Purple Ray Studio hat bei IGN Live einen neuen Gameplay Trailer zu Koshmar: The Last Reverie enthüllt – und das polnische Team zeigt erstmals, wie tief die titelgebende Heldin Violet in den Wahnsinn abrutschen kann. Das Action Adventure mit Roguelite Mechaniken stellt Spieler vor eine ungewöhnliche Wahl: Kämpft ihr als Königin der Albträume oder zerbrecht ihr als Porzellanpuppe im Wahn an den Konsequenzen eurer Entscheidungen?
Wenn Albträume eure Spielfigur formen
Der neue Trailer rückt eine Mechanik in den Fokus, die das Studio bisher nur angedeutet hatte: Violets dynamisches Sanity System entscheidet darüber, ob sie zur Herrscherin der Traumwelt oder zum Opfer ihrer eigenen Psyche wird. Jede Entscheidung in den Albtraumrissen – jedes besiegte Monster, jede versiegelte Traumebene – hinterlässt Spuren an der Figur, die weit über kosmetische Änderungen hinausgehen. Wer zu oft mit den Waffen des Traums kämpft, driftet in wohlige Wahnvorstellungen ab. Setzt ihr dagegen auf die zerstörerischen Kräfte der Albträume, frisst sich der Wahnsinn bei jeder Rückkehr in die reale Welt tiefer in Violets Verstand.
Das Team aus Warschau verspricht mehrere Enden, die direkt mit Violets geistigem Zustand verknüpft sind. Diese Dualität zwischen Traum und Realität erinnert an die psychologischen Abgründe aus Remedy’s Control, mischt aber ein deutlich direkteres Zusammenspiel von Risiko und Belohnung hinein. Ein cleverer Kniff: Selbst die prozedural generierten Albtraumrisse, die sich für zusätzliche Beute wiederholen lassen, beeinflussen euren mentalen Zustand – grindet ihr zu gierig, zahlt ihr mit Violets Verstand. Anders als bei anderen Roguelite Titeln dieser Größenordnung ist der wiederholte Durchlauf hier kein reiner Fortschritts-Boost, sondern ein echtes Wagnis.
Eine gotische Stadt und ihre Geheimnisse
Neben den mentalen Abgründen seiner Heldin zeigt der Trailer auch mehr von Radwan, der fiktiven Stadt im Europa des 19. Jahrhunderts. Die Optik bewegt sich irgendwo zwischen düsterer Gotik und Dieselpunk Industriezonen, durchzogen von einem Stil handgemalter Pinselstriche, der frappierend an die Netflix-Serie Arcane erinnert. Die gotische Grundstimmung teilt sich das Spiel mit dem kürzlich erschienenen Gothic 1 Remake, doch Purple Ray Studio geht mit der Traumlogik einen völlig eigenen Weg: Was tagsüber nach schwermütigem 19. Jahrhundert aussieht, wird nachts zum surrealen Albtraum-Schauplatz ohne physikalische Regeln.
Unter der stilisierten Oberfläche steckt ein Action Adventure, das präzises Timing und Umgebungsnutzung belohnt. Über 500 Kombinationen aus Waffen, Fähigkeiten und Upgrades sollen für Abwechslung sorgen – verteilt auf Tag- und Nachtkampfstile, die sich thematisch an der Traumlogik des Spiels orientieren. Sprungpassagen und Rätsel lockern die Kampfsequenzen auf. Die Entwickler betonen, dass es sich nicht um ein Soulslike handelt, sondern um ein eigenständiges Kampfsystem mit Fokus auf aggressive Mobilität. In einer Preview nannte das Team explizit Lies of P, Control und Alice: Madness Returns als prägende Einflüsse – eine Mischung, die auf dem Papier hervorragend zusammenpasst.
Ein 17-köpfiges Team mit großen Ambitionen
Koshmar The Last Reverie ist erst das zweite Spiel von Purple Ray Studio – nach dem 2023 veröffentlichten, deutlich schlichteren Jump and Run Boti: Byteland Overclocked. Der Sprung von einem farbenfrohen Plattformer zu einem verzweigten Action Adventure mit multiplen Enden und Roguelite Struktur ist gewaltig. Die 17-köpfige Belegschaft aus Branchenveteranen arbeitet nach eigenen Angaben seit zwei Jahren an dem Projekt. Dass das Studio keinen Publisher im Rücken hat und Koshmar im Selbstverlag erscheinen soll, ist einerseits ein Zeichen für kreative Freiheit – andererseits wirft es die Frage auf, wie viel Zeit und Budget für den nötigen Feinschliff bleiben.
Ein konkreter Releasezeitraum existiert bislang nicht, lediglich die vage Ankündigung, dass weitere Infos zu einem „späteren Zeitpunkt“ folgen. In der polnischen Entwicklerszene laufen derweil ganz andere Kaliber vom Band – Purple Ray Studio muss beweisen, dass auch ein kleines Team atmosphärische Dichte und spielerische Tiefe unter einen Hut bekommt. Wer jetzt schon einen Blick riskieren will: Auf Steam könnt ihr Koshmar The Last Reverie bereits auf die Wunschliste setzen.
Bislang sieht das, was der Trailer zeigt, verdammt vielversprechend aus. Jetzt muss das Studio eigentlich nur noch eines beweisen: Dass das Sanity System mehr ist als eine aufgehübschte Skala von Gut und Böse mit ein bisschen Gothic-Anstrich. Wie steht ihr zu Spielen, die eure Spielfigur bei jeder falschen Entscheidung psychisch deformieren – reizvolles Risiko oder frustrierende Bestrafung?
