Bungie und Star Wars Battlefront 3 – das klingt wie die Paarung, die niemand bestellt hat, und die trotzdem nach verbranntem Treibstoff riecht. In der aktuellen Ausgabe von EGM hat die legendäre Quartermann-Kolumne angeblich aufgeschnappt, dass Disney einen Partner für ein neues Battlefront sucht und dabei neben DICE auch die Destiny-Schmiede Bungie im Gespräch ist. Jeff Grubb hat das Gerücht in den Game Mess Mornings verlesen – und gleich selbst klargestellt, dass er nicht an Bungie glaubt, sondern an DICE.
Das Gerücht und seine Quelle: Warum Disney wirklich mit Bungie spricht
Die Quelle ist so absurd, dass sie schon wieder glaubwürdig ist: Das seit 2014 eingestellte Magazin EGM kehrt mit einer neuen Print-Ausgabe zurück, finanziert über eine Kickstarter-Kampagne, und in dieser Ausgabe schreibt ausgerechnet der sagenumwobene Quartermann, Disney habe „große Pläne“ für die Battlefront-Serie. Grubb liest die Passage im Podcast vor, und sie ist präzise: Lucasfilm habe „aggressiv Probe-Droiden ausgesandt“, um einen Entwicklungspartner zu finden, und zwei Studios kreisten um das Projekt – DICE und Bungie.
Warum Bungie überhaupt auf der Liste steht, hat weniger mit Gaming-Exzellenz zu tun als mit Franchise-Politik. Disney hat seit dem Auslaufen des EA-Exklusivvertrags im Jahr 2023 die Freiheit, mit wem auch immer zu arbeiten. Und angeblich hat man bei Disney „einen schlechten Geschmack im Mund“ von der langen Zusammenarbeit mit EA. Das ist kein Kompliment für Bungie, sondern ein Misstrauensvotum gegen den bisherigen Partner.
Grubb selbst wischt die Bungie-Variante vom Tisch: „Ich denke nicht, dass sie Star Wars Battlefront 3 machen werden. Ich denke, es geht an DICE.“ Er sagt das nicht aus Bosheit, sondern aus Erfahrung. Bungie ist ein Sony-Studio, und ein Sony-First-Party-Studio, das einen großen lizenzierten Star-Wars-Shooter entwickelt, wäre ein Novum – und ein Albtraum für alle Beteiligten, was Plattformrechte und Marketing angeht.
Und dann ist da noch die Battlefront-Community, die seit Jahren am Leben gehalten wird, obwohl EA das Spiel aufgegeben hat. Über 18.000 gleichzeitige Spieler bei einem Battlefront 2 Comeback im letzten Jahr zeigen: Der Hunger ist da. Disney sieht diese Zahlen. Und Disney hasst es, wenn ein Publikum hungert, ohne dass es dafür abkassiert.
Bungies Trümmerhaufen: Marathon, Destiny und die Entlassungswelle
Genau hier wird es unangenehm: Bungie ist im Oktober 2026 kein stabiles Studio, das mal eben ein weiteres AAA-Franchise stemmen könnte. Im Juni hat Sony eine Entlassungswelle bestätigt, die den „Großteil des Destiny-Teams“ und Teile des Marathon-Teams erwischt hat. Offiziell heißt es, man habe „mehrere Alternativen geprüft“ und sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Personalabbau „notwendig“ sei. Das ist PR-Sprech für: Das Studio hat sich verhoben und muss jetzt schrumpfen.
Marathon, der große Hoffnungsträger, ist indes kein zweites Destiny geworden. Der Extraction-Shooter startete im März 2026 mit einem Steam-Peak von 88.337 Spielern, fiel aber bis Oktober auf durchschnittlich 15.000 bis 20.000 zurück. Die Reviews sind ordentlich (Metacritic 81, Steam „sehr positiv“), aber die Spielerzahlen erzählen eine andere Geschichte. Destiny 2 wurde mit dem „Monument of Triumph“-Update im Juni offiziell in den Wartungsmodus geschickt, und die Hoffnung der Community auf Destiny 3 hat Bungie bisher nicht erfüllt.
In diese Lücke stößt das Gerücht. Ein Ex-Entwickler will Battlefront 2 wiederbeleben, die Community moddet mit Real-Life-Grafik-Mod das alte Spiel auf, und Disney sucht einen neuen Partner. Bungie braucht dringend einen Erfolg, Disney braucht dringend ein Produkt, und die Fans brauchen dringend eine Perspektive. Das ist keine Traumpaarung, das ist eine Zweckgemeinschaft aus Verzweiflung.
Warum DICE immer noch die einzige logische Wahl ist
Die Ironie an der ganzen Geschichte: DICE hat Battlefront 2 von einem Lootbox-Skandal zu einem Spiel umgebaut, das acht Jahre nach Release immer noch Tausende Spieler bindet. Das ist keine kleine Leistung. DICE hat den Karren aus dem Dreck gezogen, während EA das Studio danach auf Battlefield 6 ansetzte – und damit offenbar erfolgreich war. Ein DICE-Battlefront 3 wäre die sichere Bank: eingespieltes Team, bekannte Engine, klare Lizenzbeziehung.
Bungie hingegen müsste bei Null anfangen. Die Studioleitung hat erst kürzlich eingestanden, dass man „das Vertrauen der Spieler verloren“ und seine eigenen Ambitionen zurückgefahren habe. Ein Star-Wars-Projekt obendrauf wäre ein gigantischer Kraftakt für ein Team, das gerade lernt, mit weniger Ressourcen zu überleben. Grubb bringt es auf den Punkt: Es wäre „ein Verrat an der Destiny-Fanbase“, die lieber Destiny 3 sehen würde.
Was für Bungie spricht, ist das Gunplay. Destiny 2 hat bis heute eine der besten Schießmechaniken im Business, und ein Battlefront mit dieser Wucht wäre spielerisch eine Offenbarung. Aber Gunplay allein macht kein Spiel. Battlefront braucht Karten, Modi, Fahrzeuge, Helden, Live-Service-Roadmaps und eine Community, die nicht nach drei Monaten zum nächsten Shooter abwandert. Bungie hat gerade bewiesen, dass es mit Marathon genau daran scheitert.