Drei Jahre nach Release hat Alan Wake 2 die 3 Millionen Marke geknackt. Damit hat sich das ambitionierte Survival-Horror-Spiel nicht nur alle Entwicklungs- und Marketingkosten zurückgeholt – es spült jetzt auch echte Tantiemen in Remedys Kassen. Parallel steht Control Resonant mit 1,5 Millionen Wishlists in den Startlöchern.
Drei Millionen nach fast drei Jahren – der stille Marathon
Alan Wake 2 hat im zweiten Quartal 2026 die Marke von drei Millionen verkauften Exemplaren überschritten, wie Remedy in seinem aktuellen Halbjahresfinanzbericht bekannt gab. Das ist kein Blitzstart – aber genau das macht die Zahl bemerkenswert. Während die meisten AAA-Titel 80 Prozent ihrer Lifetime-Verkäufe in den ersten sechs Wochen erzielen und danach in der Versenkung verschwinden, verkauft sich Remedys Psychothriller beharrlich weiter.
1,3 Millionen Exemplare waren es im Februar 2024, zwei Millionen im Februar 2025, und jetzt drei Millionen. Die Kurve flacht nicht ab – sie hält ein Tempo, das Remedy selbst als „erwartungsgemäß“ einstuft. Für ein Spiel, das bis heute nicht auf Steam verfügbar ist und exklusiv über den Epic Games Store läuft, ist das kein selbstverständlicher Verlauf.
Keine Plattform-Deals mehr – jetzt zählt jeder Verkauf
Der entscheidende Satz aus dem Finanzbericht steht nicht in der Überschrift: Alan Wake 2 hat sämtliche Entwicklungs- und Marketingkosten eingespielt. Was jetzt reinkommt, sind Tantiemen – vor allem, da es keine „Plattform-Deal-Rückstellungen“ mehr gibt, die abgetragen werden müssen. Gemeint ist damit Epic Games‘ Finanzierungsanteil: Der Publisher hatte die Entwicklung mitfinanziert und musste seinen Einsatz erst zurückverdienen, bevor Remedy an den Verkäufen mitverdiente. Dieser Punkt ist nun überschritten.
Zum Vergleich: Der Vorgänger Alan Wake brauchte Jahre, um überhaupt die Million zu erreichen. Control, 2019 gestartet, liegt inzwischen bei über sechs Millionen Exemplaren – aber brauchte dafür fast ein Jahrzehnt und mehrere Steam-Sales. Alan Wake 2 ist das am schnellsten verkaufte Spiel der Studio-Geschichte.
Night Springs, Lake House und die Brücke zu Control Resonant
Auf dem Weg zur Profitabilität halfen zwei kostenpflichtige Erweiterungen: Night Springs erschien im Juni 2024 als schräge Anthologie-Episode, The Lake House folgte im Oktober 2024 und brachte einen spielbaren FBC-Agenten. Vor allem Letzteres war mehr als ein bloßer DLC – das Addon platzierte den ersten versteckten Teaser für Control Resonant. Wer aufmerksam war, bekam einen Blick auf das, was Remedy für September 2026 plant.
Inzwischen ist Control Resonant längst kein Geheimnis mehr. Der Titel erscheint am 24. September 2026 für PS5, Xbox Series X|S, PC und Mac – und anders als Alan Wake 2 diesmal auch auf Steam.
1,5 Millionen Wishlists und ein September voller Risiken
Control Resonant hat bereits 1,5 Millionen Wishlists auf allen Plattformen gesammelt. Die Vorbestellungen laufen laut Remedy „stark“, zumindest auf PlayStation. Das ist eine solide Basis – aber der September-Release ist riskant. Am selben Tag erscheint Silent Hill: Townfall, einen Tag später folgen weitere Titel in einem der dichtesten Release-Monate des Jahres. Remedys Reaktion darauf ist die größte Marketingkampagne der Studiogeschichte.
Mit 30 Stunden Hauptstory und rund 50 Stunden für Komplettisten ist Control Resonant etwa doppelt so umfangreich wie der Vorgänger. Der Preis liegt bei 59,99 Euro für die Standard-Edition, die Digital Deluxe Edition kostet 69,99 Euro und bringt 48 Stunden Early Access ab dem 22. September.
Firebreak-Desaster im Rücken – warum Resonant sitzen muss
Die 3 Millionen Meldung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Remedys Q2-Umsatz sank um 40 Prozent auf 10,2 Millionen Euro, das EBITDA rutschte auf minus 2,4 Millionen. Der Grund hat einen Namen: FBC: Firebreak. Der experimentelle Multiplayer-Ableger, im Juni 2025 gestartet, war ein kommerzieller Fehlschlag und erzielte nennenswerte Einnahmen fast nur über Game Pass- und PS Plus Deals.
Seitdem hat Remedy einen CEO-Wechsel hinter sich – Tero Virtala trat zurück, Jean-Charles Gaudechon übernahm. Der ehemalige EA-Manager räumte offen ein, dass sowohl Control als auch Alan Wake 2 „hätten mehr verkaufen müssen“. Control Resonant ist damit nicht nur ein Sequel – es ist der Beleg dafür, dass Remedy aus eigener Kraft einen Blockbuster auf die Beine stellen kann.
Dass Alan Wake 2 drei Jahre nach Release noch immer stetig verkauft und jetzt schwarze Zahlen schreibt, ist zumindest ein ermutigendes Signal. Die Frage ist nur: Reicht das, um zu überleben, falls Control Resonant nicht einschlägt?