Nur eine Woche vor der offiziellen Gameplay-Premiere sind erneut unfertige Spielszenen zu Grand Theft Auto 6 im Netz aufgetaucht, gegen die Publisher Rockstar Games bereits mit rigorosen Copyright-Sperren vorgeht. Statt den heiß ersehnten Blockbuster wie geplant im Hochglanzformat zu inszenieren, wird das Studio kurz vor dem Startschuss von einem unkontrollierten Vorab-Leak eingeholt. Hinter der Veröffentlichung des Materials steckt jedoch kein gewöhnlicher Datendiebstahl, sondern ein gezielter Protest gegen den Verzicht auf echte Discs im Einzelhandel.
Rockstars Lösch-Welle bestätigt die Echtheit des Materials
Rockstar Games reagiert blitzschnell auf neu hochgeladenes GTA 6 Videomaterial und lässt Gameplay-Schnipsel auf sämtlichen Plattformen per Copyright-Strike sperren. Durch diese juristischen Sofortmaßnahmen bestätigt der Publisher unfreiwillig, dass die Aufnahmen tatsächlich aus einer authentischen Entwicklungsversion des Spiels stammen.
Was auf den ersten Blick wie ein frischer Einblick in die Open World wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als alter Entwicklungsstand. Laut den Recherchen von Video Games Chronicle zeichnet eine Gruppe namens Cyberleek für die Verbreitung verantwortlich. Der bekannte Branchen-Insider NateTheHate stellte klar, dass die gezeigten Spielszenen bereits über ein Jahr alt sind. Für das Studio ist es dennoch ein Déjà-vu: Schon frühere Gerüchte über die Spielzeit zeigten, wie zwei Leaks völlig unterschiedliche Antworten lieferten. Auch wenn das neue Material veraltet ist, durchkreuzt es die minutiös geplante PR-Choreografie des Publishers empfindlich.
Der Hacker-Protest gegen den schleichenden Tod der Disc
Die Hacker-Gruppe Cyberleek begründet die Veröffentlichung als Protest gegen Rockstars Entscheidung, der physischen Handelsversion von GTA 6 keinen Datenträger beizulegen. Statt einer installierbaren Disc finden Käufer in den Plastikhüllen der Konsolenfassung lediglich einen Download-Code vor.
Wer die Aktion nur als reinen Vandalismus abtut, übersieht den wachsenden Unmut der Community über den schleichenden Abschied von physischen Medien. Publisher sparen sich die Produktionskosten für Discs und verkaufen Plastikhüllen, die ohne Server-Anbindung nutzlos sind. Für Sammler und Verfechter des physischen Besitzes ist dieser Schritt bei einem Vorzeige-Schwergewicht wie Grand Theft Auto ein fatales Signal.
Cyberleek instrumentalisiert das gestohlene Material, um maximale Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Rockstar lässt sich davon freilich nicht beeindrucken: Wie The Game Post über die DMCA-Meldungen berichtet, geht das Studio kompromisslos gegen jeden Re-Upload vor.
Netflix-Premiere als Auftakt einer gigantischen Marketing-Welle
Rockstar Games zeigt am 27. August einen ersten ausführlichen Einblick in Grand Theft Auto 6, der für mehrere Stunden exklusiv über den Streamingdienst Netflix läuft. Erst sechs Stunden später landen die Gameplay-Szenen regulär auf YouTube und der offiziellen Webseite des Entwicklers.
Die Veröffentlichungspolitik unterstreicht die Ausmaße dieser Kampagne: Die Übertragung startet um 21:00 Uhr deutscher Zeit exklusiv bei Netflix, bevor um 03:00 Uhr nachts die weltweite Bereitstellung auf allen Plattformen folgt. Schon die Einbindung ins Konsolen-Dashboard belegt, wie Sony das Open World Epos bereits vor Release wie einen First-Party-Titel inszeniert. Take-Two-CEO Strauss Zelnick bezeichnete die kommende Gameplay-Vorführung als bloßen Vorgeschmack der Marketing-Maschinerie. Bis zum finalen Launch am 19. November für PlayStation 5 und Xbox Series X/S dürften weitere Präsentationen folgen.
