Ihr kennt das: Ein Spiel kommt raus, alle reden drüber, aber eigentlich will man nur wissen – läuft es oder läuft es nicht? Bei Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist die Antwort eindeutig: Ja, es läuft. Und zwar richtig. Zwei Millionen Kopien an Tag eins, der höchste gleichzeitige Spielerpeak, den je ein Assassin’s Creed auf Steam hatte, Platz eins auf Twitch. Das sind Zahlen, die man erstmal sacken lassen muss. Besonders für ein Remake eines dreizehn Jahre alten Spiels.
Und natürlich läuft nicht alles glatt. Es gab Ärger um teure DLC-Packs, und der Launch hatte eine Stunde Ausfall bei Ubisoft Connect, der Neukäufer auf Steam vom Spielen abhielt. Aber der Erfolg überwiegt – so sehr, dass die Verkaufszahlen der gesamten Reihe jetzt bei über 250 Millionen Exemplaren stehen. Ein Meilenstein, den sich nur die größten Franchises der Branche auf die Fahne schreiben können.
Ein Start, der sich gewaschen hat
Die Pressemitteilung von Vantage Studios – das ist übrigens der neue Ubisoft-Zusammenschluss, der 2025 gegründet wurde und Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six unter einem Dach vereint – liest sich wie eine Siegesmeldung. 99.451 gleichzeitige Spieler auf Steam, und das innerhalb der ersten 24 Stunden. Kein Assassin’s Creed hat 99.451 gleichzeitige Spieler auf der Plattform je geschafft. Dazu 85 Prozent auf Open Critic, 84 auf Metacritic. IGN hat eine 9/10 vergeben und schreibt, das Spiel sei „in jeder Hinsicht größer und besser als das Original“. Digital Foundry adelt es als „eines der effektivsten Remakes, die wir je gesehen haben“.
Das ist kein kleiner Erfolg. Das ist ein Statement.
Denn Black Flag war 2013 schon ein Phänomen. Edward Kenway, der Pirat, der eher zufällig zwischen Assassinen und Templer gerät, hatte damals eine ganze Generation von Spielern gepackt. Das Remake setzt genau da an: gleiche Story, gleiches Setting – Goldene Ära der Piraterie mit Blackbeard, Anne Bonny und Calico Jack – aber technisch komplett neu auf der Anvil Engine. Parry-basiertes Kampfsystem, verbesserte Stealth- und Parkour-Mechaniken, tiefere Schiffsgefechte, neue narrative Inhalte. Ubisoft Singapore hat das Ding federführend entwickelt, mit Unterstützung von vierzehn (!) weiteren Ubisoft-Studios weltweit. Das erklärt vielleicht, warum es so gut geworden ist.
Martin Schelling, der Head of Brand, sagt dazu: „Black Flag hatte schon immer einen besonderen Platz im Herzen der Community – und in unserem. So viele Spieler bereits am ersten Tag in See stechen zu sehen, ist die größte Belohnung, die wir uns erhoffen konnten.“ Mag pathetisch klingen, aber die Zahlen geben ihm recht.
Zahlen, die für sich sprechen – und welche, die Fragen aufwerfen
Die Spieler selbst sind offenbar auch happy. 4,79 von 5 im PlayStation Store, 4,7 von 5 im Xbox Store und mittlerweile „sehr positiv“ auf Steam. Das ist kein Selbstläufer in Zeiten, in denen jeder Launch von einer Community unter die Lupe genommen wird.
Trotzdem muss man auch die andere Seite sehen. Die DLC-Packs, die Ubisoft parallel zum Release angeboten hat, wurden von einem Teil der Fans als überteuert kritisiert. Und der Ausfall von Ubisoft Connect – immerhin eine Stunde, in der DRM-Prüfungen fehlschlugen und Käufer auf Steam nicht ins Spiel kamen – hat genau das bestätigt, was viele Spieler an Ubisofts Online-Infrastruktur kritisieren. Dass der Rest des Spiels so gut ist, kaschiert das Problem, aber es löst es nicht.
Interessant ist auch die Reaktion auf Steam. Das Spiel ist Steam Deck verified, läuft also auch auf Valves Handheld. Das dürfte ein Teil des Rekord-Peaks erklären – die Steam Deck Community ist groß, und ein gutes Remake eines Piraten-Klassikers, das man auch unterwegs zocken kann, ist Gold wert.
Edward Kenway als Gradmesser für Ubisofts Zukunft
250 Millionen verkaufte Einheiten für die gesamte Reihe. Das ist die Zahl, die am Ende hängen bleibt. Sie zeigt: Assassin’s Creed ist trotz Shadows-Debatten, trotz Entlassungswellen und Studio-Umstrukturierungen immer noch eine der mächtigsten Marken im Gaming. Und Black Flag Resynced ist der Beweis, dass Ubisoft weiß, was die Leute wollen – zumindest, wenn sie sich nicht selbst im Weg stehen.
Die Frage ist nur: Reicht das? Ein Remake eines dreizehn Jahre alten Spiels zu verkaufen, ist die eine Sache. Die nächsten Schritte – Codename Hexe, Invictus, die Netflix-Serie – werden zeigen, ob Ubisoft aus diesem Momentum Kapital schlagen kann oder ob Resynced am Ende ein einsamer Lichtblick bleibt. Aber für den Moment darf man sich freuen. Edward Kenway segelt wieder, und die Zahlen sind beeindruckend.


