Afterburner Studios sind mit zwölf Leuten alles andere als ein Schwergewicht – doch ihre Demo zu Elta: Defy All Gods sammelt im Steam Next Fest gerade 90 Prozent positive Bewertungen ein, als wäre der Laden ein AAA-Studio. Das „Brawlervania“ genannte Action-Platformer erscheint am 2. Februar 2027 für 29,99 Euro und verspricht 15 bis 20 Stunden Spielzeit – ein Preis, der in der heutigen Branche fast wie ein Rechenfehler wirkt. Dreamscaper war 2021 ein kleiner Indie-Hit, jetzt wagt das Team den Schritt zum 3D-Metroidvania: Doch die Frage bleibt, ob 30 Euro für 15 Stunden nicht irgendwo einen Haken haben müssen.
Die Demo räumt ab, bevor das Spiel überhaupt da ist
Das Steam Next Fest ist normalerweise ein Basar der Versprechen – doch diesmal steht ein Titel am Eingang, dessen Demo schon jetzt mehr Zustimmung sammelt als manches Vollpreisspiel zum Launch. 90 Prozent positive Bewertungen bei rund 85 Steam-Reviews, dazu 4,39 von 5 Sternen im PlayStation Store: Elta: Defy All Gods hat sich in der ersten Woche einen Ruf erarbeitet, der für ein Zwölf-Mann-Projekt unverschämt gut klingt.
Die Demo zeigt die erste Stunde des Spiels, führt durch den Prolog und endet mit dem ersten Bosskampf gegen Kan Loas Auserwählten. Wer danach weiterscrollt, landet beim Entwicklerstatement zum Start – und liest dort Sätze, die man von einem Studio dieser Größe selten hört: Man sei „keinesfalls ein großes Studio“, drei Gründer, ein Dutzend Kernmitglieder, fünf Jahre Entwicklung.
Das Steam Next Fest läuft offiziell vom 19. bis 26. Oktober, und Elta ist nicht der einzige AA-Titel im Rennen. Aber es ist derjenige, bei dem Demo-Länge und Preis am stärksten auseinanderklaffen. Allein die nackten Zahlen: 45 bis 60 Minuten Spielzeit in der Demo, 15 bis 20 Stunden im fertigen Spiel. Das Verhältnis ist so ungewöhnlich, dass es einen zweiten Blick verdient.
Was hinter dem 30 Euro Preis steckt
Der Preis ist kein Marketing-Gag, sondern eine Rechnung, die nur aufgeht, wenn man das Team und den Produktionsaufwand kennt. Afterburner Studios haben fünf Jahre an Elta gearbeitet, mit drei Co-Gründern und rund einem Dutzend Kernentwicklern. Das ist die Größenordnung eines ambitionierten Indie-Projekts, nicht eines Publisher-AAA-Titels – und genau so sieht der Kostenapparat aus.
Ein Blick auf die Mechanik erklärt, warum das Geld nicht in Zwischensequenzen geflossen ist: Elta setzt auf visuelle Erzählung. Die IGN-Preview beschreibt, dass die Beziehung zwischen Victus und dem Drachen fast ohne Dialog aufgebaut wird – über Blicke, Animationen und Gesten. Dazu kommen drei Kampfstile mit eigenen Skilltrees, Magie-Systeme und ein Movement-Set aus Doppelsprung, Dash, Wandlauf und Greifhaken. Das ist Handwerk, das Zeit frisst, aber keine Synchronsprecher-Budgets.
Wer die Spielzeit kritisch prüft, findet einen Ankerpunkt im Vorgänger: Dreamscaper hatte laut HowLongToBeat eine Hauptstory von rund 15 Stunden. Elta verspricht 15 bis 20 – das ist keine Fantasiezahl, sondern eine plausible Fortschreibung für ein Team, das seine Produktionsgröße kennt. Eine Metroidvania-Referenz wie Prince of Persia: The Lost Crown zeigt allerdings, dass 3D-Metroidvanias gern mehr Zeit verschlingen, wenn die Welt stimmt. Ob Elta diese Zeit trägt, muss die Vollversion beweisen.
Afterburner und Focus: Die AA-Formel geht auf
Focus Entertainment ist kein Publisher, der mit Giganten-Budgets um sich wirft – und genau das macht die Rechnung interessant. Das Portfolio reicht von A Plague Tale über SnowRunner bis Warhammer 40,000: Space Marine 2, allesamt AA-Titel mit klarer Identität. Focus wurde 2024 von Metacritic auf Platz fünf der weltweit besten Publisher geführt – nicht wegen Massenware, sondern wegen konsistenter Qualität im mittleren Budgetsegment.
Afterburner passt in dieses Raster. Dreamscaper erreichte 2021 auf Steam 89 Prozent positive Bewertungen aus über 2.000 Reviews und einen Metacritic-Score von 80; über 600.000 Spieler haben den Titel gespielt. Das ist kein Mega-Hit, aber ein Track Record, der zeigt, dass das Team Gameplay vor Grafik stellt. Ian Cofino, Co-Founder und Game Director, sagt über den Sprung zum zweiten Titel: „Für unseren zweiten Titel sind wir deutlich größer geworden und haben alles, was wir über gewichtigen Kampf, befriedigendes Spielgefühl und flüssige Action gelernt haben, auf die nächste Stufe gehoben.“
Die Reibung liegt woanders: Die Systemanforderungen für die PC-Version stehen auf Steam noch auf „To be announced soon“, viereinhalb Monate vor Release. Das ist bei einem Titel, der im Februar 2027 erscheinen soll, ein offenes Fragezeichen. Auch die Spielzeit-Angabe ist PR-versprochen: Eine spanische Quelle nennt 10 bis 15 Stunden statt 15 bis 20. Das muss nichts heißen, zeigt aber, dass die 30-Euro-Rechnung erst nach dem Launch wirklich aufgeht. Der Release-Termin ist jedenfalls fixiert: 2. Februar 2027, PC, PS5 und Xbox Series X|S.