Wer bei Eric Barones nächstem Projekt auf ein handzahmes Kuschel-Paradies mit Schoko-Guss gehofft hat, wird unsanft aus den Federn geschreckt. In Haunted Chocolatier verbannt der Schöpfer die reine Farm-Romantik und baut das Abenteuer überraschend zu einem fordernden Action-RPG um. Statt geduldig Beete zu wässern, schickt euch Barone tief in feindselige Gewölbe auf die Jagd nach Beute und handfesten Bosskämpfen.
Bosskämpfe verdrängen die gemütliche Erntearbeit
Die Illusion vom beschaulichen Dorfleben mit Pralinenverkauf bekommt gewaltige Risse. Barone stellt klar, dass sein kommender Titel den Schwerpunkt radikal verschiebt und sich deutlich weiter von seinem Debüt entfernt als bisher angenommen. Wo in Stardew Valley die Spitzhacke regierte, dominieren bald geschliffene Schwerter und magische Schilde.
Im Gespräch mit dem britischen Magazin GQ räumte der Entwickler mit den falschen Vorstellungen auf: „Es bleibt das, was ich ein Stadt-Spiel nenne. Aber es ist mehr ein Action-RPG – der Schwerpunkt liegt auf Abenteuern, dem Finden von Ausrüstung und dem Erlangen von mehr Macht. Es gibt Monster, es gibt Bosskämpfe. Es ist für die Leute gemacht, die in Stardew Valley in die Minen steigen. Das mache ich ehrlich gesagt am liebsten.“
Dieser Schritt verändert das gesamte Spielgefühl. Der Minen-Ausflug im Vorgänger war ein netter Zeitvertreib für regnerische Frühlingstage, litt mechanisch aber unter primitiven Trefferzonen und simplen Schwertschwüngen. Echte Bosskämpfe und Beutezüge verlangen dagegen präzises Timing, messerscharfe Kollisionsabfragen und fordernde Angriffsmuster, die Barone von Grund auf neu konstruieren muss.
Die eigene Messlatte lähmt den Solo-Entwickler
Hinter dem drastischen Genre-Wechsel steckt ein zäher Kampf gegen den eigenen Schatten. Barone arbeitet weiterhin als Ein-Mann-Armee und sehnt sich nach jener Phase zurück, in der er völlig unbeobachtet vor sich hin programmieren konnte. Mit über 41 Millionen verkauften Einheiten des Farm-Hits im Rücken lastet heute jedoch eine gigantische globale Erwartung auf jeder einzelnen Codezeile.
Im Interview gewährt Barone einen seltenen Einblick in seine Schaffenskrise: „Ich kämpfe damit, weil ich unbedingt dieses Gefühl wieder einfangen will, das ich bei der Entstehung von Stardew Valley hatte. Damals gab es kein Publikum, keinen Präzedenzfall. Heute beobachtet mich jeder, und wenn ich die Dinge nicht auf eine bestimmte Art anpacke, enttäusche ich Millionen von Menschen.“
Genau deshalb weigert sich der Entwickler strikt, halbfertiges Material oder frühe Test-Builds herauszugeben. Seine Küchen-Metapher sitzt: Niemand zieht einen Truthahn nach der halben Garzeit aus der Röhre, um die hungrigen Gäste probieren zu lassen. Das Spiel verlässt seine Festplatte erst dann, wenn das Menü auf den Punkt serviert werden kann.
Neue Stardew-Updates verzögern den Schoko-Kerker
Wer auf einen baldigen Release hofft, muss die Kalender-Euphorie gehörig dämpfen. Zwar kündigte Barone den Titel bereits im Herbst 2021 an, doch die reine Jahreszahl täuscht über den tatsächlichen Fortschritt hinweg. Weil sich der Schöpfer immer wieder in ausgedehnte Content-Pausen für sein Erstlingswerk verstrickte, beläuft sich die reale Arbeitszeit an Haunted Chocolatier auf gerade einmal anderthalb bis zwei Jahre.
Die unendliche Pflege des Vorgängers bremst das neue Abenteuer weiter aus. Erst lieferte Barone den gigantischen Patch 1.6, nun kündigte er für Stardew Valley das kommende Update 1.7 an, das abermals Zeit und kreative Energie frisst. Für die treue Community entfaltet sich ein weiteres Kapitel des Farm-Hits, doch die eigentliche Zukunft des Studios bleibt in der Warteschleife stecken.
Der Solo-Entwickler nimmt diesen Verzug bewusst in Kauf, um keine faulen Kompromisse einzugehen. Gegenüber dem Magazin GQ betonte Barone, dass die Entwicklung von Stardew Valley damals viereinhalb Jahre verschlungen hat. Feste Plattformen oder ein fixes Erscheinungsjahr nennt er daher ganz bewusst nicht: Bis ihr in die ersten Bosskämpfe zieht, werden noch etliche Saisons ins Land ziehen.