Assassin’s Creed Black Flag Resynced hat 2 Millionen Exemplare am ersten Tag verkauft und damit den stärksten Serien-Launch seit Jahren hingelegt. Ubisoft veröffentlichte die Zahlen einen Tag nach Release – und sie sind beeindruckend, selbst wenn man den Nostalgie-Bonus abzieht. 99.451 gleichzeitige Spieler auf Steam, Platz 1 in den Twitch-Charts, 84 Punkte auf Metacritic: Der Piratenspaß von 2013 ist zurück, und er ist größer als je zuvor. Aber wer die Steam-Reviews aufschlägt, stutzt – denn trotz aller Zahlen brodelt es in der Community.
2 Millionen an Tag 1 – die Zahlen, die für sich sprechen
Die 2 Millionen sind bemerkenswert – vor allem, weil Ubisoft hier von „verkauften Exemplaren“ spricht, nicht von „Spielern“. Wer sich an den Shadows-Launch erinnert, weiß: Da war von „einer Million Spieler an Tag 1“ die Rede. Black Flag Resynced liegt also nicht nur in der Gunst der Kritiker vorn. Mit 99.451 gleichzeitigen Spielern knackt das Remake den höchsten CCU-Wert, den je ein Assassin’s Creed auf Steam erreicht hat – inklusive Shadows, das bei knapp 65.000 liegen blieb. Der PC Gamer Bericht, der die Verkaufszahlen unabhängig bestätigt, ordnet ein: Nostalgie ist ein mächtiger Treiber. Und offenbar ein unterschätzter.
Auf Twitch belegte der Titel am 9. Juli Rang 1 – kein kleines Signal für ein Einzelspieler-Remake eines 13 Jahre alten Spiels. Auch die Konsolen Store Bewertungen sind exzellent: 4.79 von 5 im PlayStation Store, 4.7 von 5 auf Xbox. Die Steam-Zahlen stehen allerdings in einem merkwürdigen Kontrast zu den User-Reviews.
Gelobt von der Presse, skeptisch beäugt von der Community
Die Fachpresse ist sich einig: Black Flag Resynced ist ein gelungenes Remake. IGN US vergab 9 von 10 Punkten und spricht von einem Spiel, das „in every way bigger and better“ – also „in jeder Hinsicht größer und besser“ sei. Der Digital Foundry-Test, der das Remake als technische Meisterleistung feiert, nennt es „eines der gelungensten Remakes, die wir je gesehen haben“. In unserem Test haben wird das Spiel mit 8.7 von 10 bewertet – und lobten vor allem das Posture-Kampfsystem, die überarbeiteten Seegefechte und die schicke Optik.
Doch während die Presse feiert, ist die Spielerbasis gespalten. Rund 45 Prozent der Steam-Reviews fielen zum Start positiv aus – ein „Mixed“-Urteil, das auf den ersten Blick rätselhaft wirkt. Die Anvil Engine liefert Raytracing der Spitzenklasse, das Kampfsystem wurde grundlegend modernisiert. Woran liegt’s?
Drei DLC-Pakete, die keiner wollte
Der Shitstorm trifft nicht das Spiel – sondern das Geschäftsmodell. Ubisoft verkauft drei Charakter-Pakete und drei Marine-Pakete separat, jeweils für zehn Euro. Dazu kommt ein Karten-Paket für fünf Euro. Wer alles will, zahlt 65 Euro obendrauf. Keines dieser Pakete steckt in der Deluxe Edition. Das Original von 2013 hatte keine Day-One-DLCs – und das Remake schießt jetzt genau da drüber hinaus.
Dazu kommen technische Ärgernisse: Die Zwischensequenzen sind auf 30 Bilder pro Sekunde gedeckelt, und die neuen Menüs fühlen sich weniger intuitiv an als das cleane Original-Layout. Laut den User-Reviews auf Steam sind es genau diese Punkte, die das Gesamtbild trüben – obwohl das eigentliche Gameplay durchweg gelobt wird. Diese Kluft zwischen Presse- und Spieler-Meinung ist symptomatisch für ein Remake, das die richtigen Prioritäten im Gameplay, aber die falschen im Pricing setzt.
Was dieser Launch wirklich bedeutet
Black Flag Resynced ist mehr als ein Remake – es ist ein Stimmungstest für Ubisoft. Nach Jahren der Krise, geschlossenen Studios und enttäuschten Aktionären brauchte der Publisher einen Erfolg. Dass 15 Teams an diesem Remake gearbeitet haben – genauso viele wie an Shadows – zeigt, wie viel vom Piraten-Projekt abhängt. Der Launch ist geglückt, die Zahlen sind stark. Aber der Shitstorm um die DLCs zeigt, dass das alte Ubisoft nicht tot ist.
Das Spiel selbst ist exzellent. Posture-Kampfsystem, neue Schiffsoffiziere, dynamische Wetterphänomene auf See – wer die Jackdaw besteigt, bekommt das beste Piraten-Spiel seiner Generation. Aber der Beigeschmack bleibt: dass Ubisoft ausgerechnet bei einem Remake, das von Nostalgie lebt, die Nostalgiker mit Mikrotransaktionen vergrätzt. Black Flag Resynced ist ein Triumph des Game Designs und ein Lehrstück in verfehlter Monetarisierung zugleich.


