Dass Warhorse ein neues Kingdom Come plant, wissen wir seit Mai. Aber wie es heißen soll – das verrät eine Markeneintragung, die gestern beim EUIPO eingegangen ist. Kingdom Come Salvation heißt der Eintrag, inklusive offiziellem Logo und Warhorse als Eigentümer. Ein erster Hinweis auf das, was uns auf der Gamescom erwarten könnte.
Was die Markeneintragung verrät – und was nicht
Der Eintrag beim EU Intellectual Property Office wurde am 23. Juli registriert, entdeckt von der ResetEra-Community. Warhorse ist als Inhaber gelistet, das Logo verwendet die bekannte Schrift der Reihe. Soweit die harten Fakten.
Schon im Mai hatte Embracer Group im Earnings Report bestätigt, dass das neue Kingdom Come die volle Entwicklungsphase erreicht hat und zwischen April 2027 und März 2028 erscheinen soll. Communications Director Tobias Stolz-Zwilling sagte kürzlich im Community-Stream: „Wenn alles gut läuft, kommt es im nächsten Geschäftsjahr – das heißt, ihr müsst nicht sieben Jahre auf ein weiteres Kingdom Come warten.“ Ein Open World Action-RPG ohne den Zusatz „Deliverance“, ohne Heinrich als Hauptfigur.
Dass ausgerechnet jetzt die Marke für „Salvation“ auftaucht, ist kein Zufall. Die Gamescom Opening Night Live steht im August an – ein klassischer Moment für Warhorse, um den Namen offiziell zu bestätigen und vielleicht einen ersten Teaser zu zeigen. Das ist Spekulation, aber eine, die der Kalender stützt. Sechs Millionen verkaufte Exemplare von KCD2 geben Warhorse die Reichweite für einen großen Auftritt.
Koop, PvP oder nur Rangliste? Was die versteckten Markenklassen bedeuten
Spannend wird es beim Kleingedruckten. Die Markeneintragung listet neben „Computer Gaming Software“ auch „entertainment services for matching users with computer games“ – also Dienste, die Spieler miteinander verbinden. Das könnte Koop bedeuten. Oder, der schlechtere Fall, kompetitiven Multiplayer. Oder einfach nur eine Online-Anbindung für Ranglisten und Community-Features.
Warhorse war bisher ein reiner Singleplayer-Entwickler. KCD1 und 2 lebten von der Einsamkeit ihrer Welten, von der Stille beim Ritt durch böhmische Wälder, vom Gefühl, allein gegen die Geschichte zu stehen. Die Markeneintragung enthält zahlreiche Online-Formulierungen – „provision of online computer games“, „game services provided online from a computer network“. Das klingt nicht nach einer optionalen Anmeldung, sondern nach einem Feature, das den Markenschutz braucht.
Ob das Koop, PvP oder ein begleitender Online-Modus wird, bleibt abzuwarten. Aber es wäre ein Richtungswechsel für ein Studio, das seine Identität aus der historischen Einsamkeit bezogen hat. Das neue Kingdom Come wird ohnehin alles anders machen – kein Henry, kein Deliverance. Vielleicht gehört dazu auch, dass wir das Mittelalter nicht mehr allein durchstreifen.
Zwei Eisen, ein Studio: Warhorse zwischen Salvation und Mittelerde
Was gern untergeht in der Marken-Aufregung: Warhorse arbeitet parallel an einem Open World RPG in Tolkiens Mittelerde – bestätigt im Mai. Content Director Ondrej Bittner beschreibt es selbst als „riesiges, immersives RPG“. Zwei Projekte gleichzeitig, unter dem Dach eines Embracer-Konzerns, der in den letzten Jahren über 7.800 Mitarbeiter entlassen und ganze Studios geschlossen hat.
Dazu kommt: Daniel Vávra, der kreative Kopf der Kingdom Come-Reihe, hat Warhorse Anfang 2026 verlassen, um einen KCD-Film zu realisieren. Wer das neue Kingdom Come kreativ führt, ist nicht bekannt. Dass Warhorse die Marke für Salvation genau jetzt einträgt, wo die Community nach dem Ende von Heinrichs Saga Orientierung sucht, ist geschicktes Timing. Aber ob Salvation ohne Vávra und ohne Henry die gleiche erzählerische Wucht entwickeln kann – das wird sich zeigen.
Die Messlatte liegt hoch. KCD2 hat in gut einem Jahr sechs Millionen Einheiten verkauft, BAFTA-Auszeichnungen eingeheimst und gezeigt, dass realistisches Mittelalter kein Nischenprodukt ist. Salvation muss beweisen, dass dieses Publikum auch ohne den Namen Deliverance und ohne den Schmiedesohn kommt. Die Marke ist der erste Schritt. Die Gamescom wird vielleicht der zweite.