Krieg bleibt immer gleich, aber die Spielerzahlen? Die sind geradezu explodiert. Es ist ein Phänomen, das wir in der Branche selten in dieser Intensität beobachten: Eine Symbiose aus passivem Streaming-Genuss und aktiver Gaming-Leidenschaft. Seit die zweite Staffel der Amazon Prime-Serie über die Bildschirme flimmert, erleben wir ein gewaltiges Nachbeben in der digitalen Ödnis, das die Server-Statistiken gehörig durcheinanderwirbelt. Die Vault-Tore haben sich erneut geöffnet, und eine Armee aus Rückkehrern und Neulingen strömt ins Ödland, hungrig nach Rad-Kakerlaken und Kronkorken.
New Vegas: Der heimliche König kehrt zurück
Während Fallout 3 eher behäbig wie ein alter Ghul aus der Deckung kriecht – mit einem bescheidenen Anstieg von 700 auf knapp 1.000 gleichzeitige Nutzer –, legt der absolute Fan-Liebling Fallout: New Vegas eine Performance hin, die selbst den mysteriösen Mr. House beeindrucken würde. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von durchschnittlich 8.000 Spielern hat sich die Population auf spektakuläre 15.000 fast verdoppelt. Es scheint, als sehnen sich die Leute nach der narrativen Tiefe der Mojave-Wüste. Doch der wahre Koloss bleibt rein numerisch Fallout 4. Der Titel, der ohnehin schon stark war, kletterte von soliden 22.000 auf tägliche Spitzenwerte von fast 33.000 Spielern. Eine Renaissance, die zeigt, wie zeitlos das postapokalyptische Design von Bethesda ist.
Winter Sale und Ghul-Updates: Der perfekte Sturm
Natürlich ist nicht allein die dramaturgische Brillanz der TV-Serie für diesen Ansturm verantwortlich. Ein strategisch perfekt platzierter Steam Winter Sale wirkte wie ein Schuss Adrenalin direkt ins Herz der Community und senkte die Einstiegshürde für Neugierige auf ein Minimum. Auch das Multiplayer-Experiment Fallout 76 profitiert massiv von diesem Hype-Cocktail. Kreativdirektor Jon Rush hatte den Braten schon lange gerochen, und tatsächlich stiegen die Nutzerzahlen hier von 20.000 auf fast 30.000. Sicherlich hat auch das skurrile „Glow of the Ghoul“-Update, das uns endlich erlaubt, als strahlender Ghul durch Appalachia zu ziehen, seinen Teil dazu beigetragen.
Die Zukunft strahlt: Remaster und Fallout 5
Doch was bringt die Zukunft, wenn der Hype abebbt? Die Gerüchteküche brodelt heißer als ein Superreaktor kurz vor der Kernschmelze. Ein Remaster von Fallout 3, poliert auf den visuellen Glanz aktueller Standards à la Oblivion, gilt in Branchenkreisen als offenes Geheimnis, auch wenn die offizielle Ankündigung noch auf sich warten lässt. Und dann ist da noch der große Visionär selbst: Todd Howard. Er bestätigte unlängst, dass Fallout 5 die Ereignisse der TV-Serie als festen Kanon integrieren wird. Die Welten verschmelzen unwiderruflich. Howard bat die Fans zwar um Geduld, deutete aber vielsagend an, dass man an einem „ganzen Haufen Zeug“ arbeite.