Seit dem 13. August ist Hell Let Loose: Vietnam live – der eigenständige Ableger des 50 gegen 50 Mil-Sims bringt sechs Karten, vier Modi und volles Crossplay. Der Start ist stark: SteamDB zählte rund 25.000 gleichzeitige Spieler, mehr als das WW2-Original je erreichte. Doch die Steam-Reviews kippen auf „Ausgeglichen“ – und die Roadmap am 19. August entscheidet, ob aus dem Hype ein neues Kapitel wird oder ein Dschungel-Strohfeuer.
Sechs Karten, vier Modi, 50 gegen 50: Was der Launch-Build liefert
Hell Let Loose: Vietnam ist ein eigenständiges Spiel, kein DLC: 50 gegen 50 im Vietnamkrieg, US-Truppen gegen die NVA, sechs Karten, vier Modi, volles Crossplay zwischen PC, PS5 und Xbox Series X/S – zum Preis von 39,99 Euro. Im Game Pass steckt der Dschungel-Trip nicht.
Die Kartenliste liest sich wie ein Reiseführer durch den Konflikt: Cam Ranh Port, Quang Ngai, Thanh Hoa Bridge, Dak To Airfield, Van Tuong und Hue Outskirts. Dschungel, Reisfelder, Strände, Flüsse – wer die frühen PC-Playtests verfolgt hat, erkennt die Formel wieder: Die Fraktionen sind bewusst asymmetrisch. Die Amerikaner setzen auf Technologie – Hubschrauber, Patrouillenboote, ein US Patrol Boat gab es als Pre-Order-Bonus –, die NVA antwortet mit Tunnelsystemen und Guerilla-Taktik. Vier Modi zum Start: Warfare, Offensive sowie Conquest und Domination als Neuzugänge. Dazu kam vor einer Woche der Launch-Trailer, der den Ton angab: chaotisch, dreckig, laut.
Und weil Crossplay beim Start über den Server-Füllgrad entscheidet, lohnt ein Blick zurück: Der Crossplay-Playtest im Juli lief bereits über alle drei Plattformen hinweg – die Infrastruktur stand also schon vor dem Release. Was am 13. August fehlte, war ein anderer Punkt: der Soundtrack der ersten Woche.
Rekordzahlen und „Mixed“: Die erste Woche in Zahlen und Kritik
Der Launch war der erfolgreichste der Serie auf Steam: SteamDB verzeichnete rund 25.000 gleichzeitige Spieler – das WW2-Original kam nie über 21.385 (Januar 2025). Der Haken: Die Steam-Reviews stehen auf „Ausgeglichen“, und der häufigste Kritikpunkt ist genau die Performance, wegen der der Release zwei Monate verschoben wurde.
Im Juni hatte Team17 den Termin vom 18. Juni auf den 13. August geschoben – ausdrücklich, um „Performance, Stabilität und Gameplay-Qualität“ zu verbessern. Zwei Monate Extra-Zeit. Und die ersten Stimmen nach dem Launch klingen wie ein Déjà-vu: „Performance ist inkonsistent, Animationen wirken klobig, Texturen und Objekte poppen sichtbar auf, und der Server-Browser ist ein frustrierendes Chaos“. GamingBolt nannte seine Wertung „Not Quite Rock and Roll“ und bezeichnet die Performance einen „Crapshoot“. Metacritic fasst es freundlicher zusammen: ein exzellentes Abbild des Kriegschaos, „zurückgehalten von der fehlerhaften Performance der Engine“. Nur 60 FPS auf Konsolen wurden versprochen – das Kleingedruckte zur Auflösung blieb, wie so oft, offen.
Jetzt kommt der unangenehme Teil, den die PR-Abteilung nie erwähnt: Derselbe Playtest-Feedback-Prozess, der die Verschiebung auslöste, hat die Probleme nicht gelöst. Die Community, die im Mai noch 24.331 gleichzeitige Spieler in den Playtest zog, bekommt jetzt ein Spiel, dessen Grundgerüst stimmt – aber dessen erste Woche von Stottern und Frustration erzählt. Das ist kein Scheitern. Das ist ein verspäteter Start.
Vom WW2-Urgestein zum Dschungel-Ableger: Der lange Weg von Expression Games
Entwickelt wird Hell Let Loose: Vietnam vom britischen Studio Expression Games, das seit April 2023 am WW2-Original mitarbeitet. Der Dschungel-Trip ist sein erster komplett eigenständiger Titel – gebaut auf Unreal Engine 5, publiziert von Team17.
Die Geschichte dahinter ist typisch für ein Franchise, das durch viele Hände ging: Black Matter schuf das Original, Team17 kaufte die Marke, gründete mit Cover 6 Studios ein internes Co-Dev-Team und holte Expression Games an Bord. Die Ankündigung kam im Sommer 2025, der erste Release-Termin wurde zweimal korrigiert – zuerst von Juni auf August, und selbst der neue Termin war eine Kampfansage an die eigene Qualitätskontrolle. Dass sich das Studio für Authentizität sogar die Royal Armouries als Berater holte, zeigt den Anspruch: historische Waffen, historische Taktiken.
Roadmap am 19. August: Worauf es jetzt ankommt
Die erste Roadmap für Hell Let Loose: Vietnam erscheint am 19. August – offiziell bestätigt von Team17 im „Out Now“-Blog zum Launch. Sie soll zeigen, was in den kommenden Monaten aus den Dschungel kriecht.
Die Erwartungen der Community sind kein Geheimnis. Auf Reddit dominiert ein Wunsch: Performance-Fixes, bevor neue Inhalte kommen. Dazu die Angst, dass alle kommenden Karten gleich aussehen – „ich hoffe, es gibt auch urbane Gebiete“, schreibt ein Spieler, und Hue Outskirts ist genau die Antwort darauf. Die Entwickler haben im Dev-Q&A versprochen, um den Launch herum einen Teaser zu liefern – der 19. August ist also nur der Auftakt einer größeren Ankündigungs-Welle.
Die ersten 25.000 gleichzeitigen Spieler sind die Fanbase, die seit Jahren auf Vietnam gewartet hat. Sie sind gekommen, weil sie Hell Let Loose lieben – nicht, weil der Launch perfekt war. Die nächsten 25.000 muss sich der Dschungel mit Patches und Inhalten verdienen. Wenn die Roadmap am 19. August nur neue Karten verspricht, aber die Performance-Fixes ausbleiben, war die Verschiebung umsonst. Wenn sie beides liefert, hat Expression Games aus dem verspäteten Start einen echten Neuanfang gemacht. Der 19. August ist der eigentliche Release.



