In einer Branche, die seit jeher vom unerbittlichen Streben nach „schneller, besser, stärker“ angetrieben wird, schlägt ein Statement eines wahren Branchen-Urgesteins ein wie ein Donnerschlag. Shawn Layden, der ehemalige Zampano an der Spitze von PlayStation, hat eine kühne und für manche vielleicht ketzerische These aufgestellt: Der technologische Gipfel ist erreicht, das Wettrüsten hat ein Ende. In einem aufsehenerregenden Interview plädiert er für ein radikales Umdenken – weg von der Jagd nach dem letzten Pixel und hin zu einer Zukunft, in der Konsolen für alle erschwinglich und zugänglich sind. Es ist der Ruf nach einer Demokratisierung des Gamings, der die Grundfesten der Industrie erschüttern könnte.
Der technologische Zenit ist erreicht
Layden spricht aus, was viele Spieler insgeheim schon lange fühlen: Die einst monumentalen, generationenübergreifenden Sprünge in der Grafikpracht sind zu kleinen, kaum noch wahrnehmbaren Hüpfern verkommen. „Ich denke, wir haben bei der Technologie ehrlich gesagt ein Plateau erreicht“, so Layden gegenüber GamesIndustry.biz. Er verweist auf die oft nur marginalen Unterschiede zwischen den PS4- und PS5-Versionen desselben Spiels, die für das ungeübte Auge kaum noch auszumachen sind. Seine rhetorische Frage trifft den Nagel auf den Kopf: „Wie viele von uns können wirklich den Unterschied zwischen 90 und 120 Bildern pro Sekunde erkennen?“ Es ist die Erkenntnis, dass das Streben nach immer höheren Zahlen an einem Punkt ankommt, an dem der wahrgenommene Mehrwert für den Großteil der Spieler gegen Null tendiert.
Ein Paradigmenwechsel: Günstiger statt größer
Statt also weiterhin Milliarden in die Entwicklung marginaler Verbesserungen zu pumpen, schlägt Layden eine dramatische Kehrtwende vor. Sein Vorschlag ist ebenso simpel wie revolutionär: „Macht es billiger und einfacher. Lasst uns das stattdessen tun.“ Er imaginiert eine Zukunft, in der Konsolenhersteller ihren Fokus nicht auf die Maximierung der Rechenleistung, sondern auf die Minimierung des Preises legen. Mehr noch: Er wünscht sich ein Ende der Oligarchie der großen Drei und will mehr Hardware-Unternehmen zur Teilnahme anregen. Es ist die Vision eines Marktes, der nicht durch Exklusivität, sondern durch Inklusivität wächst und die größte Hürde für viele potenzielle Spieler – den hohen Anschaffungspreis der Hardware – dem Erdboden gleichmacht.
Die Standardisierung des Formats als heiliger Gral?
Um seine Vision zu untermauern, zieht Layden einen faszinierenden Vergleich zu anderen Unterhaltungsmedien wie der Blu-ray oder der Musikkassette. Dort entschied sich die Industrie irgendwann, den Wettbewerb auf die Inhalte zu verlagern und sich auf ein einheitliches Format zu einigen. „Können wir das Konsolengeschäft nicht wie ein Medium betrachten, bei dem wir uns auf den Inhalt konzentrieren, aber das Format standardisieren?“, fragt Layden. Dieses standardisierte Format könnte dann an jeden lizenziert werden, der es unterstützen möchte.
Dieser Ansatz könnte nicht nur die Innovationskraft befeuern, indem mehr und vielfältigere Unternehmen beteiligt wären, sondern auch gänzlich neue Märkte erschließen. Laydens eindringliche Mahnung, „Wir müssen mehr Menschen erreichen, nicht nur mehr Geld von denselben Leuten bekommen“, hallt als scharfsinnige Kritik am aktuellen Zustand der Branche nach. Seine Ideen erinnern an Konzepte wie die 3DO- oder CD-i-Konsolen, die von verschiedenen Herstellern produziert werden konnten – ein Experiment, das damals scheiterte, aber vielleicht in der heutigen Zeit reif für eine zweite Chance ist.