Hast du schon gehört? Square Enix hat einen neuen Trailer rausgehauen und Octopath Traveler plus Octopath Traveler II kommen offiziell für die Nintendo Switch 2. Am 1. Oktober ist es so weit, und die Vorbestellung läuft ab sofort – sowohl digital als auch physisch. Klingt nach einer guten Nachricht, oder? Immerhin jährt sich der Release des ersten Teils nun zum achten Mal. Aber der Reihe nach – denn Square Enix hat da noch eine Kleinigkeit in die Fußnoten gepackt, die das ganze „Happy Birthday!“-Gefühl ziemlich gründlich verpuffen lässt.
Der Preis der Feierlaune
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Die Spiele kosten 60 Euro pro Stück, als Bundle 75 Euro. Wer jetzt denkt: „Klar, das ist der Neupreis, ist doch normal“ – der hat nicht ganz unrecht. Nur: Square Enix bietet für alle, die Octopath Traveler oder den Nachfolger bereits auf der ursprünglichen Switch besitzen, schlichtweg kein Upgrade an. Nicht kostenlos, nicht gegen Aufpreis. Gar nichts.
Und nein, das ist kein Versehen. Die Pressemitteilung spricht davon, dass die Spiele optimiert wurden – aber die Formulierung, dass keine Upgrade-Pläne existieren, ist bewusst und deutlich. Wer die Spiele also schon auf der alten Konsole im Regal stehen hat, darf sich freuen: Ihr könnt sie einfach noch einmal zum Vollpreis kaufen.
Dazu kommt ein weiterer Brocken: Eure Speicherstände von der Switch sind nicht übertragbar. Kein Save-Transfer, keine andere Möglichkeit. Wer also seine 60-Stunden-Chars retten will, darf in Octopath Traveler II nochmal ganz von vorne anfangen.
Was die Switch 2 Version wirklich kann
Nun könnte man argumentieren: „Okay, aber vielleicht steckt ja ein massives Remaster dahinter?“ – Tut es nicht. Die Switch 2 Versionen laufen in einer höheren Auflösung und mit einer flüssigeren Bildrate. Das war es. Fast wortwörtlich. Square Enix‘ Formulierung ist hier so präzise wie enttäuschend: improved resolution and frame rate. Kein neues Content-Paket, keine überarbeiteten Texturen, keine Zusatzfeatures.
Dabei sieht die HD-2D-Optik der Spiele schon auf der alten Switch fantastisch aus. Der Mix aus Pixel-Art-Charakteren und 3D-Welten altert unglaublich gut – die Auflösungs-Sprünge von 720p auf 1080p oder 4K fallen da weniger ins Gewicht, als man meinen könnte. Das ist kein Skyrim Switch 2 Port, wo plötzlich eine völlig neue Welt aufleuchtet. Es sind dieselben Spiele, nur schärfer.
Boost-Modus statt Neukauf
Und hier wird es richtig absurd. Die Nintendo Switch 2 ist abwärtskompatibel – und bietet einen Boost-Modus für ältere Spiele. Das bedeutet: Wenn du die ursprüngliche Switch-Kassette von Octopath Traveler einlegst, läuft das Spiel auf der neuen Hardware ohnehin schon besser. Höhere Auflösung, stabilere Framerate. Fast so, als ob du die Switch 2 Version spielen würdest. Nur ohne 60 Euro auszugeben.
Dass das nicht exakt dasselbe ist, liegt auf der Hand – vielleicht zieht die native Version ein paar Extras mehr aus der Hardware. Aber die Frage, ob dieser Unterschied 60 Euro wert ist, beantwortet sich eigentlich von selbst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Switch 2 Boost-Version immer noch dieselben Speicherstände liest wie die alte Konsole. Das Problem mit dem Save-Transfer existiert bei der physischen Abwärtskompatibilität schlichtweg nicht.
Wer sich übrigens fragt, ob Square Enix die Reihe auf der neuen Konsole generell vernachlässigt – das Prequel Octopath Traveler 0 erscheint ebenfalls für Switch 2. Nur mit dem Unterschied, dass man es nicht schon auf der alten Konsole hat.
Wie andere es besser machen
Nintendo selbst hat für die Switch-2-Upgrades ein ziemlich klares Modell vorgelegt. Super Mario Odyssey? Zehn Euro Upgrade. The Legend of Zelda: Breath of the Wild? Gegen einen kleinen Aufpreis bekommst du die native Version. Die Preisspanne liegt meist zwischen fünf und zwanzig Euro. Manche Upgrades sind sogar kostenlos. Das Prinzip: Du hast das Spiel gekauft? Dann zahlst du nicht nochmal den vollen Preis, um es auf neuer Hardware zu spielen.
Square Enix macht hier das Gegenteil. Statt zehn oder fünfzehn Euro pro Spiel von treuen Fans zu kassieren – Geld, das die allermeisten vermutlich gezahlt hätten – bekommt Square Enix jetzt gar nichts von ihnen. Denn wer will schon 120 Euro für zwei Spiele ausgeben, die technisch kaum merklich besser sind und bei denen man obendrein seine Spielstände zurücklassen muss?
Die Entscheidung fühlt sich an, als hätte jemand im Marketing kurz durchgerechnet: „7 Millionen verkaufte Einheiten, wenn jeder Zweite nochmal kauft, sind das…“ – und dann vergessen, dass sich Leute nur dann zweimal kaufen, wenn sie sich nicht verarscht fühlen.
