Microsofts Rückkehr zur Exklusivität war bislang ein Versprechen ohne Linie: zwei Spiele, keine klare Regel, viel Schweigen. Jetzt hat der Konzern offenbar Xbox-Insidern eine Umfrage geschickt, die genau das abklopft, was viele für längst vom Tisch hielten – eine vollständige Rückkehr zu Konsolen-Exklusivität für praktisch jede große Marke. Die einzige Ausnahme: Call of Duty.
Die Umfrage führt Fallout, Elder Scrolls und Minecraft ins Feld
Die von Windows Central entdeckte und verifizierte Umfrage nennt eine Reihe von Franchises, die potenziell exklusiv werden könnten: Fallout, The Elder Scrolls, DOOM, Diablo, Minecraft und sogar das noch nicht erschienene Physint von Kojima Productions. Ein zentrales Szenario skizziert ein Zukunftsszenario, in dem alle zukünftigen Xbox-Titel außer Call of Duty konsolenexklusiv erscheinen. Für Minecraft bedeutet das konkret: Bestehende Versionen auf PlayStation und Nintendo sollen nicht mehr verkauft werden und keine Updates mehr erhalten.
Dass Call of Duty ausgenommen ist, ist kein Zufall. Die Marke bleibt multiplattform, weil Microsoft sie während der Activision-Übernahme als Zugeständnis an die Kartellbehörden einsetzen musste. Die Umfrage testet also nicht nur Spielerinteresse, sondern auch, wie viel Widerstand in der eigenen Community gegen eine Rückkehr zu alten Machtverhältnissen steckt.
Der Preis der Exklusivität ist höher als der PR-Gewinn
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache gegen eine vollständige Exklusiv-Offensive. Microsoft verliert weiterhin rund 150 Dollar pro verkaufter Xbox Series X/S – auch nach der jüngsten Preiserhöhung. Die Hardware-Verkäufe brechen ein, der Umsatz sinkt im vierten Quartal in Folge. Eine Umfrage, die nach Exklusivität fragt, ist in dieser Lage ein Eingeständnis, dass die Multiplattform-Strategie nicht die erhoffte Wende brachte. Dass selbst ein Systemseller wie Gears of War: E-Day nur über 700.000 Vorab-Upgrades funktioniert, spricht Bände.
Hinzu kommt die Marktdominanz der PS5. Analysten gehen davon aus, dass sich Sonys Konsole mindestens doppelt so gut verkauft wie alle Xbox-Modelle zusammen. Wenn Microsoft also Marken wie Fallout oder Minecraft exklusiv macht, schneidet es diese von einem Großteil des Publikums ab – und riskiert, dass Spieler nicht zur Xbox wechseln, sondern einfach auf das Spiel verzichten. Die Umfrage selbst fragt genau das ab: ob Fans wechseln, überspringen oder erst gar nicht einsteigen würden.
Asha Sharmas Strategie bleibt ein Fall für die Fallakte
Xbox-Chefin Asha Sharma hat Exklusivität wiederholt als „Fall-für-Fall“-Entscheidung bezeichnet und betont, eine Plattform brauche exklusive Inhalte, um zu überleben. Gleichzeitig hat sie klargemacht, dass Xbox nicht auf die 30-Prozent-Marge des Microsoft-Softwaregeschäfts getrimmt wird, sondern die Nummer eins im Gaming werden soll. Die Umfrage passt in dieses Bild: Man tastet die Stimmung ab, bevor man sich committet. Intern sorgt derweil Asha Sharmas Reset für ganz andere Schlagzeilen.
Doch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird immer größer. Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution sind bestätigte Dauer-Exklusivtitel – keine zeitlich begrenzten Deals. Gleichzeitig stehen Forza Horizon 6 und Fable weiterhin für eine PS5-Veröffentlichung auf dem Plan. Diese gespaltene Linie ist kein strategisches Meisterstück, sondern das Resultat eines Konzerns, der nicht weiß, ob er Plattform oder Publisher sein will. Die Umfrage ist der nächste Schritt in einem Experiment, dessen Ausgang offen ist. Nur eines ist sicher: Call of Duty bleibt außen vor.