Build a Rocket Boy scheint die Realität zu verweigern: Trotz verheerender Spielerzahlen, die zeitweise in den einstelligen Bereich abrutschten, investiert das Studio weiterhin munter in gesponserte YouTube-Videos für MindsEye. Das gescheiterte Action-Adventure, das bei seinem Launch im Juni 2025 noch einen Peak von 3.302 gleichzeitigen Spielern auf Steam erreichte, dümpelt mittlerweile bei gerade mal 14 bis 22 aktiven Usern herum. Dennoch tauchen weiterhin gesponserte Inhalte auf YouTube auf, wie etwa ein Video von Cricken2, der verschiedene Fahr-Challenges in MindsEye absolviert – komplett mit Affiliate-Link und Sponsoring-Hinweis. Die Community reagierte mit blankem Unglauben: Ein Kommentar bezeichnete die Aktion als „Morbius-Niveau-Sponsor“, in Anspielung auf die verzweifelten Marketing-Tricks des geflopten Sony-Superheldenfilms. Ein anderer User fragte ungläubig, ob das Sponsoring echt sei, und verglich es mit einem hypothetischen gesponserten Video für Concord – den infamen Live-Service-Shooter, der nach nur zwei Wochen eingestampft wurde.
Ein Spiel im freien Fall: Von 3.302 auf 14 Spieler
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: MindsEye erlebte einen der dramatischsten Abstürze der jüngeren Gaming-Geschichte. Innerhalb einer Woche nach Launch sackte die Spielerzahl von über 3.000 auf mickrige 280 gleichzeitige Nutzer ab. Seitdem ging es nur noch bergab. Aktuelle Daten von SteamDB und SteamCharts zeigen ein erschütterndes Bild: Im Januar 2026 bewegt sich die 24-Stunden-Peak bei gerade mal 16 bis 22 Spielern, während der 30-Tage-Durchschnitt bei 17,1 liegt. Es gab sogar mehrere Gelegenheiten in der vergangenen Woche, bei denen die Spielerzahl unter zehn Personen fiel – ein vernichtendes Urteil für ein Spiel, das einst mit großen Ambitionen antrat. Fairerweise muss erwähnt werden, dass diese Zahlen nur PC-Spieler auf Steam repräsentieren. Laut einem Report von Ampere Analysis hat MindsEye plattformübergreifend knapp 250.000 Spieler, wobei etwa 150.000 davon auf PlayStation unterwegs sind. Doch selbst diese Zahl wirkt mager für ein Spiel, das mit so viel Hype gestartet wurde.
Verzweifelte Updates: Open World wurde komplett entfernt
Anstatt das sinkende Schiff zu verlassen, hat Build a Rocket Boy seit dem Launch kontinuierlich Updates veröffentlicht – darunter ein radikales im Oktober, das die gesamte Open-World-Komponente entfernte. Stattdessen kehrte ARCADIA zurück, eine Plattform für nutzergenerierten Content wie Missionen und Events. Das Studio verschmolz damit die Funktionen Play.MindsEye und Build.MindsEye zu einer einzigen Entität namens Build.ARCADIA. Nachfolgende Updates brachten mehr kuratierte ARCADIA-Inhalte, doch die Spielerzahlen blieben unbeeindruckt von diesen drastischen Maßnahmen. Die Frage drängt sich auf: Warum investiert ein Studio weiterhin in Sponsorings und Updates, wenn das Spiel offensichtlich gescheitert ist?
Toxische Entwicklung: Leslie Tickets und ignorierte Warnungen
Die Entwicklungsgeschichte von MindsEye ist eine Chronik des Scheiterns. Ben Newborn, ehemaliger Lead Analyst bei Build a Rocket Boy, erhob im Oktober schwere Vorwürfe gegen die Studio-Führung: Diese habe Probleme mit dem Spiel während der Entwicklung systematisch ignoriert und sogar darüber gelacht. Margherita Peloso, ehemalige Associate Producer, bestätigte ähnliche Erfahrungen. Besonders pikant: CEO Leslie Benzies soll sein Team mit sogenannten „Leslie Tickets“ tyrannisiert haben. Dabei spielte er Builds des Spiels und zeigte auf Dinge, die geändert oder repariert werden mussten. „Es war egal, was du sonst gerade machtest, was sonst bearbeitet wurde – das Leslie Ticket musste erledigt werden“, so Newborn. Diese chaotische Führung könnte erklären, warum das Spiel in seiner finalen Form so wenig überzeugte.
Schauspieler fürchtet um seine Karriere
Alex Hernandez, der Hauptprotagonist Jacob Diaz verkörperte, äußerte sich berührend über die negative Resonanz. „Es ist schwierig, zweieinhalb Jahre an einem Projekt zu arbeiten, auf das du wirklich stolz bist und auf deinen Beitrag dazu stolz bist. Und ich hatte nur positive Erfahrungen bei der Arbeit daran. Die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe – ich war stolz auf sie, für sie, ich wollte, dass es für sie genauso ein Erfolg wird wie für mich selbst“, sagte er. Hernandez gestand sogar, unsicher zu sein, ob er jemals wieder Arbeit in der Branche finden würde – ein herzzerreißendes Statement, das die menschlichen Kosten des Scheiterns illustriert.
