Jedes Mal, wenn Sony eine neue State of Play ankündigt, entzündet sich dieselbe Hoffnung: Vielleicht diesmal ein Bloodborne-Remaster. Vielleicht ein Patch. Vielleicht wenigstens ein Lebenszeichen. Digital Foundry hat jetzt vorgeführt, wie absurd diese Funkstille ist – mit einer modifizierten PS5, die Bloodborne auf 120 Bilder pro Sekunde katapultiert. Das Ergebnis ist kein Zukunftsszenario, sondern ein Beweis für verpasste Chancen.
Bloodborne auf der modifizierten PS5 – was technisch möglich ist
Digital Foundry hat in Zusammenarbeit mit der Modderin Christina eine PS5 genutzt, die über Exploits auf alter Firmware Zugriff auf die volle Hardwareleistung der Konsole bekommt. Die Digital Foundry Analyse zeigt: Sobald die Softwaresysteme für die Abwärtskompatibilität uneingeschränkten Zugriff auf CPU, GPU und zusätzlichen Arbeitsspeicher erhalten, verwandelt sich Bloodborne in ein völlig anderes Spiel.
Die Zahlen sprechen für sich. In 4K läuft der Titel mit sauber getakteten 30 Bildern pro Sekunde – ohne das berüchtigte Ruckeln durch inkonsistentes Frame Pacing, das die PS4-Version seit jeher plagt. Wer auf 1080p geht, erlebt Bloodborne mit 85 bis 120 FPS und variabler Bildwiederholrate (VRR). Das führt nicht nur zu einem flüssigeren Bild, sondern auch zu einer direkteren Steuerung, weil die Eingabelatenz deutlich sinkt. Ein IGN Bericht zur Bloodborne Mod bestätigt die beeindruckenden Resultate.
Der Haken: Die Modifikation setzt eine PS5 mit Firmware aus dem Jahr 2022 voraus. Für die allermeisten Spieler ist dieser Weg versperrt.
Sony hätte die Lösung längst parat – und tut nichts
Der wichtigste Satz aus dem Video von Digital Foundry ist keiner über Technik, sondern einer über Politik: Die gezeigten Verbesserungen ließen sich mit offiziellen Mitteln umsetzen, wenn Sony nur wollte. Der Konzern müsste auf Systemebene lediglich den PS4-Apps den vollen Hardwarezugriff gewähren und eine Funktion zum Entsperren von Bildraten und Auflösungen bereitstellen.
Dass Sony genau das nicht tut, ist kein Zufall, sondern Teil einer langen, frustrierenden Geschichte. Bluepoint und das gescheiterte Bloodborne-Remake zeigt: Selbst als eines der talentiertesten Remake-Studios der Branche ein Bloodborne-Remake pitchte – mit soliden Geschäftszahlen, die Sonys eigene Finanzabteilung überzeugten – kam die Blockade von FromSoftware. Studio-Chef Hidetaka Miyazaki will nicht, dass jemand anderes an seinen Spielen arbeitet. Punkt.
Der ehemalige PlayStation-Chef Shuhei Yoshida beschrieb die Lage in einem Interview so:
„Ich habe dazu nur eine persönliche Theorie. Ich habe die hauseigene Spieleentwicklung verlassen, ich weiß also nicht, was intern vor sich geht. Meine Theorie ist aber: Miyazaki-san hat Bloodborne wirklich geliebt, das, was er erschaffen hat. Deshalb glaube ich, dass er interessiert ist – aber er ist so erfolgreich und so beschäftigt, dass er es nicht selbst umsetzen kann. Er will aber nicht, dass jemand anderes daran Hand anlegt.“
Die Geschichte zum Bloodborne Port zeigt, dass selbst eine PC-Version – eine der am sehnlichsten gewünschten Portierungen der letzten Jahre – nicht in Sicht ist.
Was diese Demo wirklich bedeutet
Die Arbeit von Digital Foundry und Christina ist mehr als nur eine technische Spielerei. Sie ist eine Machbarkeitsstudie, die zwei Dinge gleichzeitig beweist: Dass Bloodborne auf moderner Hardware zu einem der besten Action-Rollenspiele seiner Zeit werden könnte – und dass Sony und FromSoftware dieses Potenzial bewusst ignorieren. Während Miyazaki mit FromSoftware und Elden Ring Nightreign vollständig ausgelastet ist und sich gegen jede Form der Zusammenarbeit an Bloodborne sperrt, bleibt die Community mit einem Spiel zurück, das auf veralteter Hardware vor sich hin dämmert.
Dazu passt, dass Bloodborne immerhin eine animierte Adaption bekommt, die von PlayStation Studios, Lyrical Animation und Seán „JackSepticEye“ McLoughlin produziert wird. Ein Trostpreis für Fans, die sich eigentlich ein Remaster wünschen.
