In Crimson Desert gibt es einen Moment, auf den viele Spieler die gesamte Hauptgeschichte hinfiebern: den Augenblick, in dem man erstmals auf einem Drachen durch die Lüfte gleitet. Wer die zahllosen Trailer gesehen hat, in denen dieses Feature so prominent in Szene gesetzt wurde, ahnte nicht, was ihn wirklich erwartet. Die Realität hinter dem spektakulärsten Fortbewegungsmittel des Spiels ist nämlich eine herbe Enttäuschung – und die Community macht ihrem Unmut gerade lautstark Luft.
15 Minuten fliegen, 50 Minuten warten
Der Drache ist kein temporäres Hilfsmittel, sondern eine dauerhafte Ergänzung des Spielerarsenals – soweit so verlockend. Doch Pearl Abyss hat dem majestätischen Reittier harte Nutzungsbeschränkungen auferlegt: Pro Einsatz darf man exakt 15 Minuten in der Luft verbringen. Ist dieses Zeitfenster abgelaufen, beginnt eine Abklingzeit von 50 echten Minuten, bevor der Drache erneut gerufen werden kann. Für ein Feature, das als krönender Abschluss des Lategames vermarktet wurde und erst nach dem Abschluss der Hauptstory freigeschaltet wird, sind das Einschränkungen, die kaum nachvollziehbar wirken.
Die Reaktionen in der Community fallen entsprechend deutlich aus. Spieler weisen darauf hin, wie prominent der Drache in Trailern und Gameplay-Videos beworben wurde – was den Kontrast zur tatsächlichen Spielerfahrung umso schmerzhafter macht. Wer stundenlang auf die Freischaltung hinarbeitet, erwartet kein auf die Uhr schauendes Abenteuer, sondern ein vollwertiges Endgame-Werkzeug. Stattdessen fühlt sich der Drache eher wie eine aufwendig verpackte Leihgabe an.
Die Frage nach der Spielbalance in einem Einzelspielertitel
Ein wiederkehrendes Argument in den Diskussionen: Warum überhaupt Balancing in einem Singleplayer-Spiel? Wer anderen Spielern keinen Schaden zufügt, möchte in einer offenen Welt die Früchte seiner Mühen uneingeschränkt genießen. Diese Haltung teilen viele Spieler, und sie ist schwer zu widerlegen. Pearl Abyss hatte im Vorfeld sogar explizit betont, Spieler mächtig und dominant fühlen lassen zu wollen – eine Aussage, die angesichts des Drachen-Cooldowns für Bitterkeit sorgt.
Viele Stimmen fordern zudem, dass auch andere Nicht-Pferd-Reittiere wie der Düsterwolf oder der Raptor dauerhaft eingesetzt und im Stall verwahrt werden können, statt nach einem zeitlich begrenzten Einsatz wieder zu verschwinden. Das Konzept des festen, jederzeit abrufbaren Begleiters sei das Mindeste, was man von einem Lategame-Belohnungssystem erwarten dürfe.
Pearl Abyss zeigt sich offen für Feedback
Die gute Nachricht: Pearl Abyss hat bereits bewiesen, dass es auf konstruktive Kritik reagiert. Nach Beschwerden über das begrenzte Inventar wurde zügig ein Update nachgereicht, das eine Lagerbox einführte und die Tragekapazität des Protagonisten deutlich erweiterte. Zusätzlich wurden mehr Schnellreisemöglichkeiten über Abyss-Nexusse ergänzt, und Erzadern sind nun leichter auf der Karte auszumachen. Ob der Drachen-Cooldown einer ähnlichen Überarbeitung unterzogen wird, steht noch aus – doch der Druck der Community dürfte kaum überhörbar sein.


