Mitten im gamescom-Livestream hat SEGA die Deutschland-Karte als ersten großen internationalen Schauplatz für Crazy Taxi: World Tour von der Leine gelassen. Statt auf langweilige Rundkurse setzt der Arcade-Renner auf einen wilden Parcours aus verwinkelten Altstädten, Schlossauffahrten und weiten Ackerflächen, über die ihr eure Fahrgäste ohne Rücksicht auf Verluste prügelt. Wer hier pennt, klebt schneller an der Leitplanke als nach einem Lag-Spike im Ranked-Match.
Fachwerk, Schanzensprünge und reale Ladenfronten als Orientierungshilfe
Die neu gezeigte Deutschland-Map wirft euch direkt in ein dicht bebautes Areal voller Steigungen, enger Gassen und zersplitternder Holzzäune, die zum gnadenlosen Abkürzen einladen. Wer seine Passagiere rechtzeitig ans Ziel bringen will, nutzt historische Burgmauern als Sprungschanze und schneidet Kurven mitten durch festlich beleuchtete Marktstände. Genau wie bei den legendären Arcade-Wurzeln kehrt auch das reale Brand-Placement zurück: Mit der Sportmarke PUMA und dem Küchenspezialisten ZWILLING sind bereits zwei echte Ladenketten als markante Fixpunkte im Streckennetz bestätigt.
Diese Kooperationen sind weit mehr als bloße Kulisse, denn im dichten Stadtverkehr dienen die knalligen Leuchtreklamen als blitzschnelle Orientierungshilfe bei Höchstgeschwindigkeit. Statt auf einer Minikarte herumzusuchen, peilt ihr einfach die bekannten Schriftzüge an, während die Uhr unerbittlich nach unten tickt. Wer seine Fahrgäste sicher abliefert, sackt saftige Trinkgelder ein und dreht Runden so teuer wie die Miete im Vormonat. Das Prinzip funktioniert sofort und versprüht den herrlich anarchischen Charme, den wir seit über zwanzig Jahren vermisst haben.
Fünf eigenständige Zonen statt aufgeblasener Open World-Langeweile
Unter der Haube entsteht das Rennspiel beim Sega Sapporo Studio auf Basis der Unreal Engine 5, wobei Serien-Schöpfer Kenji Kanno eine erfrischend unkonventionelle Design-Entscheidung trifft. Wie Kanno in einem ausführlichen Interview klarstellte, verzichtet das Team ganz bewusst auf eine gigantische, zusammenhängende Spielwelt. Stattdessen setzt World Tour auf fünf getrennte, extrem dichte Metropol-Regionen rund um den Globus. Neben der bereits gezeigten US-Westküste bildet Deutschland das zentrale Herzstück dieses globalen Roadtrips.
Dieser kompakte Ansatz rettet das typische Pacing der Serie vor gähnender Leere. Jede Gasse strotzt vor zerstörbaren Objekten, Höhenunterschieden und versteckten Rampen, die millimetergenaue Driftwinkel belohnen. Gleichzeitig räumte das Studio jüngst mit den Gerüchten um den Einsatz von Automatisierungs-Tools auf: Generative Hilfsmittel dienten lediglich der internen Ideenfindung in einer frühen Phase, während alle finalen Spiel-Assets komplett aus menschlicher Handarbeit stammen. Damit reagierte der Publisher direkt auf die anhaltende Kritik rund um den Makel auf der Steam-Seite, der für ordentlich Zündstoff in den Foren gesorgt hatte.
Geschlossener Netzwerktest fordert sechs Fahrer im Multiplayer
Das Herzstück der modernen Neuauflage bildet der Online-Mehrspielermodus, in dem bis zu sechs Fahrer gleichzeitig um die Wette rasen und kollidieren. Um die Serverkapazitäten und die Kollisionsabfrage auf Herz und Nieren zu prüfen, veranstaltet SEGA vom 12. bis zum 14. September 2026 einen geschlossenen Netzwerktest. Anmeldungen für den Probelauf sind noch bis zum 1. September möglich. Im Mittelpunkt stehen zwei Spielarten: das klassische „Pickup Race“ um die fetteste Beute sowie der Team-Modus „Cops ’N’ Cabbies“, bei dem sich Taxifahrer und Polizeiwagen gegenseitig über den Asphalt jagen.
Das Fahrverhalten frisst Nitro wie ein V8-Motor im Kaltstart und verlangt nach perfektem Timing bei Ausweichmanövern. Wer am Test teilnimmt, bekommt allerdings ausschließlich die Mehrspieler-Action serviert, während die Einzelspieler-Kampagne rund um Axels gestohlenes Gefährt noch unter Verschluss bleibt.
Die Rückkehr des puren Spielspaßes ohne Kompromisse
Mit dem turbulenten Ausflug nach Deutschland beweist SEGA genau das richtige Gespür für den Spagat zwischen Nostalgie und modernem Gameplay. Die Entscheidung für fünf kompakte Zonen anstelle einer sterilen Riesenkarte ist der beste Beweis dafür, dass die Entwickler verstanden haben, was Crazy Taxi ausmacht: maximale Dichte, Tempo ohne Atempause und hemmungsloser Spaß am Chaos.
Das passt hervorragend in Segas große Blockbuster-Offensive, mit der alte Kultserien wieder auf die Bildfläche zurückgeholt werden. Wenn der Mehrspieler im September hält, was der Trailer verspricht, schnallen wir uns die Taximütze auf und drücken das Gaspedal bis zum Bodenblech durch.