Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist endlich draußen, und die Steam-Zahlen sehen erstmal nach einem Piratenfest aus. Knapp unter 100.000 gleichzeitige Spieler hat das Remake wenige Stunden nach dem Launch erreicht – und damit den gesamten Lifetime-Peak von Assassin’s Creed Shadows pulverisiert, der bei knapp 65.000 lag. Doch wer die User-Bewertungen aufschlägt, reibt sich verwirrt die Augen. Nur 45 Prozent der über 1.000 Reviews fallen positiv aus, das Siegel „Mixed“ prangt auf der Steam Store Seite. Die Gründe dafür sind so eindeutig wie ärgerlich.
Fast 100.000 Piraten an Bord – und ein Schatten auf der Karte
99.451 Spieler gleichzeitig – das ist die Zahl, die bei Release durch die Redaktionen geisterte. Black Flag Resynced hat auf Steam mehr Menschen gleichzeitig angelockt als jeder andere Assassin’s Creed Titel der letzten Jahre. Dass damit sogar Shadows übertrumpft wurde, ist kein schlechtes Zeichen: Immerhin hat der Release des Japan-Ablegers die Reihe 2025 wieder in den Mainstream katapultiert.
Ubisoft Singapore, das das Remake federführend entwickelt hat, liefert ein technisches Fundament ab, das auf PS5 Pro mit Raytracing und strähnbasiertem Haar glänzt. Wir hatten dazu bereits im Vorfeld ausführlich berichtet – von der 18 Minuten Vorschau von IGN bis zu den technischen Details auf dem Steam Deck, das trotz Raytracing-Pflicht den Verified-Status bekam.
Trotzdem hängt ein Schatten über dem Launch. Wer die euphorischen Steam-Zahlen sieht und dann die Reviews scrollt, erlebt einen Realitäts-Check: Das Remake selbst wird für seine Grafik, das überarbeitete Kampfsystem und den Verzicht auf RPG-Mechaniken gelobt. Die Kritik trifft etwas anderes.
45 Prozent Zustimmung und ein Haufen Extras: Die Steam-Kritik im Detail
1067 Reviews, 45 Prozent positiv (zum Zeitpunkt des Schreibens) – die größte Welle der Kritik geht nicht auf das Spiel selbst, sondern auf das Geschäftsmodell drumherum zurück. Ubisoft verkauft drei zusätzliche Charakter-Pakete und drei Marine-Pakete separat, jeweils für zehn Euro. Keines davon ist in der Deluxe Edition enthalten. Dazu kommt ein Karten-Paket für fünf Euro. Wer alles will, zahlt 65 Euro obendrauf.
Auf Steam hagelt es dafür zu Recht Kritik – vor allem, weil das Original von 2013 bewusst auf Day-One-DLC verzichtete. Parallel dazu gibt es technische Kritikpunkte. Die Zwischensequenzen sind auf 30 Bilder pro Sekunde gedeckelt – ein Detail, das in einem ansonsten technisch soliden Remake überrascht.
Auch die neuen Menüs, die das Interface modernisieren sollen, kommen in den Reviews schlecht weg. Sie fühlen sich laut Spielern weniger intuitiv an als das cleane Layout des Originals. Positiv erwähnt werden hingegen die gestrichenen Animus-Sequenzen und das überarbeitete Kampfsystem, das wie berichtet auf Hitboxen statt Skillbäume setzt. Das Remake selbst scheint zu funktionieren – wenn man vom Preisabsahnen absieht.
Ubisoft zwischen Triumph und Trouble – was dieser Launch wirklich bedeutet
Black Flag Resynced ist der erste große Test für Ubisofts neue Linie. Nach Jahren der Krise, geschlossenen Studios und enttäuschten Aktionären brauchte der Publisher einen Erfolg. Die 100.000 gleichzeitigen Spieler sind einer – ein ehrlicher, messbarer Erfolg.
Gleichzeitig zeigt der Shitstorm um die Mikrotransaktionen, dass das alte Ubisoft noch nicht tot ist. Day-One-DLC, der im Remake eines 13 Jahre alten Spiels nicht einmal in der Deluxe Edition steckt – das ist exakt die Art von Entscheidung, die sich die Community in den letzten Jahren verbeten hat.
Das Spiel selbst, soviel sei gesagt, macht vieles richtig. Die Grafik ist beeindruckend, der neue Kampf fühlt sich präzise an, und der Verzicht auf die Animus-Rahmenhandlung war ein kluger Zug. Aber was nützt die beste Jackdaw, wenn der Hafenmeister 65 Euro extra verlangt, bevor er die volle Ladung freigibt?


