In der turbulenten Nachphase des Crimson Desert Launches, die von gemischten Kritiken und hitzigen Community-Debatten geprägt war, kommt nun eine Stimme zu Wort, die so gar nicht ins Bild des allgemeinen Grummelns passt. David O’Reilly, Wasserexperte bei der Entwicklung von Red Dead Redemption 2, hat Crimson Desert für etwas gelobt, das in der Spieleentwicklung zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt gehört – und sein Urteil hat in Fachkreisen unmittelbar Aufmerksamkeit erregt.
„Endlich ein Spiel, das bessere Flüsse hat als Red Dead Redemption 2″
O’Reilly äußerte sich in einem Ersteindruck-Video und ließ dabei keine Zweifel an seiner Begeisterung. Die Wasserdarstellung in Crimson Desert sei schlicht beeindruckend – das Studio verwende eine lebendige Partikelsimulation, die das Verhalten von Gewässern auf eine Art abbilde, die er selten gesehen habe. Und dann fiel der Satz, der die Runde macht: Endlich sei ein Spiel erschienen, das bessere Flüsse habe als Red Dead Redemption 2. O’Reilly fügte hinzu, er sage das als jemand, der selbst an jenen Flüssen mitgewirkt habe. Der Fortschritt, den er in Crimson Desert erkenne, erfülle ihn mit aufrichtiger Freude.
Das ist kein leichtfertiges Lob. Flüsse zählen zu den technisch und gestalterisch anspruchsvollsten Elementen offener Spielwelten. Wo ein einzelnes, stehendes Gewässer noch handhabbar sein mag, verlangt ein Fluss nach einer kohärenten Darstellung seiner gesamten Länge – Quelle, Strömung, Mündung, Wechselwirkung mit Umgebung und Licht. Red Dead Redemption 2 und Sea of Thieves gelten in diesem Bereich seit Jahren als Maßstab. Dass Crimson Desert diesen Maßstab nun nach Meinung eines der an seiner Erschaffung beteiligten Menschen übertreten hat, ist bemerkenswert.
Lob mit einem Vorbehalt
O’Reillys Einschätzung ist dabei nicht unkritisch. Er deutete an, einen Fehler – oder zumindest eine Eigenheit – entdeckt zu haben, über die er in einem späteren Video ausführlicher sprechen möchte. Ob es sich dabei um einen technischen Defekt oder eine bewusste Effizienzentscheidung handelt, ließ er offen. Dieser Vorbehalt unterstreicht die Seriosität seines Urteils: Es ist keine blinde Lobeshymne, sondern die nüchterne Einschätzung eines Fachmanns, der weiß, worüber er spricht.
Kritische Rezeption und drei Millionen verkaufte Exemplare
Crimson Desert hat sich innerhalb der ersten fünf Tage nach seinem Erscheinen auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S drei Millionen Mal verkauft – ein kommerzieller Achtungserfolg, der trotz aller Kritik zeigt, wie groß das Interesse an Pearl Abyss‘ Open-World-Epos ist. Auf Metacritic steht das Spiel derzeit bei einem Wert von 78 aus 100, basierend auf 93 Kritikerstimmen, die von Begeisterung bis hin zu deutlicher Skepsis reichen. Die Spielergemeinschaft ist gespalten, und Themen wie der umstrittene Drachen-Reittier-Cooldown sorgen weiter für Diskussionen. Das Lob von O’Reilly liefert dabei einen interessanten Kontrapunkt: Wo das große Ganze polarisiert, glänzt Crimson Desert offenbar in den Details – manchmal sogar auf Weltklasseniveau.


