Die originale graue PlayStation kehrt als offizielles Sammlerset aus Klemmbausteinen zurück. Sony kündigte die verblüffend akkurate LEGO PlayStation im Rahmen der jüngsten State of Play überraschend für Retro-Enthusiasten an. Das Modell orientiert sich nahezu im Maßstab 1:1 an der Hardware von 1994, setzt sich aus exakt 1.911 Einzelteilen zusammen und bringt neben dem kantigen Controller sogar versteckte Pop-up-Welten zweier absoluter Kult-Klassiker mit. Wer die goldene Ära der 32-Bit-Grafik liebt, bekommt ein physisches Denkmal zum Selberbauen serviert.
Graue Ecken und 1.911 Steine im Originalmaßstab
LEGO und Sony haben für diesen Bausatz tief im Archiv gekramt und die originale graue Kiste von 1994 fast millimetergenau im Maßstab eins zu eins aus Plastiksteinen nachgegossen. 1.911 Teile fliegen aus den Tüten, und wer damals seine Jugend vor flimmernden Röhrenfernsehern verbracht hat, erkennt jede Kante sofort wieder. Von den typischen Lüftungsschlitzen an den Seiten bis zu den klobigen Steckplätzen für Memory Cards fängt das Set den Charme der ersten 32-Bit-Jahre makellos ein – passend zu früheren Gerüchten, laut denen sogar die PlayStation 2 als LEGO-Set eines Tages Wirklichkeit werden könnte.
Die Designer haben glücklicherweise darauf verzichtet, die Konsole bloß als starren Deko-Klotz ins Regal zu stellen. Auf der Oberseite sitzen federnde Tasten für Power und Open, die sich mit einem satten, mechanischen Widerstand nach unten drücken lassen. Selbst der ursprüngliche graue Controller liegt als eigenes Bauprojekt bei, inklusive biegsamem Kabel, das direkt an der Frontplatte einrastet. Kein kabelloser Luxus, sondern pure Erinnerung an den Kabelsalat auf dem Teppichboden, über den regelmäßig jemand gestolpert ist.
Das eigentliche Highlight sitzt allerdings unter dem runden Deckel auf der Oberseite. Ein Druck auf die Open-Taste lässt die Klappe nach oben schnappen, genau wie damals, bevor das typische Summen des Lesekopfs einsetzte. Statt einer rotierenden CD verbirgt sich im Hohlraum jedoch eine verblüffend aufwendige Konstruktion, die das Modell von gewöhnlichen Staubfängern abhebt. Wer in den Schacht blickt, schaut direkt in die goldenen Jahre der ersten PlayStation-Generation.
Versteckte Rennstrecken und Affenjagden im CD-Schacht
Im Schacht der Steinchen-Konsole parken zwei modulare Miniatur-Szenen, die man entweder stolz herausklappen oder komplett im Gehäuse verschwinden lassen kann. Das erste Diorama verneigt sich vor Polyphony Digitals Rennspiel-Meilenstein Gran Turismo aus dem Jahr 1997, samt geschwungener Streckenführung, Boxengasse und zwei winzigen Boliden auf der Jagd nach Bestzeiten. Gleich daneben feiert Ape Escape ein unerwartetes Comeback, komplett mit gelbem Affenhelm, blinkender Sirene und dem Netz, mit dem man damals die Analog-Sticks des ersten DualShock bearbeitete.
Gerade der Auftritt der Pipo-Affen grenzt an pure Liebhaberei, nachdem Sony die Marke seit gefühlten Ewigkeiten in den dunkelsten Ecken des Archivs verstauben lässt. Nachdem die Dänen zuletzt für Horizon die Klötzchenwelt unsicher machten, wendet sich das Design-Team nun ganz bewusst den Ursprüngen der Marke zu. Beide Mini-Welten lassen sich mit wenigen Handgriffen austauschen oder mit kleinen Details personalisieren, ohne das tragende Grundgerüst der Konsole zu zerlegen. Wer damals Nächte damit verbrachte, Zeiten in die Speicherkarte zu brennen, fühlt sich sofort abgeholt. Doch so viel analoge Romantik auf dem Schreibtisch wirft gleichzeitig ein verdammt grelles Schlaglicht auf die aktuelle Firmenpolitik in Tokio.
Ein Denkmal für das Laufwerk im Zeitalter des Digital-Zwangs
Man muss sich diese Absurdität einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Während Sony moderne Konsolen am liebsten komplett ohne optisches Laufwerk ausliefert, physische Datenträger Schritt für Schritt beerdigt und für das optionale PS5-Laufwerk saftige Extra-Preise verlangt, feiert man ausgerechnet bei LEGO das Klicken einer mechanischen Klappe. Die Gaming-Sparte baut das Ökosystem konsequent zum geschlossenen Download-Store um, verkauft den treuen Fans aber gleichzeitig ein Plastik-Denkmal für genau das Bauteil, das man ihnen am Bildschirm gerade wegnimmt. Realsatire kann man nicht besser konstruieren.
Am Ende bleibt das Set eine bittersüße Angelegenheit für die Generation Disc-Tausch. Wie Sony auf dem offiziellen PlayStation Blog bestätigte, richtet sich der Bausatz gezielt an erwachsene Liebhaber. Für die fälligen rund 160 Euro bekommen Sammler zwar ein handwerklich überragendes Schaustück mit cleveren Dioramen und spürbarer Liebe zur eigenen Geschichte. Doch der Beigeschmack lässt sich nicht wegdiskutieren: Wer heute das echte Gefühl einer physischen Konsole in den Händen halten will, muss sich dafür offenbar an den dänischen Spielwarenhersteller wenden.
