Tripwire Interactive hat auf dem jüngsten Sony State of Play völlig überraschend das Comeback des hungrigsten Raubtiers der Spielegeschichte enthüllt. Nach jahrelanger Funkstille schlüpfen wir in Maneater 2 erneut in die schuppige Haut eines Bullenhais, um die Schickeria der virtuellen Welt das Fürchten zu lehren. Das ungewöhnliche Action-Rollenspiel verspricht spürbar mehr Biss, tiefere Gewässer und eine gehörige Portion herrlich zynischen Humor.
Rohe Raubtier-Power und zuckende Flossen
Wenn die Flossen durch das trübe Hafenbecken pflügen und die Kamera dicht hinter den Kiemen klebt, packt einen sofort der vertraute Rausch. Der Erstling war bereits herrlich durchgeknallter Edel-Trash, doch spielerisch oft etwas hüftsteif auf den Rippen. Nun fühlt sich jede Bewegung im Wasser deutlich schwerer und zugleich kontrollierter an. Jeder Ruck am Stick überträgt das enorme Gewicht des Raubfischs direkt in die Finger, während das Zubeißen mit einem dumpfen Knall durch die Lautsprecher dröhnt.
Besonders bei der Jagd selbst schraubt das Team an den richtigen Stellschrauben. Sonnenstrahlen brechen sich physikalisch greifbar an der Wasseroberfläche, während Schwärme von Kugelfischen und Riesenkrabben spürbar cleverer auf Bedrohungen reagieren. Beutetiere suchen gezielt Schutz in engen Korallenriffen, statt stur in vorgegebenen Bahnen zu kreisen. Wer Beute machen will, muss Strömungen nutzen, Tempo aufbauen und den richtigen Winkel für den tödlichen Rammstoß abpassen.
Richtig wild wird das Geschehen, sobald der Raubfisch die Gischt durchbricht und über der Wasseroberfläche für blankes Chaos sorgt. Schiffe lassen sich mit gezielten Flossenschlägen rammen, während Badegäste in Panik von aufblasbaren Einhörnern stürzen. Aus dem kühlen Nass emporzuschnellen und im freien Fall nach flüchtender Beute zu schnappen, erzeugt genau jene anarchische Freude, die schon den Vorgänger über weite Strecken getragen hat.
Dieses ungebremste Jagdfieber verlangt allerdings nach einer Spielwelt, die dem maritimem Zerstörungsdrang eine passende Bühne liefert. Genau hier setzt die neue Kampagne an und dreht den Schauplatz auf Anschlag.
Dekadente Influencer als Fünf Sterne-Buffet im Nobelpark
Mit Neptune’s Kingdom verlässt die Reihe die schmuddeligen Buchten von Port Clovis und verfrachtet uns in ein sündhaft teures Luxusresort. Die gesamte Anlage zitiert die Pracht und Dekadenz des Römischen Reiches, samt gewaltigen Marmorsäulen, künstlichen Aquädukten und gläsernen VIP-Lounges direkt über den Fluten. Zur exklusiven Eröffnungsparty schippert die versammelte Medien-Schickeria an, um sich mit Champagnergläsern vor historischer Kulisse im besten Licht zu präsentieren.
Für den hungernden Bullenhai ist dieser feine VIP-Club schlicht ein gigantisches Buffet auf zwei Beinen.
Unter der glitzernden Oberfläche brodelt nämlich ein handfester Forschungsskandal, der dem Tier ungeahnte Möglichkeiten beschert. Die skrupellose Forschungsabteilung des Parks experimentiert heimlich mit fünf unterschiedlichen Gen-Modifikationen, um die Grenzen der Biologie auszuhebeln. Was als steuerlich begünstigtes Naturschutzprojekt deklariert wurde, entpuppt sich als Spielwiese für bizarre Mutationen. Spieler nutzen diese biologischen Waffen, um ihren Raubfisch nach und nach mit Panzerplatten oder elektrischen Ladungen in eine schwimmende Belagerungswaffe zu verwandeln.
Für den nötigen Biss abseits der Zähne sorgt erneut Sprecher Chris Parnell in seiner Paraderolle als Trip Westhaven. Der in Ungnade gefallene Reality-TV-Moderator kommentiert das Geschehen aus dem Off mit jener herrlich zynischen Arroganz, die Fans bereits an Rick and Morty oder Archer schätzen. Seine bissigen Spitzen gegen die reiche Kundschaft und die eigene Zwangslage machen selbst die Wiederholungsschleifen der Nahrungssuche zum reinsten Comedy-Genuss.
Hinter dem satirischen Trash-Konzept steht jedoch eine handfeste Produktionsmaschinerie, die nach jahrelangen Umbauten endlich wieder klare Kante zeigen will. Für die beteiligten Teams markiert dieses Projekt eine echte Bewährungsprobe.
Co-Entwicklung und die Rückkehr auf moderne Plattformen
Für Publisher und Entwickler Tripwire Interactive kommt diese Fortsetzung zur perfekten Zeit. Nach der turbulenten Übernahme durch die Embracer Group und dem CEO-Wechsel hin zu Matt LoPilato brauchte das Studio nach den Arbeiten an Killing Floor 3 ein weiteres verlässliches Standbein. Mit über 20 Millionen Spielern weltweit hat sich die Hai-Saga seit 2020 vom kuriosen Nischentitel zu einem echten Millionen-Seller gemausert, dessen Fanbasis lautstark nach Nachschub verlangte.
Um den technischen Sprung diesmal ohne Kinderkrankheiten über die Bühne zu bringen, arbeitet Tripwire eng mit Demiurge Studios aus Boston zusammen. Das Team um Firmenchef Kurt Reiner blickt auf jahrelange Erfahrung als Support-Studio bei großen Produktionen zurück und kümmert sich vor allem um stabile Bildraten und die komplexe Schwarm-KI im Wasser. Diese Aufgabenteilung soll sicherstellen, dass die offene Wasserwelt nicht nur schick aussieht, sondern auch spielerisch abwechslungsreich bleibt.
Maneater 2 erscheint regulär im Jahr 2027 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 sowie für den PC via Steam und Epic Games Store. Während Tripwire den digitalen Vertrieb weltweit selbst in die Hand nimmt, übernimmt Plaion den Vertrieb der physischen Versionen für den Einzelhandel. Fans können das Unterwasser-Abenteuer ab sofort auf die Wunschlisten der jeweiligen Stores packen. Bis zum finalen Sprung ins kühle Nass vergeht zwar noch reichlich Zeit, doch der Mix aus römischem Marmor, fiesen Mutationen und blutigem Fressrausch hat schon jetzt das Zeug zum nächsten Kult-Hit.
