Moon-Studios-Chef Thomas Mahler erteilt den brodelnden Gerüchten um Ori 3 eine eiskalte Abfuhr und bezeichnet angebliche Sequel-Pläne als reinen Kokolores. Während im Netz schon wilde Theorien über neue Entwickler und angebliche Messe-Enthüllungen kursieren, zieht der Serienschöpfer eigenhändig den Stecker. Hinter den Kulissen tobt derweil ein zäher Zoff um Markenrechte, verbrannte Erde und ein drohendes Halo-Szenario.
Kalte Dusche für Metroidvania-Fans: Warum die Ori 3 Leaks reines Wunschdenken sind
Die angeblichen Leaks zu einer baldigen Ankündigung von Ori 3 entbehren jeder realen Grundlage. In den Foren ging es in den letzten Tagen wieder rund: Da fabulierten angebliche Insider über eine geheime Xbox-Ankündigung, während andere Stimmen plötzlich Saber Interactive als Retter ins Spiel brachten. Thomas Mahler platzte daraufhin der Kragen. In einer deutlichen Ansage auf X stellte er trocken klar, dass er erst frisch mit den Verantwortlichen bei Microsoft gequatscht hat – und dort weiß schlichtweg keine Sau von einem neuen Ori. Wer auf Reddit die Korken knallen ließ, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Beide Vorgänger haben mit butterweichem Plattforming, handgezeichneter Traumoptik und Pipi-in-den-Augen-Momenten das Metroidvania-Genre komplett umgekrempelt. Dass die Community nach dem fulminanten Will of the Wisps sabbernd auf Nachschub wartet, ist völlig logisch.
Aber Wunschdenken ersetzt eben keine Entwicklungsverträge. Wenn ein anonymer Leaker behauptet, er wüsste besser Bescheid als der Studioboss, der die Marke erfunden hat, driftet das Ganze endgültig in Fan-Fiction ab.
Markenrechte und Halo-Trauma: Warum Microsoft die IP lieber im Tresor verstauben lässt
Das Schicksal von Ori 3 entscheidet sich nicht am Reißbrett von Moon Studios, sondern im Chefsessel von Microsoft. Mahler redet da gar nicht lange um den heißen Brei herum: Wenn Microsoft mit einem dicken Scheck und dem Go um die Ecke kommt, würde das Team sofort loslegen. Das Studio hat intern sogar durchgerechnet, ob man die Markenrechte kurzerhand aus Redmond zurückkaufen kann, um das Schicksal des kleinen Waldgeistes wieder in die eigene Hand zu nehmen.
Doch Microsoft? Bleibt stur.
Für den Großkonzern liegt die Marke sicher im Tresor – und genau davor graut es Mahler. Der Studioboss warnte die Community nämlich vor einem verhängnisvollen Branchen-Muster: Verliert der ursprüngliche Schöpfer die Kontrolle, landet die IP oft bei x-beliebigen Auftragsstudios. Als knallhartes Mahnmal zog er 343 Industries und das Halo-Franchise heran.
Microsoft pumpte Milliarden in den Master Chief, holte sich am Ende aber trotzdem nur maue Fan-Reaktionen und Identitätskrisen ab. Ohne das Herzblut des Original-Teams wird aus einem Kunstwerk im Handumdrehen seelenlose Fließbandware. Haus-Komponist Gareth Coker signalisierte zwar bei einem Feierabend-Bierchen, dass er jederzeit wieder Notenblätter für Ori vollschmieren würde, doch solange die Beziehung zwischen der Studioführung und Microsoft durch alte Reibereien abgekühlt bleibt, friert die Hölle eher zu als dass ein neuer Teil anrollt.
Frischer Wind statt Nostalgie-Falle: Wie No Rest for the Wicked die Zukunft sichert
Statt auf das Wohlwollen von Microsoft zu hoffen, konzentriert sich Moon Studios voll auf das düstere Action-Rollenspiel No Rest for the Wicked, dessen 1.0-Meilenstein im Oktober über die Ziellinie geht. Mit dem knallharten Isometrie-Soulslike haben sich die Wiener Entwickler unter der Flagge von Private Division bewusst freigeschwommen. Keine Lizenz-Fesseln, kein Betteln bei Plattform-Riesen. Künftige Versionen für die Nintendo Switch 2 und Xbox Series X/S sollen den Titel als eigenständiges Multiplattform-Schwergewicht etablieren.
Mahlers Dementi schmerzt im ersten Moment, ist unterm Strich aber der beste Schutz vor einer enttäuschenden Fortsetzung. Lieber behalten wir Ori als unantastbare Duologie in Erinnerung, als dass ein zusammengewürfeltes Auftragsstudio die Magie für einen schnellen Game-Pass-Füller verheizt. Wenn Microsoft den Mut aufbringt, die Reihe eines Tages mit den richtigen Leuten anzupacken – bitteschön. Bis dahin beweist Moon Studios im Oktober am eigenen Leib, ob ihre spielerische Brillanz auch abseits bunter Wälder im blutigen Soulslike-Schlamm überlebt.