27 Jahre Unreal Engine, 12 Jahre bei Epic Games – und dann der Schlussstrich. Sjoerd De Jong, den die Szene unter seinem Alias „Hourences“ als den Mann hinter den legendären UT2004-Maps DM-Rankin und ONS-Torlan kennt, hat Epic Games verlassen. Genau in dem Moment, in dem das Unternehmen nach den Massenentlassungen vom März um Stabilität kämpft, geht einer seiner profiliertesten Entwickler freiwillig. Kein Skandal, aber ein Abgang, der nachdenklich stimmt.
Warum ein Urgestein geht, während Epic unter Druck steht
De Jong selbst beschreibt seinen Abschied im LinkedIn-Post als persönliche Entscheidung. „Nach 27 Jahren mit der Unreal Engine und 12 Jahren bei Epic Games habe ich mich entschieden, weiterzuziehen“, schreibt er. „Es war eine großartige Reise, die mein Leben in vielerlei Hinsicht wirklich verändert hat.“
Die Formulierung klingt versöhnlich, aber der Kontext ist härter. Epic Games hat im März 2026 über 1.000 Mitarbeiter entlassen – ein Fünftel der Belegschaft. CEO Tim Sweeney begründete den Schritt mit sinkenden Fortnite-Einnahmen und einem Betrieb, der mehr ausgebe als einnehme. Ein Branchenanalyst sieht Epic Games in der Krise und spricht von einem langsamen, aber stetigen Niedergang. Die Massenentlassungen mit verheerenden Folgen – darunter ein unheilbar kranker Mitarbeiter, der seine Lebensversicherung verlor – haben das Bild eines Konzerns gezeichnet, der die Kontrolle verloren hat.
De Jong gehört nicht zu den Entlassenen. Er geht freiwillig. Aber dass einer der profiliertesten Unreal-Köpfe das Unternehmen in dieser Phase verlässt, spricht Bände.
Vom Modder zum Millionen Entwickler Multiplikator
Was De Jong besonders macht, ist seine Rolle als Bindeglied zwischen Epic und der Entwickler-Community. In seinen zwölf Jahren als Evangelist reiste er um die Welt, besuchte hunderte Studios, hielt hunderte Vorträge. „Dutzende Länder besucht, hunderte Studios besucht, hunderte Vorträge gehalten, zehntausende Menschen getroffen und Millionen von Entwicklern jedes Jahr unterstützt“, fasst er zusammen.
Er war kein Engine-Architekt im klassischen Sinne, sondern derjenige, der die Engine erklärte, bewarb und den Menschen zeigte, was man damit bauen kann. Epic hat diese Rolle in den letzten Jahren institutionalisiert – aber einen charismatischen Head voller UE-Wissen wie De Jong zu ersetzen, wird nicht einfach. Sein Verständnis der Engine reicht von Unreal 1 bis zur aktuellen UE 5.6, die erst vor wenigen Wochen erschienen ist. Er hat jede Iteration live erlebt.
Was De Jongs Abgang für Epic und UE6 bedeutet
Epic steht vor einem Spagat. Einerseits arbeitet das Unternehmen an der Unreal Engine 6, die 2027 in den Early Access gehen soll – mit einer neuen Programmierarchitektur in Verse und KI-Integration. Andererseits verliert es erfahrene Leute, die das Ökosystem auswendig kennen. Die UE6 Performance-Rakete soll die Leistungsprobleme von UE5 endlich lösen – aber wer bringt den Entwicklern bei, wie man das neue System optimal nutzt?
De Jong hat diesen Job zwölf Jahre lang gemacht. Dass er jetzt geht, ist kein Beinbruch für die Engine-Entwicklung selbst. Aber es ist ein Indikator. Die Ära, in der Epic mit Enthusiasten wuchs, die aus der Community kamen und für die Community arbeiteten, ist endgültig vorbei.