Schon wieder ein Sci-Fi-Mysterium? Schon wieder eine verlassene Raumstation, verschwundene Crew-Mitglieder und ein einziger bekannter Überlebender? Zugegeben: Auf den ersten Blick wirkt das Whitepaper zu Rivage nach nichts Neuem. Die Grusel-Ecke der Science-Fiction-Rätselspiele ist in den vergangenen Jahren ordentlich gewachsen – denken wir etwa an das kürzlich erschienene Directive 8020 oder an Fort Solis. Viele Entwickler stürzen sich auf diese kleine, aber feine Genre-Nische, und zugegeben: Sie ist alles andere als einfach zu bespielen. Nun wagen sich also auch die Exnilo Studios unter dem Publisher Raw Fury daran. Das Setup … kennen wir. Die Spielmechanik … wurde schon gezockt. Die Rätsel … sehen immerhin vielversprechend aus. Ob Rivage mit bekannten Formeln neue Gleichungen aufstellt, lest ihr im Review.
Auf zu neuen Welten … alleine
Willkommen auf der A.R.E.S., einer bemannten (und befrauten?) Weltraummission zu einem weit entfernten Planeten, der als Erde 2.0 herhalten könnte. Die Reise dorthin? Unbeschwert. Die Ankunft? Mehr als nur problematisch. Wir schlüpfen in die Rolle von Miranda, Medizintechnikerin an Bord der A.R.E.S. und eines von fünf Crew-Mitgliedern.

Zu Beginn erwachen wir in unserem Bett, und die innere Erzählstimme teilt uns mit, dass es ein massives Problem auf der Station gibt – und dass wir uns endlich zusammenreißen müssen, um die Lage und unsere Kollegen zu retten.
Das ist so ziemlich das komplette Anfangssetup von Rivage. Mehr wird uns nicht verraten. Kommt euch bekannt vor? Sagt bloß. Mir ging es anfangs genauso. Ich wusste schlicht noch nicht, wohin die Reise auf der A.R.E.S. führen würde. Geht es in die Horror-Richtung, bleibt alles im Normalbereich oder biegt die Story in eine Abenteuer-Straße ab? Ehrlich gesagt wusste ich in den ersten Spielminuten auch nicht, welcher Weg mir der liebste gewesen wäre – also schreiten wir einfach mal voran.
Denn zu Beginn werden wir auf der Station tatsächlich wortwörtlich und im übertragenen Sinne allein gelassen. Jeden Info-Brocken müssen wir uns selbst erarbeiten, genauso wie die einzelnen Stationsräume – Stück für Stück. Und dabei wird uns sehr schnell klargemacht: Die Station ist am Ende, die Energie ist fast aufgebraucht. Nur noch wenige Türen lassen sich öffnen, bevor die Notabschaltung alles lahmlegt. Und dann? Richtig: Dann ist auch unser Erkundungstrip vorbei, und wir sind verloren.
Öffnen können wir also nur ein paar verschlossene Türen, mit Maschinen interagieren oder Automaten benutzen – weit weniger, als wir für eine komplette Erkundung brauchen. Doch halt … was ist das? Sobald das Licht ausgeht und wortwörtlich nichts mehr geht, erscheint in einer Abstellkammer doch noch ein Licht. Wie ist das möglich? Der Spielautomat, an dem sich die Crew in der Highscore-Liste wild duelliert hat, leuchtet auf und piepst uns fröhlich an. Wie kann das sein?

Auf der Station dürften nach der Ankunft am Zielort nämlich einige Anomalien aufgetreten sein, welche die Crew energisch zu untersuchen und zu lösen versucht hat. Ist das vielleicht der Grund, warum keines der anderen Crew-Mitglieder auffindbar ist? Wir wissen es (noch) nicht. Kaum legen wir am letzten funktionierenden Gerät Hand an, versetzt es uns durch eine Anomalie … zurück an den Beginn unseres Tages … in unser Bett … und wir dürfen alles von vorne beginnen.
