Blaze Entertainment schickt mit der Evercade Nexus seine bislang größte Retro-Konsole für 199,99 Euro in den europäischen Handel. Das Gerät setzt mit einem hellen 5,89-Zoll-Display, zwei Analogsticks und der N64-Premiere von Banjo-Kazooie auf spürbar mehr Rechenkraft. Statt digitaler Downloads diktiert der britische Hersteller weiterhin echte Plastikmodule – und fordert damit nicht nur Sammler, sondern den gesamten Markt moderner Emulations-Handhelds frontal heraus.
Mehr Displayfläche und zwei Sticks für die dritte Dimension
Blaze verlässt die 16-Bit-Komfortzone und baut erstmals Hardware für anspruchsvolle 3D-Welten. Der Bildschirm wächst auf 5,89 Zoll an und liefert mit über 500 nits ordentlich Helligkeitsreserven für Sessions im Freien. Das Panel füllt die Front deutlich souveräner aus als bei den oft fitzeligen Vorgängern, ohne dass das Gehäuse wie ein unhandlicher Ziegelstein in den Handgelenken liegt.
Dieses vergrößerte Chassis war zwingend notwendig, um Platz für zwei vollwertige Analogsticks zu schaffen. Bislang zwang die britische Retro-Linie Spieler meist auf das Steuerkreuz, was bei schnellen 2D-Plattformern funktionierte, komplexere Titel aber im Keim erstickte. Jetzt lassen sich 32- und 64-Bit-Titel sowie Arcade-Klassiker präzise steuern, ohne Daumenkrämpfe zu provozieren.
Dazu gesellt sich der bewährte TATE-Modus, der Vertikal-Shooter durch einfaches Drehen des Bildschirms im korrekten Seitenverhältnis anzeigt. Zusammen mit Scanline-Filtern und reaktionsschnellen Buttons liefert das Gehäuse genau die griffige Haptik, die billigen Klonen aus Fernost oft fehlt. Diese saubere Verarbeitung ist allerdings nur die halbe Miete, denn der wahre Systemwechsel vollzieht sich im Modulschacht.
Der RARE-Coup und kabelloser Mehrspieler ohne WLAN
Dort rasten nach wie vor physische Datenträger ein, ganz im Gegensatz zur Konkurrenz, die längst alles in Online-Stores auslagert. Zum Start liegt der Konsole ein Doppelpack mit Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie bei, was für die Plattform einen echten Meilenstein markiert. Blaze holt die legendäre N64-Ära von RARE auf eigene Steckkarten und beweist, dass der hauseigene Emulator auch anspruchsvolle Polygon-Klassiker flüssig auf das Display wuchtet.
Der Fokus auf Plastik und gedruckte Anleitungen bleibt das stärkste Alleinstellungsmerkmal der Briten. CEO Andrew Byatt bringt diesen Kurs auf den Punkt: „Die Nexus vereint alles, woran wir glauben: großartige Spiele, den Besitz physischer Medien und die Freude daran, etwas Neues zu entdecken.“ Über 80 Module mit mehr als 700 Titeln – von Doom bis Tomb Raider – stehen inzwischen bereit, komplett ohne Download-Wartezeiten oder Server-Abhängigkeiten.
Wer gemeinsam zocken will, profitiert von der neuen EverSync-Technologie für lokale Mehrspieler-Runden. Zwei Geräte koppeln sich direkt per Funk, ohne dass ein WLAN-Router oder ein Gast-Account im Spiel sein muss. Das Beste daran: Ein einziges Modul reicht völlig aus, um die Partie drahtlos auf den zweiten Bildschirm zu spiegeln. Solche Features zeigen, wie durchdacht Blaze das Retro-Konzept weiterentwickelt, doch an der Kasse folgt die harte Probe aufs Exempel.
Preisschock im Haifischbecken der Emulations-Handhelds
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 199,99 Euro stößt Blaze Entertainment in eine Dimension vor, in der die Luft spürbar dünner wird. Für diese Summe wandern andernorts bereits vollwertige Android-Handhelds über die Theke, die Tausende ROMs auf microSD-Karten schlucken oder Spiele via Cloud streamen. Wer sich für das Nexus-Ökosystem entscheidet, zahlt für jedes neue Modulpaket extra und bindet sich freiwillig an einen geschlossenen Sammlerkosmos.
Genau hier scheiden sich die Geister zwischen reinen Sparfüchsen und leidenschaftlichen Sammlern. Die offiziellen Lizenzen von Publishern wie Capcom, Taito oder RARE garantieren farbige Handbücher, ansprechende Boxen im Regal und saubere Emulation ohne mühsame Konfigurationsorgien. Wer mehr Details zur Ausstattung und den Händlerlisten sucht, wird direkt auf der offiziellen Produktseite von Blaze fündig.
Am Ende steht ein Handheld, der weder mit dem Steam Deck noch mit einer Nintendo Switch konkurrieren will, sondern seine Nische selbstbewusst besetzt. Die Evercade Nexus liefert eine hervorragende Verarbeitungsqualität, durchdachte Multiplayer-Kniffe und das unvergleichliche Gefühl, ein Spiel physisch ins Gerät zu drücken. Ob einem dieser haptische Luxus 200 Euro wert ist, entscheidet nicht der Benchmark, sondern die eigene Liebe zum Regal.
