Mortal Shell 2 ist in den Early Access gestartet. Wer sich für die teurere Devout Edition entschieden hat, spielt ab sofort – und katapultiert die Steam-Spielerzahlen schon jetzt in Sphären, von denen der Vorgänger nur träumen durfte. Doch der rasante Erfolg und ein radikal umgebautes Kampfsystem können eine unangenehme Wahrheit für PC-Spieler nicht gänzlich kaschieren.
Steam-Zahlen: Der Epic-Fluch ist gebrochen
Knapp 20.000 gleichzeitige Spieler tummeln sich aktuell auf der PC-Plattform Steam, während der Vorgänger zum Start bei mickrigen 1.931 Nutzern feststeckte. Der Hauptgrund für diese gewaltige Explosion ist das längst überfällige Ende der Epic-Exklusivität, wodurch das Sequel direkt an Tag eins seine wahre Community erreicht.
Publisher Playstack, das verantwortliche britische Vertriebslabel, hat die Release-Strategie fundamental korrigiert. Damals bremste der temporäre Deal mit dem Epic Games Store – der digitalen Vertriebsplattform von Fortnite-Erfinder Epic – das düstere Action-RPG spürbar aus. Viele Hardcore-Fans boykottierten den Launcher schlichtweg. Heute, wo das Spiel sofort auf dem Platzhirsch Steam bereitsteht, entlädt sich die aufgestaute Nachfrage in massiven Spielerzahlen.
Das Fundament dafür wurde früh gelegt, denn schon viele Neugierige hatten in der Beta-Phase einen Vorgeschmack bekommen. Jetzt manifestiert sich dieser lange gepflegte Hype in echten Zahlen, die das kleine Entwicklerstudio auf eine ganz neue Branchenstufe heben.
Das Kampfsystem: Ein Soulslike ohne Ausdauerleiste
Mortal Shell 2 streicht die Ausdauerleiste komplett aus dem Code und verwandelt die ehemals methodischen Duelle in einen hyper-aggressiven, kompromisslosen Schlagabtausch. Statt eure Ausweichrollen penibel zu kalkulieren, brecht ihr jetzt mit permanentem Druck gezielt die feindliche Haltung in der neuen, offeneren Welt.
Das ist ein gewaltiges Risiko – und ein genialer Schachzug der Entwickler von Cold Symmetry. Während die Konkurrenz stur die langsame Formel von Dark Souls kopiert, orientiert sich dieser Nachfolger spürbar an schnellen Tänzen wie in Sekiro. Ihr schlüpft zwar weiterhin in die bekannten acht Hüllen, doch das Tempo ist völlig neu kalibriert. Wenn ihr einen tödlichen Treffer kassiert, werdet ihr wie gewohnt als schutzloser Harbinger aus eurer Rüstung geworfen. Ihr müsst dann für kurze Zeit allein und nackt ums Überleben kämpfen, bevor ihr euch zurück in die Hülle retten könnt.
Genau in diesen panischen Sekunden der Verwundbarkeit glänzt das flüssigere Movement. Die Spielwelt ist deutlich weitläufiger gestaltet, und die neuen Bosse verlangen zuckende Reflexe statt passiver Geduld. Es ist ein bewusster Bruch mit der eigenen DNA, der verhindert, dass sich das Sequel wie ein müdes Update anfühlt.
Steam-Reviews: „Sehr positiv“, aber die Technik stottert
Aktuell steht das düstere Rollenspiel bei Steam auf „Sehr positiv“ mit einer starken Zustimmungsquote von 80 Prozent aus den ersten rund 120 User-Reviews. Doch abseits des lauten Lobes mehren sich in den Foren drängende Berichte über massive, spielstörende Performance-Einbrüche auf echten High-End-PCs.
Ein genauerer Blick in die Steam-Diskussionen offenbart tiefe Risse in der technischen Fassade. Spieler, die Grafikkarten vom Kaliber einer RTX 4070 oder 5080 verbaut haben, klagen über unberechenbare Ruckler und Framedrops. Das Frame-Pacing stolpert, sobald effektreiche Bosskämpfe starten. Das erinnert frappierend an den holprigen PC-Launch von Wuchang: Fallen Feathers, das ebenfalls erst durch zügige Post-Launch-Patches wirklich flüssig lief.
Hier muss das Studio dringend nachliefern, denn ein auf Aggression gebürstetes Kampfsystem verzeiht keine Ruckler. Wenn die Framerate im entscheidenden Moment wegbricht, stirbt der Harbinger unverschuldet – das absolute Todesurteil für ein Soulslike. Die Konsolenversionen für PS5 und Xbox Series X/S scheinen laut ersten Rückmeldungen runder zu laufen, doch die finanzstarke PC-Fraktion fordert lauthals einen schnellen Hotfix.
Cold Symmetry hat das spielerische Fundament für einen echten Überraschungshit gelegt. Wenn sie die PC-Performance in den nächsten Stunden patchen, bevor die Standard-Käufer die Server stürmen, brennen sie sich endgültig ins Gedächtnis der Genre-Fans ein. Scheitern sie, droht am Release-Tag ein gnadenloses Review-Bombing der Technik-Fraktion.