Rätsel, Fragen, Anomalien
Was sich wie eine Wiederholungs-Hölle anhört, ist in Wahrheit ein gut durchdachtes und ausgeklügeltes Rätsel-Werkzeug. Alles, was wir im gerade absolvierten Loop an Infos und Erkenntnissen gewonnen haben, lässt sich im nächsten Lauf in Vorteile ummünzen. Hinzu kommt das sogenannte K9-System, das uns stets begleitet und Informationen über die Loops hinweg speichert: Zugangskartendaten, Screenshots, Notizen und vieles mehr. Findet ihr also eine Aktennotiz mit einem Passwort, landet diese im K9 und steht in jedem weiteren Lauf zur Verfügung. Zugangskarten lassen sich so dauerhaft sichern, ohne dass wir sie ständig neu suchen müssen. Genial.
Beispielweise könnt ihr auch jederzeit Screenshots machen, die dauerhaft im System gespeichert und abrufbereit sind. So sichert ihr euch mögliche Hinweise und Rätsellösungen selbst und holt sie euch her, sobald ihr sie in einem späteren Lauf braucht.
Die eigentliche Aufgabe steht dabei natürlich im Vordergrund: das Verschwinden der Crew-Mitglieder aufklären und die Mission, wenn möglich, retten. Dafür müssen wir Schaltkreise neu versorgen, Codes und Passwörter für Informationen zusammensuchen, Gegenstände beschaffen, um weiterzukommen – und natürlich Zugangskarten aus dem Snackautomaten holen. Moment … was? Ja, so ist es aber … Die überwiegend logischen Rätsel sind dabei sehr abwechslungsreich und fordern auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Es ist eben nicht nur „Gegenstand suchen, Gegenstand bringen“ à la Resident Evil. Die Rätsel unterscheiden sich in Art und Umfang und sind genau passend und fordernd zugleich. Top.
Obwohl die Karte der Raumstation nicht sehr groß wirkt, ist der Rätselumfang gewaltig und kostet seine Zeit. Ab und an muss man das Loop-System gezielt ausnutzen, um in den Geschehnissen voranzukommen. Auch die auf der Station vorherrschenden Anomalien dienen häufig als Grundlage für die Rätsel: Gegenstände schweben scheinbar wahllos durch die Gegend, in manchen Bereichen scheint die Zeit schneller oder langsamer zu laufen, plötzlich werden Stationswände transparent und so weiter. So müssen wir uns mit Lichtspielereien, Zeitschleifen und Gravitations-Spielereien herumschlagen.
Houston, wir haben (k)ein Problem
Das K9-System ist dabei ständiger Begleiter und Werkzeug zugleich. Leider merkt man auf der Konsole, dass das Steuerungssystem vorwiegend von der PC-Version adaptiert wurde. Brechen wir im K9-System einen Befehl ab, löschen wir gleichzeitig auf der Tresortastatur die zuletzt eingegebene Ziffer weg. Das ist ärgerlich, aber verkraftbar.
Persönlich finde ich es schade, dass sich Rivage zu keiner Zeit in die Horror-Nische wagt. Die verschwundenen Crew-Mitglieder sind also blutfrei und unblutig verschwunden. Zugegeben, das ist Geschmackssache – als Horror-Fan hätte ich mir etwas Gore gut vorstellen können. So wirkt das Ganze eher wie ein Abenteuer als ein Endzeitszenario, und der Druck fühlt sich eher Disney-spielerisch als Blumhouse-gruselig an. Sollte genau das das Ziel der Entwickler gewesen sein: Dann passt es so.
Zudem decken wir über die Kollegen tonnenweise Informationen auf – in Form von Schreiben, E-Mails, Chatverläufen, Tagebüchern, Fotos und so weiter. Das bedeutet viel Lesearbeit, wobei die deutschen Texte sehr gut gelungen sind. Leseunfreudige Gamer werden hier etwas schnaufen. Denn in den Texten, Fotos und Logs verstecken sich oft Hinweise oder dezidierte Anweisungen, was als Nächstes zu tun ist. Auf diese Infos sind wir angewiesen – einen Questmarker als solchen gibt es nicht.
Rivage im Test: Sci-Fi-Mystery mit Zeitschleifen und verschwundener Crew - PixelCritics
Auf der Raumstation A.R.E.S. ist die Crew verschwunden, ein Automat schickt uns in Zeitschleifen. Wie gut funktioniert das Sci-Fi-Rätsel-Abenteuer? Das lest ihr im Test!
Preis: 24,99
Preis Währung: €
Betriebssystem: PS5
Anwendungskategorie: Game
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