3,5 Millionen Verkäufe in 14 Tagen. Das ist die Zahl, die Yves Guillemot diese Woche auf dem Tisch liegen hatte. Die andere Zahl: 51. So viele Mitarbeiter von Ubisoft Barcelona, die maßgeblich an eben diesem Remake gearbeitet haben, wurden entlassen. Ein Widerspruch, der Guillemots eigene Dankesworte wie Hohn klingen lässt.
3,5 Millionen in 14 Tagen – ein Triumph, der wehtut
Assassin’s Creed Black Flag Resynced hat die Jahreserwartungen von Ubisoft in nur zwei Wochen übertroffen. Aus dem gestern veröffentlichten Finanzbericht geht hervor, dass das Remake 3,5 Millionen Einheiten verkauft hat – nach drei Millionen in der ersten Woche und zwei Millionen am Launch-Tag. Guillemot selbst nennt es den „höchstbewerteten Assassin’s Creed-Titel seit dem Original“ und bedankt sich bei „den Teams, deren Talent und Hingabe es zum Leben erweckt haben.“
Die Zahlen sind beeindruckend, keine Frage. Dass ein 13 Jahre altes Spiel als Remake neu aufgelegt innerhalb von 14 Tagen mehr einspielt, als Ubisoft für das gesamte Geschäftsjahr erwartet hatte, ist ein Statement. 84 Punkte auf Metacritic, 85 auf OpenCritic, ein Steam-CCU-Rekord für die Serie – das Remake von Vantage Studios hat geliefert.
Nur: Wer sich die restlichen Zahlen des Quartals ansieht, merkt schnell, dass Black Flag allein das Schiff nicht trägt. Die Net Bookings sind im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 256 Millionen Euro gefallen. Der Erfolg des Remakes wird in derselben Meldung mit einem idle-RPG namens „Invincible: Guarding the Globe“ in einen Topf geworfen. Die Stimmung ist nicht so gut, wie die eine große Zahl suggeriert.
Guillemot dankt den Teams – dieselben Teams, die er entlassen hat
„Die starke Veröffentlichung von Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist ein ermutigender Beleg“, sagt Guillemot im Finanzbericht. „Ich möchte den Teams herzlich danken, deren Talent und Hingabe es zum Leben erweckt haben.“ Klingt nach einer Standard-Floskel aus dem CEO-Handbuch. Nur dass sie diesmal direkt neben der Nachricht steht, dass Ubisoft Barcelona 51 Mitarbeiter entlassen hat – genau jenes Studio, das „maßgeblich zu dem Projekt beigetragen hat“. Die Entlassungen sind Teil einer größeren Welle: Ubisoft hat bereits zwei Studios geschlossen und weitere umstrukturiert, insgesamt rund 380 Jobs gestrichen.
Guillemot spricht im selben Atemzug von „gezielten Anpassungen“ und der „Konzentration von Ressourcen auf die vielversprechendsten Gelegenheiten“. In Barcelona wird gestreikt – sechs Streiktage über drei Wochen, organisiert von der Gewerkschaft CGT. Die entlassenen Mitarbeiter kämpfen um ihre Abfindungen, während ihr CEO öffentlich erklärt, wie stolz er auf die Arbeit des Studios sei.
Das ist kein neues Muster. Schon im März hatte Ubisoft 105 Mitarbeiter bei Red Storm Entertainment entlassen, und die Streichungen bei den Quebec-Studios gingen durch die Presse. Dass ausgerechnet jetzt, wo das Unternehmen einen echten Erfolg vorweisen kann, die Dankesworte und die Kündigungen in derselben Woche fallen, ist kein Versehen. Es ist Realität in einem Konzern, der seine Kosten senkt, während er seine größten Erfolge feiert.
Was bleibt, ist die Frage nach der Zukunft
Ubisoft Singapore ist bereits mit dem Post-Launch-Support beschäftigt: New Game Plus, die Möglichkeit, Edwards Blasrohr zu verstecken – und mindestens ein Jahr Support, wie Game Director Richard Knight andeutet. Dazu gibt es DLC-Ideen, die sich auf Edward konzentrieren. Ein Freedom-Cry-Release ist nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt.
Die Frage ist nur, ob Ubisoft aus diesem Erfolg die richtigen Schlüsse zieht. Dass Nostalgie verkauft, hat das Unternehmen jetzt auf dem Silbertablett. Was das für die kommenden Titel der Reihe bedeutet – Codename Hexe, Invictus – ist offen. Dass Guillemot in der Investoren-Konferenz direkt neben dem Black-Flag-Erfolg ankündigt, die Kosten weiter zu senken, macht wenig Hoffnung auf eine Trendwende. Black Flag Resynced ist Ubisofts größter Moment seit Jahren. Aber ein Moment ist kein Turnaround.


