gerade: Die Kamera wurde sowohl im Kampf als auch beim Erkunden angepasst – weitere Feinschliffe sollen folgen. Die Textgröße wurde spielweit erhöht, mit zusätzlichen Anpassungen in kommenden Updates.
Deutlich spürbarer für den Spielfluss: Affinitäts-Gespräche, die zuvor beim Betreten des Cleanse Walkers in Serie abgefeuert wurden, sind jetzt auf ein Gespräch pro Tag limitiert. Das entzerrt das Story-Pacing spürbar – vor allem für Spieler, die nach mehrstündigen Erkundungstouren mit einem halben Dutzend aufgestauter Dialoge bombardiert wurden.
Das Parier-Fenster von Protagonistin Emma wurde angepasst, die standardmäßige „Interagieren“-Taste lässt sich jetzt frei belegen. Auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ greifen zudem neue Balance-Anpassungen für normale Gegner, und Bosse wurden über alle Schwierigkeitsgrade hinweg nachjustiert.
DLSS 4.5 kündigt sich an – aber nicht mit diesem Patch
Spannender als die Bugfixes ist, was Game Freak für die kommenden Wochen verspricht: DLSS 4, FSR 4 und sogar DLSS 4.5 (L/M) sollen per Update nachgereicht werden. Dass Beast of Reincarnation zum Launch nur mit DLSS 3.7 und FSR 3.0 an den Start ging – und auf manchen Systemen standardmäßig mit FSR 1 –, hatte auf Reddit für reichlich Spott gesorgt.
Sollte DLSS 4.5 tatsächlich in Beast of Reincarnation Einzug halten, wäre das kein Novum – Nvidias aktuelle Upscaling-Generation läuft bereits in über zwei Dutzend Titeln wie Alan Wake 2 oder Cyberpunk 2077 und kann per NVIDIA App in über 400 Spiele eingebunden werden
Was der Patch nicht fixt – und was noch kommt
Game Freak räumt in den Patch Notes ein, dass die Arbeit noch nicht getan ist. Kamera und Textgröße werden weiter angepasst, das „Cutscene-Erlebnis“ soll weitere Verbesserungen erhalten, und die Upscaling-Optionen stehen noch aus. Einen Zeitplan für all das gibt es nicht – nur das vage Versprechen, mehrere Patches seien bereits in Planung.
Offen bleibt auch, wann PS5- und Xbox-Spieler in den Genuss der Änderungen kommen. Die aktuellen Patch Notes gelten ausschließlich für den PC.
Mit rund 30 Stunden Spielzeit, zehn Stages und wählbaren Schwierigkeitsgraden hat Beast of Reincarnation genug Substanz, um Spieler trotz der Mängel bei der Stange zu halten. Die Frage ist, ob Game Freak die technische Bringschuld einlöst, bevor die ersten Käufer den Abspann gesehen haben – und ob die versprochenen DLSS 4.5 Kräfte rechtzeitig einsatzbereit sind.