Talion ist tot. Dann ist er es nicht mehr. Der Waldläufer, den ein Elbengeist ins Leben zurückholt, hat über ein Jahrzehnt auf dem Buckel – und jetzt steckt er plötzlich in der Hosentasche. Aspyr bringt Middle-earth: Shadow of Mordor und Shadow of War am 30. September auf die Switch 2, erstmals überhaupt auf einer Nintendo-Plattform. Das klingt nach einer guten Nachricht – Ja, aber es ist eine, die man mit Vorsicht genießen sollte.
73 GB Mordor für die Handtasche
Aspyr hat die Preise im eShop bereits hinterlegt. Das Shadow Bundle kostet 34,99 Dollar statt 69,99 – die Halbierung gilt bis zum Launch am 30. September. Einzeln liegt Shadow of Mordor: Game of the Year Edition bei 9,99 Dollar, Shadow of War: Definitive Edition bei 24,99 Dollar. Danach greifen die Normalpreise von 19,99 und 49,99 Dollar.
Enthalten ist alles, was zwischen 2014 und 2018 erschienen ist: die Kampagnen „Lord of the Hunt“ und „The Bright Lord“ für den ersten Teil, die Story-Erweiterungen „Desolation of Mordor“ und „Blade of Galadriel“ sowie die Stammes-Erweiterungen für den Nachfolger. Zwei Dinge sollten Käufer vorher wissen. Erstens: Shadow of War belegt 73 GB auf der Switch 2 – ein Pfund, das jede Speicherkarte frisst. Zweitens: Die Online-Funktionen sind weg. Conquests, Vendettas, Fight Pits und der Garrison-Modus fehlen in dieser Version komplett.
Aspyr erbt, was Monolith nicht mehr halten kann
Wer die Pakete schnürt, sagt viel über den Zustand der Marke. Aspyr ist eine texanische Port-Werkstatt, Teil der Embracer Group, spezialisiert auf die Wiederbelebung vergessener Klassiker – von Star Wars: Knights of the Old Republic bis zuletzt The Lord of the Rings: War in the North – Legacy Edition im August 2026. Der neue Auftrag ist Teil einer längeren Linie, wie die Aspyrs wachsende Mittelerde-Strategie zeigt.
Was Aspyr übernimmt, ist das Erbe eines Studios, das nicht mehr existiert. Monolith Productions wurde im Februar 2025 von Warner Bros. geschlossen, gemeinsam mit zwei weiteren Teams. Der Grund war ein abgebrochenes Wonder-Woman-Spiel, das mehr als 100 Millionen Dollar verschlungen hatte. Monolith existierte seit 1994 und hatte mit F.E.A.R., Condemned und der Mordor-Dilogie eine der beständigsten Action-Adventure-Schmieden der Branche aufgebaut. Der Name steht heute nirgends mehr im Impressum – nur noch auf der Verpackung.
Ein Patent, das länger lebt als sein Erfinder
Die bitterste Pointe dieser Veröffentlichung steckt nicht im Port, sondern in einem US-Patent. Warner Bros. ließ sich das Nemesis-System 2016 schützen – jene Mechanik, die Orcs zu individuellen Rivalen machte, mit Erinnerung, Aufstieg und Rachegelübde. Das Patent läuft bis August 2036. Kein anderes Studio darf vergleichbare Systeme einsetzen, ohne eine Lizenz zu erwerben. Zehn Jahre nach Monoliths Schließung bleibt die innovativste KI-Mechanik der 2010er damit für die nächste Dekade in einem Safe, zu dem nur ein Rechteinhaber den Schlüssel hat.
Während andere Mittelerde-Projekte ohne Material in den Startlöchern stehen und ein Mittelerde-Rollenspiel bei Crystal Dynamics erst langsam Form annimmt, bleibt die Mordor-Saga auf zwei Spiele beschränkt – abgesehen von der gemütlichen Hobbit-Version, die im Auenland gärtnert und das Nemesis-System nicht einmal im Ansatz braucht. Die Switch-2-Portierung holt die Spiele zurück. Das System, das sie besonders machte, bleibt für eine ganze Generation verschlossen.
