Square Enix bricht endgültig mit alten Exklusivitäts-Bollwerken und hievt das monumentale Midgar-Abenteuer mit voller Wucht in Microsofts Spiele-Flatrate. Ab dem 29. Oktober steht Final Fantasy 7 Remake Intergrade im Xbox Game Pass für Cloud, Konsole und PC bereit – flankiert von charmantem Indie-Nachschub und einem Flower-Power-Revival. Das japanische Rollenspiel-Schwergewicht poliert das herbstliche Portfolio mächtig auf, kann den gleichzeitigen Kahlschlag in der zweiten Reihe aber nicht komplett kaschieren.
Cloud Strife stürmt die teuren Tarifstufen
Dieser Glanzpunkt kommt für Abonnenten allerdings mit einer handfesten Klassengesellschaft im Gepäck. Wer das Rollenspiel-Epos erleben will, muss genau hinsehen, denn Microsoft zieht für seine strikten Tarif-Schranken immer engere Grenzen. Neben Cloud Strifes legendärem Söldner-Auftritt samt Yuffie-DLC Intermission müssen Sparfüchse ihre Erwartungen genau mit dem eigenen Kontostand abgleichen.
Final Fantasy 7 Remake Intergrade landet am 29. Oktober zwar im teuren Ultimate-Abo sowie für PC-Zocker, darf aber überraschend auch in Xbox Game Pass Premium geladen werden. Kleinere Titel haben es dagegen ungleich schwerer, die Hürde in diesen Mittelklasse-Tarif zu nehmen. Das Mehrspieler-Gemetzel Scramble Knights Online am 26. Oktober sowie die Tower-Defense-Neuauflage Plants vs. Zombies: Replanted und Terrible Lizards am 29. Oktober bleiben exklusiv den teureren Ultimate- und PC-Mitgliedschaften vorbehalten.
Für die günstigere Basis-Schiene bleibt damit fast nur die Indie-Riege übrig. Während Sandustry ab dem 21. Oktober immerhin Premium-Abonnenten beglückt und der knifflige Enten-Hüpfer Dodo Duckie am 22. Oktober folgt, trudelt das viktorianische Detektiv-Abenteuer The Séance of Blake Manor erst Ende des Monats ein. Den Schlusspunkt setzt das Dungeon-Abenteuer Pit of Goblin am 3. November, das ausnahmsweise wieder über alle drei Tarifstufen hinweg freigeschaltet wird.
Neun Abschiede reißen spürbare Löcher
Doch während Cloud sein Breitschwert wetzt, schlägt am anderen Ende der Monatsliste der Rotstift gnadenlos zu. Dass Microsoft den Dienst regelmäßig lüftet, ist Routine, doch drastische Abgangswellen zum Monatsende treffen die Community diesmal empfindlich ins Mark. Am 31. Oktober fliegen gleich neun gestandene Produktionen gleichzeitig von den SSDs.
Besonders bitter wiegt der Abschied von Deep Rock Galactic, das als virtuelles Zuhause für tausende Koop-Bergleute über Jahre hinweg zum festen Inventar gehörte. Wer die brachialen 1.000 Gamerscore knacken wollte, schaut nun ohne Kauf in die Röhre, denn die dafür nötigen hunderte Spielstunden lassen sich in einer knappen Woche schlicht nicht mehr abreißen. Auch das gigantische Lego Star Wars: The Skywalker Saga und das taktische Söldner-Epos Wartales packen ihre Koffer, begleitet von Lara Croft and the Temple of Osiris, Dead Static Drive und Wildgate.
Die Krönung dieser Kündigungswelle ist jedoch ein administratives Trauerspiel erster Güte. Mit Day of the Tentacle Remastered, Full Throttle Remastered und Grim Fandango Remastered fliegen ausgerechnet drei LucasArts-Meilensteine aus dem Katalog, die von Tim Schafers Studio Double Fine stammen. Double Fine gehört seit 2019 zu den Xbox Game Studios, doch wenn ein solches Geschäftsmodell für Studios mit alten Lizenzverträgen kollidiert, fliegen offenbar selbst die eigenen Familienmitglieder gnadenlos vor die Tür.
Square Enix beerdigt alte Sony-Bündnisse
Hinter dieser permanenten Katalog-Rochade steckt eine strategische Kehrtwende, die weit über simple Monatswechsel hinausreicht. Jahrelang hielt Sony das Remake des Rollenspiel-Urvaters mit eisernen Exklusivitäts-Klauseln auf PlayStation-Hardware gefangen, während Xbox-Besitzer sprichwörtlich ins Leere schauten. Dass der Titel nach seiner regulären Veröffentlichung im Januar 2026 nun direkt in der Flatrate aufschlägt, besiegelt den radikalen Kurswechsel der Chefetage in Tokio.
Square Enix hat der exklusiven Plattform-Bindung öffentlich abgeschworen und will die eigene Software dorthin bringen, wo noch zahlende Kundschaft sitzt. Xbox-Chefin Asha Sharma forciert zeitgleich eine gezielte Trendwende mit Blockbustern, um das Abo nach zähen Monaten wieder auf Kurs zu bringen. Für Gamer ist dieser Deal ein unverschämt günstiger Einstieg, denn bis zum Erscheinen des Trilogie-Finales Final Fantasy 7 Revelation im April 2027 bleibt genügend Zeit, die Vorgeschichte aufzusaugen.
Am Schreibtisch hinterlässt dieses Update dennoch gemischte Gefühle. Ein echtes Ausnahme-Rollenspiel gleicht den schmerzhaften Verlust von Fan-Lieblingen und hauseigenen Klassikern zwar oberflächlich aus, kaschiert die zunehmende Fragmentierung zwischen den Tarifstufen aber nur bis zur nächsten Monatsabrechnung.